Wirte berichten von Lieferengpässen
Beim Stuttgarter Weindorf darf nur Teinacher ausgeschenkt werden. 6 bis 6,90 Euro kostet der halbe Liter. Das Wasser-Monopol sorgt jedes Jahr für Ärger. Nun berichten Wirte von Lieferengpässen. Der Weindorf-Geschäftsführer widerspricht: Generelle Probleme seien nicht bekannt.
6,90 Euro für einen halben Liter Wasser. Auf dem Stuttgarter Weindorf ist das keine Ausnahme, sondern je nach Wirt der Preis für Teinacher. Für viele Besucher ist das jedes Jahr ein Ärgernis. Denn Wasser, sollte man meinen, ist bei einem Fest für alle nun wirklich kein Luxusgetränk.
Jetzt bekommt die Diskussion eine neue Facette: Wirte berichten. Teinacher habe zeitweise Schwierigkeiten gehabt, sie zu beliefern. Einer sagt, er habe deshalb auf Kisten zurückgreifen müssen, die noch in seinem eigenen Lokal standen. Ohne diesen Vorrat, so seine Schilderung, hätte er kein Wasser ausschenken können.
Stimmt das? EchtStuttgart hat bei Dominik Schwab, dem Geschäftsführer des Weindorfs, nachgefragt.
Weindorf
„Uns sind keine generellen Lieferengpässe von Teinacher auf dem Platz bekannt“, sagt Schwab. Bei extremem Andrang und großer Hitze könne es allerdings vorkommen, dass einzelne Nachbestellungen etwas länger dauerten. Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung sei das „logistischer Alltag“. Solche Fälle würden dann „auf kurzem Dienstweg“ gelöst. Sein Fazit fällt gewohnt locker aus: „Verdursten musste auf dem Weindorf noch niemand.“
Das eigentliche Ärgernis für viele Besucherinnen und Besucher liegt ohnehin tiefer: Auf dem Weindorf gibt es beim Mineralwasser keine freie Auswahl. Die Wirte müssen ausschließlich Teinacher ausschenken.
Andere Mineralbrunnen könnten ihr Wasser teilweise günstiger liefern, argumentieren Kritiker. Warum also gibt es kein Wettbewerb beim Wasser?
Die Antwort des „Weindorf-Bürgermeisters“ Schwab lautet: Partnerschaften wie diese seien bei Großveranstaltungen üblich. Teinacher sei ein langjähriger, verlässlicher und regionaler Partner aus Baden-Württemberg. Und die Zusammenarbeit bringt einen weiteren Vorteil: Teinacher lagert die Lauben des Weindorfs über das gesamte Jahr.
Das klingt zunächst nach einem Detail, ist aber ein wichtiger Bestandteil der Vereinbarung. Würde der Partner wegfallen, müssten für die Lauben zusätzliche Lagerflächen beziehungsweise Hallen angemietet werden. Das würde erhebliche Kosten verursachen.
Das erklärt, warum die Weindorf-Macher an der Partnerschaft festhalten. Es erklärt allerdings nicht vollständig, warum Besucherinnen ujnd Besucher für das Wasser so tief in die Tasche greifen müssen.
Etliche haben längst angefangen zu rechnen. Teinacher Gourmet Medium ist im Handel beispielsweise für 1,79 Euro pro Liter zu bekommen. Auf dem Weindorf kostet der halbe Liter 6 bis 6,90 Euro. Hochgerechnet sind das 12 bis 13,80 Euro pro Liter.
Damit kostet das Wasser auf dem Weindorf ein Mehrfaches des Handelspreises – in diesem Beispiel etwa das Sechs- bis Siebenfache.
Die Tübinger Latzhosen-Jungs mischen als coole Newcomer das Stuttgarter Weindorf auf
Allerdings hinkt ein anderer Vergleich, der regelmäßig im Internet auftaucht: Teinacher für 59 Cent je halbem Liter beim Discounter. Dieses Angebot ist nicht mit dem Weindorf vergleichbar. Dort handelt es sich um Wasser in Plastikflaschen und um die Medium-Variante, während auf dem Weindorf die Gourmet-Variation ausgeschenkt wird.
Trotzdem bleibt die Preisfrage
In der Gastronomie wird bei Getränken häufig mit einem Faktor von drei bis vier auf den Einkaufspreis kalkuliert. Das Weindorf liegt beim Wasser deutlich darüber.
Natürlich hat das Weindorf andere Kosten als ein Supermarkt: Personal, Kühlung, Gläser, Ausschank, Transport, Logistik und die komplette Infrastruktur einer Großveranstaltung müssen finanziert werden. Und auch die Lagerung der Lauben spielt bei der Partnerschaft eine Rolle.
Doch für den Besucherinnen und Besucher bleibt zunächst nur eine Zahl sichtbar: 6,90 Euro für einen halben Liter Wasser.
Dominik Schwab verweist auf die Qualität des Produkts. Teinacher sei eine Traditionsmarke aus dem Schwarzwald und stehe für „erstklassige Qualität“. Das passe zum regionalen Anspruch des Weindorfs.
Interessant ist deshalb eine Beobachtung, die sich bei Gesprächen mit Wirten ergibt: Wasser wird offenbar vergleichsweise wenig bestellt.
Liegt es am Preis? Beweisen lässt sich das nicht. Schließlich kommen die meisten Besucher wegen des Weins und nicht wegen des Mineralwassers. Aber es liegt nahe, dass sich mancher Gast angesichts von 6 oder 6,90 Euro für einen halben Liter zweimal überlegt, ob er tatsächlich eine Flasche Wasser bestellt.
Gerade an heißen Tagen ist das zumindest eine bemerkenswerte Entwicklung.
Bolognese bleibt draußen, Gin Tonic darf rein: Das Weindorf 2.0 sorgt für Debatten
Die Weindorf-Verantwortlichen sehen die Situation gelassen. Schwab betont, dass es keine generellen Lieferprobleme gebe und die Versorgung gesichert sei. Und auch beim Preis verweist er auf die Qualität und die langjährige Partnerschaft.
Dabei wäre es falsch, das gesamte Weindorf pauschal als überteuert abzustempeln. Wer genauer hinschaut, findet durchaus günstige Angebote.
Bei Inge kostet beispielsweise ein Glas Sekt mit 0,1 Litern drei Euro. Wer die Preise der einzelnen Lauben vergleicht, kann also durchaus ein Schnäppchen machen.
Nur beim Wasser gibt es keine echte Auswahl: Teinacher oder nichts.
Und genau das macht den Preis für viele so ärgerlich. Denn bei einem Glas Wein kann man sich über Qualität, Herkunft und Jahrgang unterhalten. Beim Wasser stellt sich dagegen eine ziemlich einfache Frage:
Die Weindorf-Verantwortlichen sagen: Das Gesamtpaket aus Partnerschaft, Qualität und Logistik rechtfertige die Konstruktion. Die Kritiker sagen: Ein Monopol ohne Konkurrenz treibe den Preis nach oben. Und dann hört man auch immer wieder: Niemand werde gezwugen, aufs Weindorf zu gehen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
Alle Artikel von Uwe Bogen →
22. Aug.News
21. Aug.News
21. Aug.News
23. Aug.News
20. Aug.NewsWöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.