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Kommentar zur Gen-Z-Demo in Stuttgart

Wer Randale macht, klaut der Jugend ihre Stimme


Uwe Bogen 3 Min. Lesezeit News

Statt bisher 500 haben die Veranstalter der Gen-Z-Demo für Samstag in Stuttgart nun 6000 Teilnehmer angemeldet. Junge Leute haben allen Grund zu demonstrieren. Doch wer Randale macht, klaut ihnen ihre Stimme. Wenn am Ende nur über eingeschlagene Scheiben gesprochen wird, geht es nicht mehr um ihre Zukunft. Ein Appell zu friedlichen Protesten.

In der Stuttgarter Innenstadt und auf dem Schlossplatz soll es am Samstag um die Zukunft der Jugend gehen. Foto: Stadtmarketing/Sarah Schmid

500 Demonstrierende – diese Zahl hatte die Stadt Stuttgart bisher wiederholt genannt, wenn es um die erwartete Beteiligung an der Gen-Z-Demo am Samstag ging. So viele Personen seien beim Amt für öffentliche Ordnung angemeldet worden. Am Freitag heißt es nun aus dem Rathaus: Die Anmeldezahl wurde nach einem Gespräch mit den Veranstaltern auf 6000 erhöht.

Ob es nun 500, 6000 oder 12.000 sind, die sich auf der Homepage von Gen-Z-Regelt anmeldet haben: Es  gibt wahrlich gute Gründe für junge Menschen, sich gegen die Politik aufzulehnen. Ihre Zukunft ist ungewiss: Klimakrise, marode Schulen, fragliche Renten, Sparpolitik auf Kosten der Jungen. Überall wird gespart, und viel zu oft trifft es diejenigen, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben. Wer, wenn nicht sie, sollte dagegen protestieren?

Junge Menschen haben schon immer demonstriert, rebelliert und den Mächtigen widersprochen. Das ist kein Zeichen einer kaputten Gesellschaft, sondern einer lebendigen Demokratie. Schlimmer wäre eine Jugend, die resigniert und schweigt. Denn zu oft hat die Politik dieser Generation Hoffnungen gemacht, Versprechen gegeben und Erwartungen geweckt, die sie nicht eingelöst hat. Kein Wunder, dass sich viele junge Menschen enttäuscht, ja sogar betrogen fühlen. Und dass sie nicht länger stillhalten wollen.

Nicht schon vorher den Ausnahmezustand ausrufen

Gut deshalb, dass die Stadt Stuttgart die Demonstration am Samstag nicht verbietet, wie es die CDU gefordert hatte. Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut. Sie gilt gerade auch für diejenigen, deren Meinung anderen nicht passt.

Doch inzwischen wird fast nur noch über mögliche Ausschreitungen gesprochen. Das ist ärgerlich. Natürlich müssen sich Polizei und Stadt auf mögliche Gewalt vorbereiten. Aber deshalb muss man nicht schon den Eindruck erwecken, als sei der Krawall unausweichlich. Ein bisschen mehr Gelassenheit täte der Debatte gut. Nicht jeder junge Mensch, der wütend auf die Politik ist, will deshalb Steine werfen. Und nicht jede Demonstration ist ein Sicherheitsproblem.

Wer schon vorher nur über Gewalt spricht, läuft Gefahr, die eigentlichen Anliegen der jungen Generation aus dem Blick zu verlieren.

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Die Krawallmacher dürfen nicht die Debatte bestimmen

Die größte Gefahr für diese Demonstration sind diejenigen, denen es gar nicht um die Zukunft der Jugend geht, sondern nur um Randale. Sie nehmen den jungen Leuten das Wichtigste: die Aufmerksamkeit für ihre Anliegen.

Wenn am Ende nur über eingeschlagene Scheiben, brennende Barrikaden und Polizeieinsätze gesprochen wird, fragt niemand mehr, warum die Jugend eigentlich auf die Straße gegangen ist. Dann haben die Krawallmacher die Debatte gekapert. Und die jungen Demonstrierenden sind die Verlierer.

Dafür die Medien verantwortlich zu machen, wie es mitunter geschieht, ist zu einfach. Wenn es Gewalt gibt, muss darüber berichtet werden. Verantwortlich sind diejenigen, die sie ausüben. Wer Steine wirft oder Scheiben einschlägt, kämpft nicht für die Zukunft der Jugend. Er zerstört die Aufmerksamkeit, die ihre Forderungen verdienen.

Lasst euch eure Demonstration nicht klauen!

Deshalb der Appell: Demonstriert, seid laut, seid wütend, seid unbequem. Aber bleibt friedlich. Und lasst euch eure Demonstration nicht von Leuten klauen, denen es nur um Krawall geht.

Auch alle anderen sollten Ruhe bewahren und die Demonstrierenden nicht schon vor dem ersten Protestzug unter Generalverdacht stellen. Entscheidend ist, was am Samstag tatsächlich geschieht, nicht, welche Schreckensszenarien vorher ausgemalt werden.

Denn am Ende sollte Stuttgart über die Sorgen und Forderungen der jungen Generation sprechen. Nicht über zerbrochenes Glas.

Eure Zukunft ist zu wichtig, um hinter eingeschlagenen Scheiben zu verschwinden.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Nicht schon vorher den Ausnahmezustand ausrufen
  2. Die Krawallmacher dürfen nicht die Debatte bestimmen
  3. Lasst euch eure Demonstration nicht klauen!

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