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Stadt verbietet Demo nicht

Gen-Z-Demo: Stuttgarter Geschäfte schließen – OB Nopper leitet Protestzug an der City vorbei


Uwe Bogen 3 Min. Lesezeit News

Aus Sorge vor Krawallen bei der Gen-Z-Demo schließen Eppli, Wempe und Bucherer am Samstag, wie sie EchtStuttgart bestätigen. Weitere Händler könnten folgen. OB Nopper lässt den Protestzug über die B 14 führen. Die Initiative „Gen Z regelt“ provoziert derweil mit einem Pflasterstein-Foto.

Das Auktonshaus Eppli schließt am Samstag sein Geschäft und sichert die Schaufenster. Foto: Uwe Bogen

Die angekündigte Gen-Z-Demonstration am Samstag (31. Oktober) sorgt bei Stuttgarter Geschäftsleuten für Unruhe. Mindestens drei namhafte Geschäfte bleiben aus Sicherheitsgründen geschlossen.

„Wir wissen ehrlich gesagt nicht so richtig, wie wir die Lage einschätzen sollen, haben jetzt aber zum Schutz unserer Mitarbeiter und der uns anvertrauten Ware entschieden, auf Nummer sicher zu gehen. Unser Haus bleibt zu“, erklärt Auktionshaus-Inhaber Ferdinand Eppli gegenüber EchtStuttgart.

Auch Juwelier Wempe und das Uhren- und Schmuckgeschäft Bucherer bei der Stiftskirche bestätigen auf unsere Anfrage, dass sie am Samstag schließen und wertvolle Auslagen vorsorglich räumen werden.

Die Kosmetikkette Sephora auf der Königstraße geht noch einen Schritt weiter und will ihr Geschäft sogar verbarrikadieren. Das Unternehmen stammt aus Frankreich, wo es bei Jugendprotesten zu besonders heftigen Ausschreitungen gekommen war.

Weitere Händler könnten folgen. „Andere sind in Wartestellung und werden gegebenenfalls spontan schließen“, berichtet ein Insider. Einige Geschäfte wollen dagegen regulär öffnen.

Was Breuninger zur Demonstration sagt

Felix Haußmann, der Kommunikationschef von Breuninger, erklärt, man habe die Schaufenster nicht wegen der Demo abgehängt, sondern für die anstehende Weihnachtskampagne. „Aktuell planen wir am Samstag mit dem regulären Betrieb“, sagt er auf Anfrage von EchtStuttgart, „wir stehen hierzu jedoch im engen und permanenten Austausch mit den zuständigen Behörden.“ Die Sicherheit der Mitarbeitenden sowie der Kundinnen und Kunden habe dabei „selbstverständlich höchste Priorität“. 

Nopper nimmt „Sorgen ernst“ 

Die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Frank Nopper nehmen die Sorgen vor möglichen Ausschreitungen ernst, erklären sie in einer Pressemitteilung am Donnerstagnachmittag. Zugleich betonen sie das Recht junger Menschen auf friedliche Meinungsäußerung.

„Es ist gut und richtig, dass junge Menschen ihre Meinung und ihre Interessen friedlich kundtun“, erklärt Nopper. Bei der geplanten Versammlung sei jedoch unklar, ob sie „zu anderen Zwecken missbraucht wird und möglicherweise in Gewalt umschlägt“.

Als Reaktion auf das Schreiben von Einzelhändlern, Gastronomen und Gewerbetreibenden erklärt der OB, die Planie sei als Kundgebungsort vorgesehen.  Der anschließende Demonstrationszug soll an der engeren Innenstadt vorbeigeführt werden und über die B14 zum Marienplatz ziehen.

Nopper verweist dabei ausdrücklich auf die Warnungen des Landesschülerbeirats, der die Bedenken aus Sicht des Oberbürgermeisters „verantwortungsvoll und völlig zu recht“ äußere.

Instagram-Bild zeigt junge Menschen mit Pflastersteinen

Für Irritationen sorgt ein Motiv auf der Instagram-Seite „gen_z_regel“, die zur Demonstration in Stuttgart aufruft. Es zeigt zwei junge Menschen, die hinter ihrem Rücken große Steine halten. Darüber steht in roten Buchstaben: „GEN Z REGELT DAS“.

Die Bildsprache wirkt bewusst provokant und spielt offenbar mit der Angst vor gewaltsamen Straßenprotesten. Die Initiative kommentiert das Motiv mit den Worten: „Wir haben das Bild aus ästhetischen Gründen gewählt – das ist kein Aufruf zur Gewalt.“  Die Macher verstehen dies wohl unter Humor. 

Mit diesem Foto provoziert die Initiative auf ihrer Instagramseite Foto: Instagram/gen.z_regelt

Schülervertretungen distanzieren sich

Die Initiative „Gen Z regelt“ ruft bundesweit zu Demonstrationen für bessere Bildung, Klimaschutz und gegen steigende Lebenshaltungskosten sowie die Wehrpflicht auf. Wer genau hinter dem Bündnis steht, bleibt teilweise unklar.

Der Landesschülerrat Niedersachsen und die Bundesschülerinnenkonferenz distanzieren sich von der Initiative. Letztere plant eigene Aktionen im November.

Auch Fridays for Future ruft inzwischen zu Protesten auf. Die Jugend habe allen Grund, für bessere Schulen, ein besseres Klima und ihre Zukunft auf die Straße zu gehen, erklärt ein Sprecher in den sozialen Medien. Eine ausdrückliche Unterstützung von „Gen Z regelt“ ist damit nicht belegt. 

Organisator fordert friedliche Proteste

Nach Informationen von EchtStuttgart rechnet die Stuttgarter Polizei laut internen Berichten am Samstag mit „Gewalt, Sachbeschädigungen und anderen Straftaten“. Die Polizei will das Demonstrationsrecht schützen, zugleich aber Straftaten von Beginn an unterbinden und konsequent dagegen vorgehen.

Akram Selo, bundesweit Verantwortlicher der Bewegung „Gen Z regelt“, fordert im Interview mit EchtStuttgart seinerseits, die Polizei müsse mögliche Gewalttäter von den friedlichen Demonstrierenden fernhalten. Er ruft ausdrücklich zu friedlichen Protesten ohne Vermummung auf.

Die Bewegung fordert unter anderem mehr Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und Klimaschutz.

Zum Schutz seiner Familie und seiner Privatsphäre hat Selo inzwischen seine Telefonnummer aus dem Impressum der Homepage entfernt. Als verantwortliche Anschrift ist dort nun die L Consulting Group GmbH in der Schweiz angegeben.

Auch bei den Online-Anmeldungen für die bundesweiten Proteste hat sich die Reihenfolge verändert: Mittlerweile liegt inzwischen Köln an erster Stelle, gefolgt von Stuttgart. Zuvor hatte Stuttgart die meisten Online-Anmeldungen verzeichnet.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Was Breuninger zur Demonstration sagt
  2. Nopper nimmt „Sorgen ernst“ 
  3. Instagram-Bild zeigt junge Menschen mit Pflastersteinen
  4. Schülervertretungen distanzieren sich
  5. Organisator fordert friedliche Proteste

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