Uwe Bogen
Neuer Anlauf auf den Fildern
Cavos, Maifest und Box-PK: Gelingt dem SI-Centrum ein Comeback mit neuen Ideen?
28. April 2026
Der Party-Grieche Cavos eröffnet 2027 im SI-Centrum – die einen sind verwundert, die anderen begeistert. Nach dem Auszug der Flüchtlinge aus dem Hotel startet der Standort neu. Das Maifest und die Box-PK mit Ardian Krasniqi sind die ersten Attraktionen. Gelingt das Comeback auf den Fildern?
Die Exklusivnachricht von EchtStuttgart hat in Stuttgarts Gastronomieszene eingeschlagen wie ein Ouzo auf nüchternen Magen: Der Party-Grieche Cavos verlässt nach 15 Jahren die City – und zieht auf die Filder ins SI-Centrum. Für viele Gastronomen ist das ein Schritt, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Denn das SI-Centrum mit 126.000 Quadratmetern gilt seit Jahren als schwieriger Standort. Abseits der Musicalbesucher, der Schwabenquellen und der Spielbank fehlt es häufig an Laufkundschaft. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Branchenkenner sogar von einem „problematischen Pflaster“. Doch dies soll sich nun ändern – nicht nur, weil die Flüchtlinge, die in Hotelzimmern untergebracht und von der Stadt bezahlt waren, Ende vergangenen Jahres ausgezogen sind. Jetzt sollen frische Ideen und neue Attraktionen den Standort attraktiver machen und mehr Gäste auch abseits vom Musical anlocken.
Mutiger Schritt oder kalkuliertes Risiko?
Die Ankündigung des Cavos-Chef Thom Dobler, auf den Fildern zu starten, hat die Diskussion über die Zukunft des SI-Centrums neu belebt. Auf der Seite des Apollo-Theaters sind nicht alle Locations geöffnet. Der Partygriechen muss die bisherigen Räume in der City Ende dieses Jahres verlassen und hat lange nach einer Alternative gesucht. jetzt hat sich Thom Dobler für einen Standort entschieden, mit dem kaum jemand gerechnet hat.
Der promovierte Architekt setzt wohl darauf, dass sich das Umfeld auf den Fildern verändert. Genau daran arbeitet man im SI-Centrum intensiv. Andy Wiecker, Marketingverantwortlicher vor Ort, räumt auf unsere Anfrage ein: Der über 30 Jahre alte Komplex braucht frische Impulse. Die Strategie: mehr Events, mehr Anlässe, mehr Frequenz.
Ein erster Testlauf steht unmittelbar bevor.
Frühlings-Offensive mit Familienfokus
Mit dem neuen „Mai-Familientag“ will das SI-Centrum von diesem Freitag bis Sonntag, dem verlängerten Mai-Wochenende, zeigen, wohin die Reise gehen soll: drei Tage Programm, ein Mix aus Tradition und moderner Atmosphäre, dazu regionale Küche, Kinderangebote und entspannte DJ-Sounds am Abend. Das Konzept ist bewusst niederschwellig gehalten – ein Treffpunkt für Familien, Nachbarn und Neugierige. Kurz gesagt: Das SI-Centrum soll wieder ein Ort, an dem sich gern aufhält und an dem man sich trifft.
Auch organisatorisch zeigt man sich flexibel. Sollte das Wetter nicht mitspielen, wird das Event kurzerhand nach drinnen verlegt. Der Eintritt ist frei – die Hürde, vorbeizuschauen, also denkbar niedrig.
„Eiskönigin“ darf am Mai-Feiertag nicht gespielt werden
Ein kleiner Wermutstropfen: Am 1. Mai bleibt das Disney-Musical Die Eiskönigin dunkel. Der Grund: Wegen des Feiertags dürfen die mitwirkenden Kinder nicht auftreten. Kinderarbeit ist an diesem Tag verboten. Anders sieht es beim Queen-Musical We Will Rock You aus, das regulär gespielt wird und somit zumindest einen Teil des Publikums ins Zentrum zieht.
Auch der Boxsport rückt ins Rampenlicht
Parallel versucht man, das SI-Centrum auch über Events jenseits der Gastronomie wieder stärker ins Gespräch zu bringen. Ein Beispiel: die jüngste Pressekonferenz in der Spielbank Stuttgart, die den Countdown für einen großen Boxabend eingeläutet hat.
Im Mittelpunkt steht dabei Ardian Krasniqi, der am 27. Juni in Ludwigsburg um den EM-Titel kämpfen wird – gegen den ungeschlagenen Kroaten Vinko Zadro.
Krasniqi, inzwischen bekannt als „The Gentleman“, verkörpert dabei einen spannenden Gegensatz: höflich und respektvoll außerhalb des Rings, kompromisslos und kämpferisch im Duell. Ein Sportler, der Aufmerksamkeit erzeugt – und damit auch für die Region Strahlkraft entwickelt.
Vergangenheit, die verpflichtet
Dass große Sportmomente und das SI-Centrum durchaus zusammenpassen, zeigt ein Blick zurück: Bereits 2002 fand in der Spielbank das offizielle Wiegen für den Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Francois Botha statt. Damals war Stuttgart für kurze Zeit ein Zentrum des internationalen Boxsports.
Kann Cavos der Gamechanger sein?
Bleibt die entscheidende Frage: Kann ausgerechnet ein Party-Restaurant den Knoten lösen? Der Erfolg vom Cavos beruhte bisher vielleicht zu einem großen Teil auf der zentralen Lage, spontanen Besuchen und einer gewissen Dichte an Nachtschwärmern. All das ist auf den Fildern weniger selbstverständlich. Dafür bietet das SI-Centrum andere Chancen: größere Flächen, Eventnähe, ein klar umrissenes Publikum.
Am Ende wird es darauf ankommen, ob es gelingt, genau diese beiden Welten zu verbinden – die Energie eines Party-Hotspots mit der Eventstrategie eines Entertainment-Komplexes.
Der Umzug ist mutig. Vielleicht sogar waghalsig. Aber genau solche Entscheidungen sind es, die eine Szene verändern können.
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