Zum Inhalt springen

Kommentar

Demokratie ist kein Selbstläufer: Pop war immer politisch – jetzt erst recht!


Uwe Bogen ·3. September 2026 ·2 Min. Lesezeit News

Alphaville sagt ab, Pussy Riot kommt nach Stuttgart. Pop war schon immer politisch – und darf gerade jetzt nicht schweigen. Doch erreicht deutlicher Widerspruch gegen Rechts überhaupt die Menschen noch, die AfD wählen wollen? Uwe Bogen appelliert im Kommentar: Nicht einlullen lassen und die Demokratie verteidigen!

In Russland hat Pussy Riot erfahren, was es bedeutet, wenn freie Meinungsäußerung verboten ist. Foto: Raphael Rodrigues / Veranstalter

Das Hin und Her um Alphaville – erst ausgeladen, weil die Band klare Kante gegen Rechts zeigen wollte, dann wieder eingeladen, nun der Verzicht auf den Auftritt – ist zu Recht gerade Gesprächsthema Nummer eins. Und es zeigt, wie aufgeheizt die Debatte kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist.

Dabei sollte eines klar sein: Pop war nie unpolitisch. Musik, Kultur, Alltag – all das findet nicht außerhalb der Gesellschaft statt. Man kann nicht einfach den Kopf einziehen und sich einlullen lassen, wenn demokratische Grundwerte unter Druck geraten.

Der Stuttgarter Veranstalter Thorsten Schulz, der Pussy Riot nach Stuttgart holt, bringt es auf den Punkt: „Wir weigern uns, uns zu Tode unterhalten, während unsere Demokratie bedroht wird. Es ist an der Zeit, verfassungsfeindlichen Kräften Einhalt zu gebieten und klare rote Linien zu ziehen.“

Klare Kante gegen Rechts also. Ja! Ist wichtiger denn je!

Erreicht man die AfD-Fans überhaupt noch?

Was mich beunruhigt: Diejenigen, die ohnehin mit der AfD sympathisieren, dürfte all das kaum beeindrucken. Und deshalb reicht es nicht, nur moralische Appelle zu formulieren. Man muss auch verstehen, woher Wut und Frust kommen.

Pussy Riot kommt nach Stuttgart: Scharfe Worte gegen ein Erstarken der AfD

Udo Lindenberg trifft einen wichtigen Punkt: Viele Menschen haben die Schnauze voll, postet er bei Social Media. Von Versprechen, dass alles besser werde, während vieles teurer wird, Kriege und Krisen den Alltag bestimmen und das Vertrauen in Politik und Institutionen schwindet.

Aber Frust darf nicht dazu führen, Demokratie und Freiheit aufs Spiel zu setzen.

Meinungsfreiheit bedeutet gerade, unbequeme politische Positionen auszuhalten. Die Forderung, Musik, Kultur oder gleich das ganze Leben sollten doch bitte „unpolitisch“ bleiben, ist deshalb Quatsch.

Wollen wir wirklich, dass Künstler schweigen?

Schaut euch Pussy Riot an, die nach Stuttgart kommen. In Russland haben die Mitglieder der Gruppe erfahren, was es bedeutet, wenn politische Kunst und freie Meinungsäußerung verfolgt werden.

Wollen wir wirklich in eine Richtung gehen, in der Künstler lieber schweigen sollen?

Nein. Gerade jetzt gilt: Nicht einlullen lassen. Widersprechen. Demokratie verteidigen.

Gefällt mir
Artikel teilen
Link kopiert
Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

Alle Artikel von Uwe Bogen →

Mehr von Uwe Bogen

Mehr aus News

Inhaltsverzeichnis
  1. Erreicht man die AfD-Fans überhaupt noch?
  2. Wollen wir wirklich, dass Künstler schweigen?

Anzeige

Face of Germany – Halbfinale, 18.10.2026, MALO Stuttgart – jetzt bewerben
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.

Echt Stuttgart Spezial Unsere großen Geschichten Alle Spezial-Seiten mit Hintergründen, Updates und Live-Daten an einem Ort. Zu den Specials →