Patrick Mikolaj
Von Baustart und Gemäuer
7. Februar 2026
Wenn man einst den Bau eines neuen Schlosses in Stuttgart in Auftrag gegeben hatte, was sollte dann mit dem alten Schloss in direkter Nachbarschaft geschehen? Die Herzöge hatten Stuttgart 1718 den Rücken gekehrt, das Alte Schloss verlassen und Ludwigsburg zur Residenz gemacht. Als man wieder nach Stuttgart zurückkehren wollte, wurde 1746 der Grundstein für das Neue Schloss gelegt. Doch schon einige Jahre vor dem Baustart hatte Stuttgart den Status der Residenzstadt Württembergs zurückerhalten. Daher bewohnte Herzog Carl Eugen neben Schloss Ludwigsburg gelegentlich auch das Alte Schloss und erlöste das mittelalterliche Gemäuer so aus seinem jahrzehntelangen Schattendasein. Als in den 1770er-Jahren die ersten Räumlichkeiten im Neuen Schloss bezogen werden konnten, hatte sein Vorgängerbau für die Herzöge fast gänzlich ausgedient. Dort zog nun unter anderem ein Erziehungsinstitut für adelige und wohlhabende bürgerliche Mädchen ein. Das Alte Schloss war damit zu einer Art Nebengebäude des Neuen Schlosses geworden, und so wurden dort Wohnräume für den Hofstaat und auch ein Teil der Hofämter eingerichtet. Das Alte Schloss hatte sich somit zu einem Büro- und Wohngebäude gewandelt. Auch die Nutzung als Museum ist keine Idee der Neuzeit. Denn bereits 1899 ließ König Wilhelm II. hier ein Armeemuseum einrichten.
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