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Bodybuilding-Star in Stuttgart

Riesenandrang bei Thalia Wittwer: Urs Kalecinski über wahre Stärke jenseits der Muskeln


Uwe Bogen 3 Min. Lesezeit News

1,7 Millionen Instagram-Follower, Oberarme wie Oberschenkel und eine riesige Fangemeinde: Bodybuilding-Star und Bestseller-Autor Urs Kalecinski sorgt bei Thalia Wittwer in Stuttgart für einen rekordverdächtigen Andrang. Doch sein neues Buch erzählt davon, dass wahre Stärke nicht in den Muskeln steckt.

Urs Kalecinski sorgt bei seiner Signierstunde für eine riesigen Andrang bei Wittwer/Thalia - für jeden Fan gibt's ein Selfie. Fotos: Uwe Bogen

Diese Schlange nimmt kein Ende. Vom Eingang der Buchhandlung Thalia Wittwer zieht sie sich quer durch das verwinkelte Geschäft, vorbei an Bücherregalen, um mehrere Ecken bis ganz nach hinten in einen anderen Teil des Verkaufsgebäudes. Auffallend viele junge Männer stehen an, fast alle mit demselben Buch in der Hand: „My Miracle Mindset: Warum wahre Stärke mehr ist als Muskeln“.

Sie warten auf Urs Kalecinski. 28 Jahre alt, 1,7 Millionen Instagram-Follower, einer der größten Stars der internationalen Bodybuilding-Szene. Sein Spitzname: „The Miraclebear“.

„Schau mal, dem seine Oberarme sind dicker als deine Oberschenkel“, sagt einer zu seinem Kumpel. Der nickt ehrfürchtig: „Ja, er ist eine Maschine!“

Eine Maschine, die Bücher signiert.

Muskeln wie aus Stein – aber wie bekommt man die?

Während sich die Schlange langsam durch die Buchhandlung schiebt, wird gefachsimpelt. Über Training, Ernährung und die Frage, die bei solchen Körpern fast zwangsläufig aufkommt.

„Allein mit Training kann man doch nicht so aussehen“, ist immer wieder zu hören. „Da braucht man schon gewisse Substanzen.“

Es ist die ewige Diskussion im Profi-Bodybuilding: Wo endet eiserne Disziplin, wo beginnt die Chemie? Über Kalecinskis persönlichen Substanzgebrauch sagt das freilich nichts aus.

Über einen ungewöhnlichen Wettkampftrick hat er allerdings selbst gesprochen: Im OMR-Podcast erzählte er, dass er kurz vor Bühnenauftritten Wodka trinke, um seine Adern stärker hervortreten zu lassen. „Dann kommen die Adern raus“, erklärte er. Ein gesundheitlich riskantes Ritual in einer Welt, in der jedes Detail zählt.

„Der sieht doch aus wie 38!“

Auch übers Älterwerden wird diskutiert. Kalecinski vertritt die These, dass Bodybuilding zu einem längeren Leben beitragen könne. Nicht alle Wartenden sind überzeugt. „Mit Bodybuilding sieht man doch viel älter aus“, meint einer. „Der Urs ist 28, sieht aber aus wie 38!“

Gelächter. Dann rückt die Schlange wieder ein paar Schritte vor.

Für jeden Fan gibt es ein Selfie. Foto: Uwe Bogen

Der stärkste Muskel sitzt im Kopf

Dabei ist Kalecinskis Buch geradezu ein Gegenentwurf zum Kult um den perfekten Körper. Er erzählt von seinem Aufstieg an die Weltspitze, extremen Diäten, Selbstzweifeln und psychischem Druck. Im Spiegel sprach er über Suizidgedanken während seiner Zeit in der Classic Physique. Der Kampf gegen das strenge Gewichtslimit hatte ihn an seine Grenzen gebracht. Schließlich suchte er sich psychologische Hilfe.

Seine Botschaft: Wahre Stärke bedeutet manchmal nicht, immer weiterzukämpfen, sondern zu erkennen, wann man Hilfe braucht.

Nach der Trennung von seiner Partnerin hat sich der 28-Jährige sein Schlafzimmer kurzerhand direkt ins Gym gebaut. Andere ziehen nach einer Trennung in eine neue Wohnung. Er zieht zu seinen Hanteln, die er womöglich genauso liebt. Bodybuilding rund um die Uhr – sogar im Schlaf. Aber ist das noch sexy? Oder längst ein bisschen grotesk? Was seine Fans anhimmeln, dürfte andere eher abschrecken. Denn irgendwann stellt sich bei all den Muskelbergen die Frage: Wo hört der Traumkörper auf und wo fängt die Übertreibung an?

Für jeden ein Selfie, für jeden ein Lächeln

Am Signiertisch zeigt sich Kalecinski alles andere als unnahbar. Er ist der Kumpeltyp, nimmt sich Zeit, unterschreibt Bücher, plaudert mit seinen Fans. Mit jedem wird ein Selfie gemacht. Keine Fließbandabfertigung, obwohl die Schlange scheinbar kein Ende nimmt.

Für die vielen jungen Männer ist es ein besonderer Moment: einmal neben dem Idol stehen, dessen Trainingsvideos sie sonst auf dem Smartphone verfolgen. Ein Händedruck, ein Foto, ein signiertes Buch.

Und vielleicht liegt genau darin die Pointe dieses Tags bei Wittwer: Die Fans kommen wegen der gewaltigen Muskeln. Sie gehen mit einem Buch nach Hause, das ihnen erklärt, dass Muskeln allein eben nicht alles sind.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Muskeln wie aus Stein – aber wie bekommt man die?
  2. „Der sieht doch aus wie 38!“
  3. Der stärkste Muskel sitzt im Kopf
  4. Für jeden ein Selfie, für jeden ein Lächeln

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