Uwe Bogen
House-Festival in Stuttgart
2000 Raver feiern bei Vibrancy unterm Fernsehturm – vielleicht ein einmaliges Erlebnis
18. Juli 2026
Nach dem Unwetter folgt die Partynacht: Etwa 2000 Raver feiern bei Vibrancy am Fernsehturm. Warum das Festival trotz Traumkulisse wohl ein einmaliges Erlebnis bleibt – und was die Veranstalter jetzt planen.
Der Bass pulsiert, Hände gehen in die Höhe, die Abendsonne taucht den Fernsehturm in warmes Licht. Vor der markanten Silhouette des Stuttgarter Wahrzeichens tanzen rund 2000 überwiegend coole Menschen, strahlen, umarmen sich und feiern. Der Parkplatz am Fernsehturm wird für einen Abend zum Open-Air-Club. Nach dem verregneten Auftakt am Freitag zeigt sich der Samstag von seiner besten Seite – das Wetter stimmt, die Stimmung erst recht.
Der Name des Festivals passt perfekt zu diesem Abend. Vibrancy bedeutet übersetzt so viel wie Lebendigkeit oder Dynamik. Bekannt ist der Begriff aus der digitalen Bildbearbeitung: In Programmen wie Photoshop oder Lightroom sorgt der Regler dafür, dass vor allem gedeckte Farben intensiver leuchten, ohne bereits kräftige Farbtöne zu überzeichnen. Bilder wirken dadurch natürlicher und lebendiger. Genau dieses Gefühl wollen die Veranstalter schaffen – und am Samstag gelingt ihnen das eindrucksvoll. Man spürt viel Begeisterung am Fuß des Wahrzeichens.
Die Musik passt zur besonderen Kulisse hoch über Stuttgart
Musikalisch setzt Vibrancy auf Melodic House. Treibende House-Beats treffen auf eingängige, emotionale Melodien. Statt harter, düsterer Sounds bestimmen helle Klanglandschaften und progressive Elemente den Abend. Die Musik passt zur besonderen Kulisse hoch über Stuttgart.
Während auf dem Parkplatz getanzt wird, geht es dahinter im Garten des Restaurant Leonhardts etwas exklusiver zu. Dort entsteht ein VIP-Bereich, der fast so groß ist wie der eigentliche Dancefloor. Wer 100 Euro bezahlt – mehr als doppelt so viel wie für ein reguläres Ticket –, erhält ein Bändchen und damit Zugang zu einer eigenen Welt. Von hier aus können Gäste hinter dem DJ auf der Bühne tanzen oder sich auf Sonnenliegen entspannen. Im Ticket ist außerdem die Auffahrt auf den Fernsehturm enthalten. Verantwortlich für den VIP-Bereich ist Leonhardts-Wirt Dennis Shipley.
Hinter Vibrancy stehen Dominik Seidenspinner und Felix Müller. Die Gründer der 2019 entstandenen Stuttgarter Vibrancy Entertainment GmbH haben sich darauf spezialisiert, elektronische Musik an außergewöhnliche Orte zu bringen. Der Fernsehturm gehört ebenso dazu wie der Schlossplatz oder die Grabkapelle.
Der Weg zum Festival am Fernsehturm war lang
Bis aus der Idee Wirklichkeit wird, verging allerdings viel Zeit. Naturschutz, Lärmschutz und zahlreiche Genehmigungen machen den Weg zum Festival lang und kompliziert. Für Seidenspinner ist manches schwer nachzuvollziehen. Während bei Fußballspielen der Stuttgarter Kickers deutlich mehr Lärm entsteht, muss das Festival bereits um 22 Uhr enden und strenge Grenzwerte einhalten.
Damit diese eingehalten werden, kommt sogar Technik zum Einsatz. Ein automatisches System überwacht permanent die Lautstärke. Überschreitet die Musik den erlaubten Wert, wird sie automatisch heruntergeregelt – unabhängig davon, was der DJ gerade spielt.
Ob es eine Neuauflage am Fernsehturm gibt, ist ungewiss. Die Veranstaltung wird anlässlich des 70. Geburtstags des Fernsehturms genehmigt und ist an zahlreiche Auflagen gebunden. Dass hier künftig regelmäßig elektronische Musik erklingt, gilt deshalb als eher unwahrscheinlich.
Am 19. September feiert Vibrancy auf dem Schlossplatz
Für Dominik Seidenspinner bleibt trotz des gelungenen Samstags ein Wermutstropfen. Der erste Festivalabend fällt dem Unwetter zum Opfer. Zwar übernimmt die Versicherung den wetterbedingten Ausfall, aber bei der Gastronomie fehlen Umsätze, so dass der Veranstalter nich mit schwarzen Zahlen rechnet.
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht. Der Blick richtet sich bereits auf den 19. September. Dann verwandelt Vibrancy den Schlossplatz in einen Dancefloor für rund 7000 Besucher. Nach diesem Abend am Fernsehturm ist die Vorfreude darauf jedenfalls deutlich spürbar.
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