Neuer House-Club auf dem Killesberg
Seit 46 Jahren ist der Perkins Park auf dem Killesberg eine Club-Institution des Landes. Vom 12. September an heißt er nur noch The Park und setzt auf internationale House-DJs. Das neue Konzept soll die Zukunft des Clubs sichern. Eine Zäsur im Stuttgarter Nachtleben. Wir blicken zurück – und nach vorn.
Der hellste aller Partysterne ist die Discokugel. Sie hängt dort, wo die Musik des Lebens spielt: im Epizentrum von Tanz und Balz. Seit fast 46 Jahren dreht sich der Glitzerball auf den Killesberghöhen. Könnte die Kugel vom Perkins Park erzählen – ach, über was für Geschichten könnten wir staunen!
Zum Beispiel die von Chaka Khan. Die zehnfache Grammy-Preisträgerin war nach einem Konzert im Perkins Park gestrandet. Die US-Sängerin feierte so ausdauernd, dass irgendwann gar nichts mehr ging: Sie kam nicht mehr von den Stufen des DJ-Pults herunter. Ob es an den hohen Absätzen ihrer Stiefel lag? Oliver Joos, damals Ende der 1980er Jahre Türsteher und später Wirt, musste die Soul-Legende schließlich aus ihren Lederstiefeln schälen.
Paukenschlag im Nachtleben: Perkins Park soll zur House-Hochburg werden
Später trug Joos mit Kollegen die britische Sängerin Lisa Stansfield horizontal ins Taxi. Und auch Eike Immel, einst Nationaltorwart, musste nach einer langen Nacht irgendwie nach Hause gebracht werden. Den groß gewachsenen Torwart in dessen Porsche zum Schlafen zu legen, war reine Maßarbeit.
Bevor sich am Killesberg Prominente, Models, Musiker, Fußballer und Nachtschwärmer die Klinke in die Hand gaben, stand dort ein Gebäude mit einer ganz anderen Geschichte.
Errichtet wurde es 1938/39 für die Reichsgartenschau 1939. Später wurde das Parkrestaurant des Killesbergs zu einem beliebten Ort für Tanz und Unterhaltung. Ende der 1970er Jahre war Schluss. Das Gebäude stand leer und war heruntergekommen. Die Stadt erwog den Abriss – doch das Denkmalamt machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.
Für Gerhard „Gerd“ Schüler, Marius Haug und Michael Presinger, drei Gastronomen aus Mannheim, war das eine Chance. Sie wollten dort nach dem Vorbild des legendären Studio 54 in New York eine Großraumdiskothek eröffnen.
Die Zeit war günstig. „Saturday Night Fever“ hatte die Disco-Welle zum Massenphänomen gemacht, John Travolta wurde zum Tanzidol und die Discokugel zum Symbol einer Generation.
Am 4. Dezember 1980 eröffnete der Perkins Park. Mit einer Tanzfläche aus Marmor, viereinhalb Meter hohen Glaswänden, einer schwarz getäfelten Toilette – und einer Türpolitik, die bald ebenso legendär war wie der Club selbst.
Bei der Eröffnung herrschte Schneesturm. Trotzdem reichte die Schlange bis auf die Straße. Hansi Müller, damals einer der bekanntesten Fußballer Deutschlands, war dabei: Eine Disco für 1000 Gäste war in Stuttgart damals etwas völlig Neues. Auch Günther Netzer gehörte zu den Gästen.
Der Name war ursprünglich gar kein Discobegriff. Anfang der 1980er Jahre wollte ein US-Tabakkonzern eine neue Zigarettenmarke namens Perkins auf dem deutschen Markt testen. Stuttgart wurde als Testmarkt ausgewählt. Die PR-Strategen des Konzerns unterstützten die drei Mannheimer Gastronomen bei ihrem Disco-Projekt – und so landete der Markenname am Killesberg.
Die Pointe: Die Zigarette verschwand nach wenigen Wochen vom Markt. Der Perkins Park blieb.
Aus einem Namen für ein Tabakprodukt wurde eine der bekanntesten Clubadressen Deutschlands.
Im Laufe der Jahre bekam der Perkins Park den Ruf eines Nobelclubs. Ein Begriff, den Michael Presinger allerdings nie besonders mochte.
Presinger war von Beginn an dabei und lenkte über Jahrzehnte bis heute mit wechselnden Geschäftspartnern die Geschicke des Clubs. Sein Ziel sei nie gewesen, nur Prominente und die Schönen und Reichen anzuziehen. Auch ganz normale Stuttgarter sollten dort feiern wollen.
Und das taten sie.
Der Perkins Park wurde zu einem Ort, an dem sich Welten trafen. Tina Turner, Udo Jürgens, Boris Becker, Nina Hagen, Snoop Dogg, Cristiano Ronaldo und David Coulthard gehörten zu den bekannten Besuchern.
Eine der schönsten Geschichten betrifft John McEnroe. Der legendäre US-Tennisspieler soll Ende der 1980er Jahre nach einem Turnier in Stuttgart vor der Tür gestanden haben. Doch der Türsteher ließ ihn zunächst nicht hinein. Der Grund: McEnroe war zu sportlich gekleidet.
So streng waren die Regeln am Killesberg.
Natürlich kursieren rund um den Club auch Geschichten, die eher in die Kategorie Nachtleben als Zeitgeschichte passen.
1994 etwa sollen Claudia Schiffer und der Magier David Copperfield im Perkins Park ihre Liebe präsentiert haben. Presingers Erklärung dafür ist allerdings entzaubernd: Wären die beiden tatsächlich ein Paar gewesen, hätten sie sich vermutlich einen Ort gesucht, an dem keine Fotografen lauern.
Auch hinter dem DJ-Pult hatte der Club seine eigene Welt. Dort gab es eine „Künstlergarderobe“. Wenn ein DJ sich dorthin zurückzog, konnte das – so erzählt man sich – durchaus andere, also durchaus hormonelle Gründe haben, als sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten.
Die Discokugel hat in all den Jahrzehnten ohnehin vieles gesehen: Liebesgeschichten, wilde Nächte, Promillepegel, zerknitterte Kleidung und Gäste, die über den Zaun kletterten, um sich den Gang zur Kasse zu sparen.
Was bleibt, ist nicht nur die Prominenz. Es ist vor allem die Masse der Menschen, die den Club geprägt haben. Der Perkins Park hat Stadtgeschichte geschrieben – hier wurde unzählige Ehen gestiftet oder Gründe für Scheidungen geliefert.
Die Tanzfläche wurde zum Gedächtnis des Hauses. Den Marmorboden haben Tausende im Laufe der Jahre zentimeterweise heruntergetanzt. Generationen von Stuttgartern feierten dort ihre Nächte: erste Dates, letzte Drinks, große Erfolge, schlechte Entscheidungen und manchmal einfach nur einen verdammt guten Abend.
Auch die Geschichte der Betreiber veränderte sich. Presinger und Schüler gingen geschäftlich irgendwann getrennte Wege. Presinger blieb dem Haus bis heute treu.
Und dann kam die Pandemie.
Als die Clubs schließen mussten, kämpfte Michael Presinger als Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands für das Überleben der Branche. Ein Ort, der jahrzehntelang davon gelebt hatte, dass Menschen zusammenkommen, musste plötzlich ohne Menschen auskommen.
Der Perkins Park überstand auch diese Zäsur. Doch danach hatte sich das Ausgehverwalten geändert. Für Clubs wird es seitdem immer schwerer, für volle Häuser zu sorgen.
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Nun steht der Park erneut vor einem tiefen Einschnitt. Die Zeiten, in denen der Name allein für volle Nächte sorgte, sind vorbei. Das Stuttgarter Nachtleben hat sich verändert. Darauf reagiert der Betreiber mit einer strategischen Neuausrichtung. Der Perkins Park wurde umgebaut und saniert und soll künftig stärker auf ein internationales House-Publikum setzen. Hinter dem neuen Konzept steht Denis Gugac mit seinem Team.
Am 12. September beginnt damit ein neues Kapitel: Der Club heißt dann The Park. Internationale House-DJs sollen künftig am Killesberg auflegen. Aus dem traditionsreichen Stuttgarter Club soll eine internationale House-Hochburg werden.
Am 12. September wird die neue Ära mit der Opening Party gefeiert.
Der Name Perkins Park verschwindet damit – zumindest offiziell – aus dem Nachtleben. Doch ganz verschwinden wird er wohl nie. Dafür hat er sich zu tief in die Stuttgarter Erinnerung eingebrannt.
Denn ein Club ist mehr als sein Name. Er ist ein Ort, an dem Geschichten entstehen. Ein Ort, der sich immer weiterentwickeln muss, um eine Zukunft zu haben.
Ade, Perkins Park – Welcome, The Park!
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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