Uwe Bogen
Stuttgart-Album
Was bei Hitze hilft: Stuttgarts Badegeschichten von früher
24. Juni 2026
Bei der Rekordhitze sehnen sich viele nach dem Sprung ins kalte Nass. Das Stuttgart-Album erinnert an Abkühlungsorte von früher – vom Naturfreibad im Schmellbachtal bis zu den Mineralbädern in Cannstatt. Dazu gibt es Geschichten von Freibadpommes, Mutproben und legendären Sommern.
Wer heute durch das idyllische Schmellbachtal zwischen Rohr und Musberg spaziert, kann im Biergarten von Jessica Göthel und Julian Schramm einkehren. Das Paar hat sich einen Traum erfüllt und mit viel Leidenschaft eine besondere Gastronomie mitten im Grünen aufgebaut. Jessica kommt aus dem Marketing, Julian hatte seine berufliche Heimat im Controlling.
Heute sorgen beide dafür, dass sich Gäste an diesem besonderen Ort wohlfühlen. Zwischen alten Bäumen, Vogelgezwitscher und Waldidylle ahnen viele nicht, dass sich genau hier einst eines der beliebtesten Freibäder Stuttgarts befand.
Naturfreunde hatten das Schwimmbad im Wald gebaut
Das Rohrer Naturfreibad war ein kleines Sommerparadies mitten im Wald. 1926 und 1927 errichteten die Naturfreunde die Anlage im Schmellbachtal. Gespeist wurde sie von den „Drei Brunnen“, deren Quellwasser selbst an heißen Tagen kaum wärmer als 18 Grad wurde. Zwei Becken lagen zwischen den Bäumen – eines davon trug den Spitznamen „Bremsen-Becken“.
An sonnigen Wochenenden kamen bis zu 3000 Menschen ins Naturbad.
In den 1960ern wurde es zurückgebaut auf und aufgegeben. Mehrfach wechselte das Gelände hden Besitzer. Schließlich übernahm die Katholische Kirche das Areal und errichtete 1972 ein Waldheim – bis sie das Gelände an das junge Paar verkauft hat, da gab es das Freibad schon lange nicht mehr..
Als Stuttgart noch im Neckar schwamm
Wenn die Temperaturen steigen, zieht es die Menschen ans Wasser. Vor rund 100 Jahren war das in Stuttgart noch ganz selbstverständlich.
Als der Schwimmverein Bad Cannstatt 1898 gegründet wurde, trainierten seine Mitglieder nicht in Bädern, sondern sprangen in den Neckar. Der Fluss war Badeort und Lebensraum zugleich.
Heute ist das kaum vorstellbar. Zwar liegt Stuttgart am Neckar – aber ans Baden ist bei der schlechten Wasserqualität nicht zu denken. ,
Das vergessene Strandbad am Max-Eyth-See
Auch am Max-Eyth-See wurde einst geschwommen. Nach seiner Anlage 1935 entstand dort ein Strandbad mit Sprungtürmen und Umkleiden. Zwischen Weinbergen wurde es schnell zum beliebten Ausflugsziel.
Seit 1978 ist das Baden verboten. Übrig geblieben sind Erinnerungen und alte Fotos.
Freibadpommes und Sommertage
Im Stuttgart-Album berichten Leserinnen und Leser von ihren Badeerlebnissen. Wibke Wieczorek-Becker erinnert sich ans Killesbergbad:
„Unendlich bin ich hier geschwommen, habe im Wasser herumgealbert, war fast täglich dort, habe Pommes gegessen, gelesen und Sonnenbrand mit nach Hause gebracht.“
Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 4 oder 8 war damals völlig normal.
Der kleine Ausreißer aus dem Leuze
Rainer Müller war drei Jahre alt, als er im Mineralbad Leuze auf eigene Faust den Heimweg antrat. Während sein Vater duschte, lief er in Badehose über die B 14 und durch den Rosensteinpark nach Hause. Im Bad herrschte derweil große Aufregung – erfolglos.
Die „Amiwiese“ im Rosental
Das Rosental-Freibad prägte Generationen. Besonders bekannt war die große Liegewiese, die wegen amerikanischer Soldaten „Amiwiese“ genannt wurde.
Michael Gross sammelte dort Flaschen, um sich Eis zu kaufen. Später wurde das Freibad auch für nächtliche Badeaktionen über den Zaun genutzt – mit ebenso schnellen Fluchten.
Vom Heslacher Bad in die Welt
Gisela Salzer-Bothe lernte erst mit neuneinhalb Jahren schwimmen, später wurde sie deutsche Meisterin. Trainiert wurde sie im Heslacher Bad und im Mombach-Bad, dessen Wasser aus der Quelle erwärmt wurde.
Als Leistungssportlerin lernte sie Schwimmbäder weltweit kennen.
Leuze oder Berg – eine Stuttgarter Frage
Das Leuze geht auf die Cannstatter Badeanstalt von 1842 zurück. Nur wenige Meter entfernt eröffnete 1856 das Mineralbad Berg („Neuner“).
Nach seiner Sanierung prägte es lange den Charme der 1950er Jahre, ist aber nach einem technischen Schaden in diesem Jahr vorübergehend geschlossen.
Die Debatte Leuze oder Berg bleibt trotzdem ein Klassiker in Bad Cannstatt.
Erinnerungen im kühlen Nass
Vom Schmellbachtal bis Cannstatt erzählen Stuttgarts Badeorte von Sommern, die für viele unvergessen bleiben. Auch wenn manche Orte verschwunden sind, leben die Erinnerungen weiter – an Freibadpommes, Sprünge ins Wasser und lange Tage in der Sonne.
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