Große Anteilnahme am Tod des Unternehmers
„Ich hoffe, im Himmel gibt es gute Wellen“: Der frühere VfB-Star Timo Hildebrand nimmt bewegend Abschied von Heiko Grelle – seinem Freund, Wegbegleiter und wichtigen Unterstützer. Die Anteilnahme am Tod des beliebten Gastro-Unternehmers, der im Alter von 62 Jahren starb, ist riesengroß.
Die Nachricht vom Tod von Heiko Grelle hat Stuttgart tief getroffen. Und längst nicht nur Stuttgart.
Seit EchtStuttgart am Dienstag als erstes Medium über den Tod des Gastronomen, Unternehmers, Hip-Hop-Wegbereiters, Surfers und STELP-Beirats im Alter von nur 62 Jahren berichtet hat, erreichen unsere Redaktion unzählige Nachrichten und Anrufe. Viele bedanken sich für unseren Nachruf („Ihr habt uns aus dem Herzen gesprochen“ und: „Sehr respektvoll geschrieben!“). Freunde und Weggefährten melden sich, Menschen, die mit Grelle gearbeitet, gefeiert oder gemeinsam Projekte auf den Weg gebracht haben. Andere kannten ihn nur flüchtig – und wollen trotzdem erzählen, welche Erinnerung sie mit ihm verbinden.
Die Anteilnahme reicht weit über die Region hinaus. Sogar aus Seattle in den USA erreichte EchtStuttgart eine Nachricht.
Es ist eine Welle der Anteilnahme, die zeigt, wie viele Menschen Heiko Grelle in seinem Leben erreicht hat. Und das Bild der Welle passt zu ihm wie kaum ein anderes. Grelle war leidenschaftlicher Surfer, das Wasser und der Sport gehörten zu seinem Leben. Nun taucht die Welle auch in einem besonders persönlichen Abschied wieder auf.
Stuttgart verliert einen seiner Macher: Zum Tod von Heiko Grelle
Sehr bewegend hat sich Timo Hildebrand in den sozialen Medien von seinem Freund und Geschäftspartner verabschiedet. Der frühere VfB-Torwart arbeitete mit Grelle bei der Hilfsorganisation STELP ehrenamtlich zusammen. Auch geschäftlich waren die beiden eng verbunden: Grelle war Gesellschafter von Hildebrands veganem Restaurant vhy!.
Aus der Zusammenarbeit war längst Freundschaft geworden.
Wie sehr Hildebrand der Abschied schmerzt, ist schon in seinen ersten Worten zu spüren. Es sei „so unheimlich schwer“, diese Zeilen überhaupt zu schreiben, erklärt er in seinem Post.
Zu seinem Abschied veröffentlicht Hildebrand ein Foto, das die beiden bei der STELP-Gala im Smoking Anzug zeigt. Ein eher ungewöhnliches Kleidungsstück für Grelle, der sich in Surfershorts, Hoodie oder T-Shirt deutlich wohler fühlte.
Gerade dieses Bild steht für Hildebrand für einen gemeinsamen Moment, in dem sie STELP feierten und Geld für Menschen in Not sammelten.
Dann wird Hildebrands Abschied sehr persönlich. Er fragt sich, wie es überhaupt möglich sein soll, künftig ein Meeting des vhy! abzuhalten, wenn Heiko Grelle nicht mehr dabei ist. Wie man über Zahlen und Zukunftspläne sprechen soll, während sein Platz leer bleibt.
Grelle, schreibt Hildebrand sinngemäß, habe von Anfang an an seine Vision eines pflanzlichen Restaurants geglaubt – obwohl er selbst ausgerechnet kein großer Gemüsefan gewesen sei.
Ohne Heiko, so Hildebrand, hätte er diese Vision nicht verwirklichen können. Er wäre ohne ihn vermutlich nie Unternehmer geworden und hätte nicht gelernt, was es bedeutet, ein Team zu führen.
Dafür sagt er seinem Freund aus tiefstem Herzen Danke.
Es sind Sätze, die deutlich machen, welche Rolle Grelle hinter den Kulissen spielte. Nicht nur als Investor oder Geschäftspartner, sondern als Ratgeber, Mutmacher und Mensch, der anderen etwas zutraute.
Hildebrand beschreibt seinen Freund als Inspiration für viele Menschen – in Stuttgart und weit darüber hinaus.
Heiko sei immer er selbst geblieben: locker, cool, empathisch und jung geblieben, verbunden mit dem Lebensgefühl, das bei ihm offenbar nie bloß ein Spruch war: „only good vibes“.
Für Hildebrand war Grelle Visionär und Macher, zugleich aber vor allem ein toller Mensch und liebevoller Vater.
Dabei kannte auch Hildebrand zunächst nur die Geschichten über diesen Heiko Grelle. Über den bestens vernetzten Stuttgarter, den lässigen Typen, den „coolen Dude“, von dem scheinbar jeder schon einmal gehört hatte. Persönlich kennengelernt hätten sie sich erst vor rund sechs Jahren.
Viel zu wenig Zeit, wie Hildebrand jetzt schreibt.
Er hätte gerne noch viele Abende gemeinsam mit seinem Freund verbracht – und dabei sogar noch öfter mit ihm Anzug getragen.
Am Ende seines Abschieds findet Hildebrand ein Bild, das wahrscheinlich kaum besser zu Heiko Grelle passen könnte.
„Ich hoffe im Himmel gibt es gute Wellen.“
Ein Satz, der hängen bleibt.
Denn bevor Grelle Gastronom wurde, bevor es die den Hip-Hop-Club Schräglage gab, bevor er Restaurants betrieb, Menschen miteinander vernetzte und neue Projekte anschob, war da bereits der Sport. Grelle war erfolgreicher Windsurfer. Die Leidenschaft fürs Surfen und für dieses besondere Lebensgefühl hat ihn nie verlassen.
Hildebrands letzter Gruß ist deshalb nicht nur traurig. Er erinnert auch an den Heiko Grelle, den seine Freunde kannten: den Surfer, den lässigen Macher, den Mann in Hoodie und T-Shirt, der vermutlich tatsächlich lieber auf eine gute Welle wartete, als einen Anzug anzuziehen.
„Du fehlst und wirst immer fehlen“, schreibt Hildebrand. Der Schmerz werde bleiben.
Und er unterschreibt nicht als Geschäftspartner, nicht als Gastronom und nicht als ehemaliger Fußballprofi.
Sondern einfach:
„Dein Freund Timo.“
Die enorme Resonanz auf den Tod von Heiko Grelle zeigt, dass Stuttgart nicht nur einen erfolgreichen Gastronomen und Unternehmer verloren hat.
Es trauern Menschen um jemanden, der Verbindungen geschaffen hat. Der Freundschaften pflegte, andere für Ideen begeisterte, sich sozial engagierte und offenbar bei vielen etwas hinterlassen hat, das weit über Clubs, Restaurants und Geschäftszahlen hinausgeht.
Seit unserem ersten Nachruf erreichen EchtStuttgart immer neue Erinnerungen an ihn. Manche kommen aus Stuttgart. Manche aus der Region. Manche von sehr weit weg.
Wie die Nachricht aus Seattle.
Vielleicht ist auch das ein passendes Bild für Heiko Grelle: Die Wellen, die ein Mensch in seinem Leben ausgelöst hat, reichen manchmal viel weiter, als er selbst ahnen konnte.
Wir haben Timo Hildebrand gefragt, wann sein Freund beerdigt wird. Der Termin sei noch nicht bekannt, lautet die Antwort, er wisse auch nicht, ob es eine öffentliche Beisetzung werde.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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