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Family & Friends-Feier

AMICI next: Michael Wilhelmer hebt einen Stuttgarter Klassiker auf das nächste Level


Uwe Bogen 5 Min. Lesezeit News

Neues Ambiente, neues Konzept und ein neuer Küchenchef: Mit Alberto Treversan, der zehn Jahre im Stuttgarter La Fenice bis zu dessen Schließung gekocht hat, setzt Michael Wilhelmer im AMICI nach dem Umbau neue Akzente. Beim Friends-&-Family-Abend überzeugen Küche und Einrichtung gleichermaßen

Das Amici feiert nach dem Umbau Eröffnung im Next Level. Kleines Foto: Michael Wilhelmer (links) mit seinem neuen Küchenchef Alberto Treversan, der vom La Fenice kommt. Fotos: Andreas Engelhard

Goldfarbene Designerleuchten schweben über elegant gedeckten Tischen, üppiges Grün trifft auf dunkles Holz, edle Polstermöbel und raffinierte Lichtakzente. Wer das frisch umgebaute AMICI im Stuttgarter Zeppelin-Carré betritt, fühlt sich gleich wohl. Draußen Baustellen und Leerstände unweit des Bahnhofs, drinnen ein stilvolles Ambiente zwischen Mailänder Chic und asiatischem Purismus. Michael Wilhelmer hat seinem Restaurant ein neues Gesicht gegeben. Und auch kulinarisch soll das AMICI künftig in einer anderen Liga spielen.

Das Haus gehört längst zur Stuttgarter Gastronomiegeschichte. Seit 1999 ist das AMICI eine feste Größe im Nachtleben der Stadt. Dabei begann alles wenig glanzvoll: Die ersten Betreiber waren schon nach wenigen Monaten über alle Berge verschwunden. Danach entwickelte sich das Lokal mit wechselnden Betreibern und Höhen und Tiefen zu einer der bekanntesten Adressen Stuttgarts. Hier feierten Prominente, Unternehmer und Fußballstars, nach dem Sommermärchen 2006 ebenso wie nach dem Meistertitel des VfB Stuttgart 2007.

Seit elf Jahren steht Michael Wilhelmer hinter dem AMICI. Jetzt hat er das Restaurant umfassend umgebaut und ihm ein neues gastronomisches Konzept gegeben. AMICI NEXT heißt die Zukunft. Next Level gewissermaßen.„Das AMICI soll eine Insel sein, ein Ort, an dem man die virtuelle Welt hinter sich lässt und Raum wieder mit allen Sinnen erlebt“, sagt der Wirt. 

Zur Premiere hat Wilhelmer am Donnerstagabend Freunde, Familie, Wegbegleiter und zahlreiche Kollegen aus der Gastronomie eingeladen, um das Neue im Alten zu feiern.

Neues schaffen, Bewährtes besser machen

Michael Wilhelmer ist ein Gastronom, der selten stillsteht. Immer wieder entwickelt er neue Konzepte und erschließt neue Standorte – zuletzt etwa mit gastronomischen Aktivitäten am Stuttgarter Flughafen. Doch bei aller Lust auf Neues will der Wasenwirt auch seine bestehenden Betriebe nicht aus den Augen verlieren. Bewährtes müsse man pflegen, weiterentwickeln und immer wieder besser machen. Das AMICI ist dafür das beste Beispiel.

Ein Blickfang ist die mit Moos bewachsene und lila beleuchtete Säule (rechts). Foto: Andreas Engelhard
Der neue Küchenchef Alberto kommt vom La Fenice. Foto: Andreas Engelhard

Dabei stand zuletzt sogar der Name zur Diskussion. Man habe überlegt, das Restaurant im Zuge der Neuausrichtung umzubenennen, erzählt Wilhelmer. Doch die Idee wurde verworfen. Warum auch eine Marke aufgeben, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Stuttgart eingeführt ist? AMICI bedeutet schließlich Freunde. Und genau darum geht es an diesem Abend.

Ein Blickfang ist die imposante, mit Moos bewachsene Säule 

Das neue Raumkonzept ist ausgesprochen gelungen. Dunkle Materialien treffen auf warme Holztöne, blaugraue Polstermöbel und goldfarbene Leuchten. Blaues und violettes Licht setzt besondere Akzente. Ein Blickfang ist die imposante, mit echtem Moos bewachsene Säule, die gemeinsam mit Farnen und üppigen Pflanzen ein Stück Natur in die urbane Eleganz bringt.

Das klingt anspruchsvoll, ist aber überzeugend umgesetzt. Die neue Optik ist ein Genuss für sich. Ein Restaurant, in dem man gern sitzt und auch einmal länger bleibt.

Alberto Treversan bringt frischen Wind in die Küche

Mindestens ebenso wichtig wie das neue Ambiente ist die Küche. Mit Alberto Treversan hat Wilhelmer einen Küchenchef verpflichtet, der zehn Jahre lang im Stuttgarter La Fenice bis zu dessen Schließung tätig war. Sein Ansatz: italienische Küche, modern und kreativ interpretiert, mit internationalen Einflüssen.

Was das bedeutet, erleben die Gäste beim Friends-&-Family-Abend. Und das Menü ist ausgezeichnet.

Den Auftakt bilden Gin-Tonic-Lachs, eine vegetarische Sushi-Roll und Rote Bete mit Ziegenkäse. Danach folgt ein feines Schwarzwurzelsüppchen mit Parmesan und Trüffel. Weiter geht es mit Pasta, Tomatenbisque und Tigergarnele. Als Hauptgang wird am Stück gebratenes Roastbeef mit Kürbiskernpesto serviert. Dazu gibt es sorgfältig ausgewählte Weine.

Die Gerichte sind raffiniert, abwechslungsreich mit überraschenden Aromen. Das AMICI will künftig noch stärker als bisher mit seinem Essen punkten. Nicht nur ein Ort sein, an dem man sich trifft oder später noch einen Drink nimmt, sondern eine Adresse, die man ganz bewusst wegen ihrer Küche besucht.

Michael Wilhelmer begrüßt seine Gäste. Foto: Andreas Engelhard
Die Gastronomen Joshua Wilhelmer und Carsten Weller mit unserem Autor Uwe Bogen (von links), Foto: Andreas Engelhard
Das Amici gibt es seit 1999. Foto: Andreas Engelhard

Ein starkes Team – und die nächste Generation

Was neben Küche und Einrichtung besonders positiv auffällt, ist das Personal. Der Service ist aufmerksam, herzlich, professionell und bestens eingespielt. Das klingt selbstverständlich, ist es in Zeiten des Fachkräftemangels aber keineswegs. Wilhelmer kann sich glücklich schätzen, ein solches Team zu haben.

Bei seiner Begrüßung wird der Gastronom persönlich. Er spricht seine private Trennung an und erzählt, wie sehr er sich freut,  mit seinen beiden Söhnen so intensiv zusammenarbeiten zu können. Beide sind an diesem Abend dabei.

Michael Wilhelmer, Sohn der legendären Wirtin und Weindorf-Mitbegründerin Erika Wilhelmer, hat die Stuttgarter Gastronomie über Jahrzehnte mitgeprägt. Als Festwirt der Schwabenwelt auf dem Cannstatter Volksfest, mit Häusern wie dem Stäffele, der Ampulle, dem Schlachthof und der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Speisemeisterei. Auch in Berlin ist seine Unternehmensgruppe aktiv. Dass nun die nächste Generation mit an Bord ist, bedeutet ihm sichtlich viel.

Die Stuttgarter Gastroszene feiert mit

Der Abend ist zugleich ein großes Wiedersehen der Stuttgarter Gastronomieszene. Unter den Gästen sind zahlreiche Kollegen und Wegbegleiter, darunter Carsten und Phil Weller, Pierro Cuna, Luigi Aracri und Maximilian Trautwein.

Man kennt sich, begrüßt sich herzlich, tauscht Neuigkeiten aus und begutachtet neugierig das neue AMICI. Es wird gelacht, angestoßen und natürlich viel über das Essen gesprochen. Die Stimmung ist gelöst, die Atmosphäre angenehm ungezwungen. Ein wirklich schöner Abend, der seinem Motto Friends & Family alle Ehre macht.

Draußen müsste sich ebenfalls etwas tun

So gelungen der Neustart im Inneren ist, so ernüchternd bleibt der Blick auf das unmittelbare Umfeld. Das Zeppelin-Carré und die Umgebung rund um die Lautenschlagerstraße haben schon bessere Zeiten erlebt. Baustellen, Leerstände und wenig einladende Bereiche prägen stellenweise das Bild.

Natürlich hat Stuttgart 21 das Umfeld des Hauptbahnhofs über viele Jahre belastet. Aber man kann nicht jeden Leerstand und jede städtebauliche Fehlentwicklung dauerhaft mit dem Bahnprojekt erklären.

Hier sind auch Immobilieneigentümer, Stadtverwaltung und Stadtpolitik gefordert. Gerade das Zeppelin-Carré müsste mit seiner zentralen Lage eigentlich ein attraktiver Anziehungspunkt sein. Dafür braucht es ein lebendiges Quartier, gepflegte öffentliche Räume und eine überzeugende Mischung aus Handel und Gastronomie.

Wilhelmer und sein Team haben gezeigt, was sich aus einer etablierten Adresse machen lässt. Jetzt wäre es wünschenswert, wenn auch die Umgebung mitziehen würde.

Ein Klassiker mit noch mehr Zukunft

Das AMICI ist seit mehr als 25 Jahren Restaurant, Bar, Club, Treffpunkt der Prominenz und Bühne legendärer Partys. Und Wilhelmer hat nicht nur das Restaurant erneuert. Auch der Club im Obergeschoss wurde modernisiert. Zu den Neuerungen gehört eine eindrucksvolle Lichtdecke, die dem Nachtleben im AMICI künftig einen neuen Rahmen geben soll.

Das AMICI ist zurück. Eigentlich war es nie weg. Aber jetzt gibt es wieder einen guten Grund mehr, hinzugehen.

DJ Thomas Häffner legt auf. Foto: Andreas Engelhard
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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Neues schaffen, Bewährtes besser machen
  2. Ein Blickfang ist die imposante, mit Moos bewachsene Säule 
  3. Alberto Treversan bringt frischen Wind in die Küche
  4. Ein starkes Team – und die nächste Generation
  5. Die Stuttgarter Gastroszene feiert mit
  6. Draußen müsste sich ebenfalls etwas tun
  7. Ein Klassiker mit noch mehr Zukunft

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