Landesspitze will STELP-Gründer helfen
Demonstrieren? Geld sammeln? Seit Serkan Eren im Iran zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, fragen sich viele in Stuttgart, wie sie helfen können. EchtStuttgart schildert, was hinter den Kulissen geschieht und geheim bleiben soll. Nun setzen sich auch Cem Özdemir und Thomas Strobl für Erens Freilassung ein.
Wie kann man Stelp-Gründer Serkan Eren aus dem Gefängnis im Iran holen, in dem er unschuldig sitzt? Nach Informationen von EchtStuttgart geschieht hinter den Kulissen erheblich mehr, als derzeit öffentlich bekannt ist. Verschiedene Wege werden ausgelotet, Kontakte genutzt und Gespräche geführt. Auch Stuttgarter sind, wie wir erfahren haben, in die Türkei gereist, um dort auf Erens Fall aufmerksam zu machen und Unterstützung zu mobilisieren. In unserer Redaktion hat sich außerdem eine Türkin gemeldet, die berichtet, sie habe gute Kontakte in die türkische Regierung und habe bereits Rückmeldung in Sachen Serkan Eren erhalten.
Die Annahme, das Auswärtige Amt könne in diesem Fall nichts unternehmen, weil Eren türkischer Staatsbürger ist, trifft so nicht zu. Deutschland kann ihn als türkischen Staatsbürger zwar nicht konsularisch betreuen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine diplomatischen Handlungsmöglichkeiten gibt. Nach unseren Informationen ist die deutsche Seite bereits aktiv geworden.
Gleichzeitig kommt ein deutliches Signal von der baden-württembergischen Landesspitze. Ministerpräsident Cem Özdemir und Landtagspräsident Thomas Strobl haben das Urteil gegen Eren am Mittwochabend in einem gemeinsamen Statement als „schrecklich“ bezeichnet. Özdemir machte zudem deutlich, dass er sich weiter für Eren einsetzen werde: Er wolle sich auch weiterhin mit Nachdruck für dessen unverzügliche Freilassung starkmachen.
Nach dem schockierenden Urteil im Iran: Seien wir alle ein bisschen Serkan!
Eine diplomatische Lösung in einem Fall wie diesem ist äußerst schwierig. Jeder öffentliche Vorstoß, jede Forderung und selbst gut gemeinter politischer Druck kann Einfluss auf Gespräche haben, die im Hintergrund geführt werden. Deshalb ist die Situation für Freunde und Unterstützer Erens so frustrierend: Einerseits wollen viele endlich etwas tun. Andererseits könnte Aktionismus im falschen Moment genau jene Bemühungen erschweren, die Eren helfen sollen.
STELP selbst hält sich mit Details bewusst zurück. Die Organisation erklärt, in engem Austausch mit den türkischen Behörden zu stehen und mit Hochdruck daran zu arbeiten, Eren sicher nach Hause zu bringen. Weitere Einzelheiten will STELP zum Schutz Erens und aller Beteiligten derzeit nicht nennen.
Diese Zurückhaltung bedeutet nicht, dass nichts passiert.
Im Gegenteil.
Auch in Stuttgarter Unternehmerkreisen wird darüber gesprochen, wie man konkret helfen könnte. Nach Informationen von EchtStuttgart gibt es Unternehmer, die bereit wären, erhebliche Summen aufzubringen. Dabei geht es sogar um einen Millionenbetrag, falls Geld bei einer möglichen Lösung eine Rolle spielen könnte.
Aber kann man Eren tatsächlich „freikaufen“? Kann ein Austausch erreicht werden? Könnte es eine andere diplomatische Vereinbarung geben? Welche Rolle könnte dabei die Türkei spielen, welche Deutschland?
Darüber wird nach unseren Informationen hinter den Kulissen intensiv nachgedacht und gesprochen. Doch zwischen einer diskutierten Möglichkeit und einer tatsächlich bestehenden Option liegt ein großer Unterschied.
Es wäre deshalb falsch, derzeit den Eindruck zu erwecken, es gebe bereits einen konkreten Deal oder gar einen Preis für Erens Freiheit. Dafür gibt es nach unserem Kenntnisstand keine Anhaltspunkte.
Gerade bei solchen Überlegungen gilt: Je weniger öffentlich über mögliche Wege, Gesprächspartner und Bedingungen bekannt wird, desto besser kann es für Eren sein.
Gleichzeitig wächst in Stuttgart der Wunsch, selbst etwas zu tun. Warum gibt es keine große Demonstration für Eren? Sollte man noch mehr Politiker einschalten? Sollte öffentlich stärker Druck gemacht werden? Braucht es eine große Kampagne?
Diese Fragen sind verständlich. Aber momentan könnte leiser diplomatischer Druck wirksamer sein als eine möglichst laute öffentliche Kampagne.
Das heißt nicht, dass Solidarität unwichtig wäre. Im Gegenteil: Für Eren, seine Familie und seine Freunde ist es ein wichtiges Signal, dass Stuttgart ihn nicht vergessen hat.
Die Vorgeschichte ist inzwischen bekannt: Serkan Eren, Gründer der Stuttgarter Hilfsorganisation STELP und türkischer Staatsbürger, sitzt bereits seit mehr als einem Jahr im Iran fest.
Im Juni 2025 war der 42-Jährige in den Iran gereist, um im Rahmen eines humanitären Einsatzes Menschen in Not zu unterstützen. Dort wurde er in Gewahrsam genommen.
Nun hat ihn nach Angaben von STELP ein iranisches Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. Als Grund für das Urteil werden Kontakte zu einem Staat genannt, den der Iran als feindlich einstuft. STELP erklärte, Urteil und insbesondere Strafmaß würden aus Sicht der Organisation den Umständen des Falls nicht gerecht.
Die Nachricht hat in Stuttgart enorme Bestürzung ausgelöst. Freunde, Wegbegleiter und zahlreiche Unterstützer meldeten sich öffentlich zu Wort. Der frühere VfB-Torhüter und enge Freund Timo Hildebrand schrieb auf Instagram: „Lieb Dich Bruder.“ Auch Kool Savas schickte eine Botschaft an Eren: „Wir denken an dich und lieben dich Bruder.“
„Jetzt erst recht“: STELP eröffnet neues Benefiz-Café Lovd an der Calwer Straße
Ein besonders sichtbares Zeichen der Solidarität wird es am Samstag mitten in Stuttgart geben.
Am 26. September eröffnet STELP in der Calwer Straße 34 das neue Non-Profit-Café LOVD by STELP. Die Gewinne sollen der humanitären Arbeit der Organisation zugutekommen.
Nach der Nachricht über Erens Verurteilung bekommt diese Eröffnung eine Bedeutung, die bei der Planung niemand vorhersehen konnte. STELP selbst hat sich nach der enormen Anteilnahme an seine Unterstützer gewandt. Wer sich frage, was er jetzt tun könne, solle dabei helfen, das weiterzutragen, wofür Eren und STELP stehen: Menschen in Not zu helfen..
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
Alle Artikel von Uwe Bogen →
Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.