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Wasen-Warmup mit den Kesselkehlchen

Erfolg in der Calwer Straße: Jetzt zieht der Stehausschank ins Volksfest-Zelt


Uwe Bogen ·10. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

36 Kesselkehlchen, ein überraschender Flashmob und ein Fass, das mit zwei Schlägen sitzt: Im Stehausschank von Weller und Dinkelacker steigt am Donnerstagabend eine der ersten Warm-up-Partys fürs Volksfest. Und eine Idee aus der Calwer Straße zieht jetzt auf den Wasen – der Stehausschank kommt ins Dinkelacker-Zelt.

Flashmob der Kesselkehlchen auf der Calwer Straße: Erst kamen sie mit Hoodies und Jacken wie zufällg, die wurden ausgezogen und zum Vorschein kam das T-Shirt mit dem Logo der Kesselkehlchen. Foto: Uwe Bogen

Noch ist es ein ganz normaler Donnerstagabend auf der Calwer Straße. Vor dem  Stehausschank der Familien Weller und Dinkelacker stehen die Leute dicht an dicht, kleine Biergläser in der Hand, Stimmengewirr, Feierabendstimmung. Das Volksfest ist zwar noch zwei Wochen entfernt – aber auf den Wasen anstoßen kann man schließlich nie früh genug. 

Dann bleibt ein Mann stehen.

Noch einer. Und noch einer.

Was aussieht wie Passanten, die zufällig vorbeikommen, ist ziemlich gut inszeniert. Plötzlich erklingen die ersten Töne von „Mamma Mia“. Immer mehr Männer stimmen ein. Jacken und Pullis fliegen runter – darunter tragen alle schwarze Shirts mit demselben Logo.

Die Kesselkehlchen sind da. 36 Mann stark.

Und jetzt gehört ihnen die Calwer Straße.

„Das, was ich will, bist du“

Beim nächsten Song, „Ohne dich“ von der Münchener Freiheit, wird aus dem Flashmob eine kleine Liebeserklärung mit 36 Absendern. Bei „Das, was ich will, bist du“ streckt jeder Sänger den Arm aus und sucht sich unter den Gästen genau eine Person aus.

36 Finger zeigen ins Publikum.

Gelächter. Handys gehen hoch. Es wird mitgesungen.

Stuttgart ist offensichtlich bereit für das Volksfest.

Die Kesselkehlchen sind erwachsen geworden

EchtStuttgart hat im April über die Kesselkehlchen berichtet – mit dem ersten Artikel über einen verwegenen Plan. Noch heute sind sie uns dankbar dafür. Damals war das noch eine ziemlich verrückte Idee: ein Männerchor für Männer, die ganz normal aussehen und von sich selbst nicht unbedingt behaupten würden, große Sänger zu sein.

Das Motto: „Fangesang in Schön.“

Pop, Rock, Partyhits, Wasen-Klassiker – laut, locker und mit jeder Menge Energie. Seit April sind immer mehr Sänger dazugekommen. Und wer die 36 Kesselkehlchen jetzt hört, merkt schnell: Das alte „Wir können eigentlich gar nicht richtig singen“ können sich die Jungs langsam sparen.

Die können singen. Und wie.

Vor allem haben sie Riesenspaß dabei. Und der springt sofort aufs Publikum über.

HIER GEHT’S ZUM VIDEO VON DEN KESSELKEHLCHEN AUF DER CALWER STRASSE:

Juniorchef Phil Weller (links) sticht bei der Wasen-Warmup-Party das Fass an. Foto: Uwe Bogen

Die Männer haben einen großen Traum: Eines Tages wollen sie das Kesselfestival  eröffnen. Vorher geht es an einen anderen ziemlich passenden Ort: Auch ein Auftritt auf dem Cannstatter Wasen im Dinkelacker-Zelt ist geplant.

Und genau dieses Zelt bekommt in diesem Jahr eine besondere Neuerung.

Der Stehausschank zieht auf den Wasen

Auf dem Cannstatter Wasen wird es erstmals in einem Festzelt  einen Stehausschank nach dem Vorbild der Calwer Straße geben.

Die Familie Weller übernimmt das bisherige Klaus-&-Klaus-Dinkelacker-Festzelt – und nimmt eine Idee mit, die in der Stuttgarter Innenstadt innerhalb weniger Monate zum Riesenerfolg geworden ist.

Dort, wo sich bisher die Pilsbar befand, entsteht ein Stehausschank. Das Prinzip: kein reservierter Tisch, kein stundenlanges Sitzen auf der Bierbank. Hinstellen, Bier holen, Leute treffen, ins Gespräch kommen. Genau so, wie es seit Januar auf der Calwer Straße funktioniert.

Zwei Schläge – und das Fass ist offen

Juniorchef Phil Weller greift an diesem Abend selbst zum Schlegel. Zwei Schläge – das Fass ist angestochen.

Die Familie Weller hat den ersten Stehausschank der neuen Art in Stuttgart im Januar eröffnet. Seitdem ist das kleine, urgemütliche Lokal regelmäßig proppenvoll. Auch davor drängen sich die Leuten.

Erst Liederhalle, dann Weindorf: Die Kesselkehlchen werden zum Stuttgarter Hit

Und der Stehausschank hat der Calwer Straße gutgetan. Wo man früher vielleicht einfach vorbeigelaufen wäre, bleibt man heute stehen, trifft Bekannte, kommt mit Fremden ins Gespräch und trinkt noch ein kleines Bier.

Was in der Calwer Straße funktioniert, soll jetzt auch auf dem Wasen funktionieren.

Ganz eins zu eins lässt sich das Erfolgsmodell allerdings nicht übertragen. Auf der Calwer Straße gehört das kleine 0,2-Liter-Glas zum Konzept. Auf dem Wasen ist das aus logistischen Gründen nicht machbar. Da gibt es 0,4-Liter-Gläser statt des Maßkrügen.

Entscheidend ist ohnehin weniger die Glasgröße als die Idee dahinter: kommen, stehen, trinken, reden.

Die Bayern haben’s erfunden? Moment mal!

Die Inspiration für den Stuttgarter Stehausschank kam aus München. Dort arbeitet ein Sohn von Brauereichef Christian Dinkelacker und erzählte seinem Vater, wie beliebt solche Lokale in der bayerischen Landeshauptstadt sind.

Orte für spontane Begegnungen, ohne Dresscode und große Konventionen. Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Schichten stehen zusammen, trinken ein frisch gezapftes Bier und kommen ins Gespräch.

Sehr bayerisch?

Moment mal.

Schließlich haben die Schwaben einen wunderbaren Begriff für eine ganz ähnliche Form des gesellschaftlichen Zusammenkommens: den Ständerling.

Auch dabei wird im Stehen getrunken, eine Kleinigkeit gegessen und vor allem geredet – ungezwungen und gesellig.

Die Münchner haben vielleicht den Stehausschank populär gemacht. Die Schwaben wussten längst, wie schön gemeinsames Herumstehen sein kann.

Erst Calwer Straße, jetzt Cannstatter Wasen

Der Stehausschank auf der Calwer Straße war ein Experiment. Inzwischen ist klar: Es funktioniert.

Und deshalb bekommt das Prinzip jetzt seine größtmögliche Stuttgarter Bühne – aufs Cannstatter Volksfest:

Vielleicht passt der Flashmob der Kesselkehlchen deshalb so gut zu diesem Abend: Man steht zusammen, kommt ins Gespräch, trinkt ein Bier.

Und irgendwann singt die ganze Straße.

Die Kesselkehlchen, die auch zu den Publikumslieblingen der Weindorf-Eröffnung zählten,  haben rasant Karriere gemacht. Wow, Männer habt ihr gut gemacht!  

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Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. „Das, was ich will, bist du“
  2. Die Kesselkehlchen sind erwachsen geworden
  3. Der Stehausschank zieht auf den Wasen
  4. Zwei Schläge – und das Fass ist offen
  5. Die Bayern haben’s erfunden? Moment mal!
  6. Erst Calwer Straße, jetzt Cannstatter Wasen

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