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Nachruf

Journalisten trauern um Karl Geibel: Bis zuletzt unbequem und kämpferisch


Uwe Bogen 2 Min. Lesezeit News

Er war streitbar, kämpferisch und unbequem: Karl Geibel ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Als langjähriger DJV-Landesvorsitzender und überzeugter Gewerkschafter prägte er den Journalismus in Baden-Württemberg über Jahrzehnte. Ein persönlicher Dank.

Immer was zu lachen und zu schimpfen, wenn man ihn traf: Karl Geibel mit unserem Autor Uwe Bogen (links). Foto: Klaus Schnaidt

Karl Geibel, den wir alle  „Charly“ nannten und  ihn irgendwann aber nach der Satirezeitschrift Charlie Hebdo „Charlie“ schreiben sollten, war hartnäckig, unbequem und meinungsstark. Er hatte Haltung und scheute keine Auseinandersetzung. Wer mit ihm telefonierte, musste Zeit mitbringen. Wenn man glaubte, das Gespräch sei zu Ende, fiel ihm garantiert noch etwas ein. Bis zuletzt blieb er ein aufmerksamer Beobachter der Medienlandschaft. Die Entwicklung im Stuttgarter Pressehaus verfolgte er mit Sorge.

Gern erinnere ich mich an unsere Gespräche über den Film Führer und Verführer von Joachim Lang. Als langjähriges Mitglied des SWR-Rundfunkrats kannte Charlie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von innen. Dass die ARD einen Film über ein so wichtiges Thema erst spät in der Nacht ausstrahlen wollte, ärgerte ihn gewaltig. Ein solcher Film gehöre zur besten Sendezeit, fand er. Das war der Charlie: Er mischte sich ein, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.

Kämpferische Reden bei Journalistenstreiks

Charlie war Gewerkschafter aus Überzeugung. Auch als Rentner war er ein kämpferischer Redner unserer Streikversammlungen. Er rief uns dazu auf, für faire Arbeitsbedingungen und einen unabhängigen Journalismus zu kämpfen. 

Geboren 1941 in Kaiserslautern, schrieb Karl Geibel bereits mit 17 Jahren seine erste Kunstkritik für die Rheinpfalz. Nach dem Studium, unter anderem der Kunstgeschichte, arbeitete er als Reporter und Ressortleiter bei Zeitungen in Kassel, Wiesbaden und in Stuttgart. 1986 gehörte er zu den Mitgründern des DJV-Landesverbands Baden-Württemberg, den er bis 2010 als Vorsitzender prägte. Er war außerdem stellvertretender DJV-Bundesvorsitzender und half nach der Wiedervereinigung beim Aufbau des Journalistenverbands in Sachsen. Seit 1998 gehörte er dem SWR-Rundfunkrat an und engagierte sich auch im ARD-Programmbeirat. Bis zum Ruhestand hat er bei den Stuttgarter Nachrichten gearbeitet. Später wurde er Ehrenvorsitzender des DJV-Landesverbands.

Auch persönlich habe ich ihm viel zu verdanken. Nach meinem Volontariat bei der Pforzheimer Zeitung arbeitete ich als freier Journalist und schrieb unter anderem für den Baden-Württemberg-Teil der Stuttgarter Nachrichten. Charlie war es, der mich schließlich aus Pforzheim nach Stuttgart ins Pressehaus in Möhringen holte und damit eine wichtige Weiche in meinem Berufsleben stellte. Das habe ich nie vergessen.

Bis zuletzt engagierte er sich für seinen Berufsstand

Mit Karl Geibel verlieren wir einen leidenschaftlichen Journalisten, einen überzeugten Gewerkschafter und einen Menschen, der sich bis zuletzt für seinen Berufsstand engagierte. Markus Pfalzgraf, als Landesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes ein Nachfolger von Charlie, sagt. „Karl Geibel wird im engsten Familienkreis bestattet. Es wird darum gebeten, von Beileidsbekundungen jeglicher Art abzusehen.“

Wenn ich an unsere langen Telefonate denke, würde ich nur zu gern noch mal hören, wie er erst ausgiebig schimpft, dann laut lacht und kurz vor dem Auflegen sagt: „Ach, das wollte ich dir noch sagen.“

Lieber Charlie mit ie, das sagen wir dir: Danke für alles. wir werden dich nicht vergessen.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Kämpferische Reden bei Journalistenstreiks
  2. Bis zuletzt engagierte er sich für seinen Berufsstand

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