Wir sprachen mit Dominik Schwab

Bolognese bleibt draußen, Gin Tonic darf rein: Das Weindorf 2.0 sorgt für Debatten


Uwe Bogen ·14. August 2026 ·2 Min. Lesezeit News

Der neue englische Slogan des Weindorfs hat nach dem Bericht von EchtStuttgart eine lebhafte Debatte ausgelöst. Wir sprachen mit Geschäftsführer Dominik Schwab über Tradition und Zukunft – und darüber, wie viel Veränderung das schwäbische Traditionsfest verträgt oder vielleicht auch dringend braucht.

Das 50. Weindorf startet am Donnerstag. So sah es vor einem Jahr auf dem Marktplatz aus. Foto: Uwe Bogen

„Geweinsam“ war gestern, „Wine & Dine“ ist heute – und vielleicht auch die Zukunft. Der neue englische Slogan des Stuttgarter Weindorfs hat nach unserem Bericht für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. In den sozialen Medien wird eifrig darüber diskutiert. Passt so viel Englisch zu einem Fest, das wie kaum ein anderes für schwäbische Tradition, regionale Weine und heimische Küche steht?

Wir haben darüber mit Geschäftsführer Dominik Schwab gesprochen. Seine Antwort ist weniger ein Abschied von der Tradition als ein Plädoyer dafür, sie weiterzuentwickeln. Denn das Weindorf will weiterin regional sein – aber auch nicht stehen bleiben.

Der Vertrag sieht eine „international inspirierte Küche“ vor

Im Kern würden sich die Vorstellungen von Bärbel Mohrmann, seiner Vorgängerin, und sein Ansatz treffen, sagt Schwab: „Wir wollen das Regionale auf dem Weindorf gezielt stärken.“  Statt ausschließlich auf Verbote zu setzen, wolle man vor allem Anreize schaffen, damit die Wirtinnen und Wirte noch mehr aus der regionalen Küche herausholen.

Das Stuttgarter Weindorf bekommt zum 50. Geburtstag einen englischen Slogan

Im Vertrag ist dafür ausdrücklich eine „international inspirierte Küche“ vorgesehen. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist für Schwab aber keiner. Entscheidend sei, dass internationale Ideen mit regionalen Zutaten und einem schwäbischen Twist umgesetzt werden.

Weindorf dürfe nicht „zum Einheitsbrei“ werden

Denn ein Weindorf, das ausschließlich aus den bekannten Klassikern besteht, sei zwar schön, werde auf Dauer aber auch schnell zum Einheitsbrei. Schwab setzt deshalb auf kreative Ideen: Die Gastronomie soll zeigen, „was unsere Heimat mit heimischen Erzeugnissen kulinarisch alles leisten kann“.

Das zeigt sich in diesem Jahr auch ganz konkret: Erstmals gibt es eine regionale Zertifizierung. Die zertifizierten Gerichte müssen zu mindestens 75 Prozent aus Baden-Württemberg stammen. Und in der neuen BW-Bank-Laube präsentieren elf Weingüter – allesamt aus Stuttgart – die Vielfalt der Weinlandschaft vor der eigenen Haustür.

Champagner ist verboten, Gin Tonic ist erlaubt

Tradition bleibt dabei durchaus bestehen. Eine klassische Bolognese oder eine Flasche Champagner sind auf dem Weindorf weiterhin nicht erlaubt. Gleichzeitig öffnet sich das Fest an anderer Stelle vorsichtig für neue Trends. Mehr alkoholische und alkoholfreie Mischgetränke sind in diesem Jahr zugelassen, wenn die maßgeblichen Zutaten aus regionaler Produktion stammen.

Auch ein Gin Tonic kann für Schwab deshalb durchaus zum Weindorf passen. Wenn Gin und Tonic aus Baden-Württemberg kommen, sei das schließlich eine moderne Form regionaler Wertschöpfung. „Ich finde das extrem schwäbisch, zeitgemäß und absolut passend fürs Weindorf“, sagt er.

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Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Der Vertrag sieht eine „international inspirierte Küche“ vor
  2. Weindorf dürfe nicht „zum Einheitsbrei“ werden
  3. Champagner ist verboten, Gin Tonic ist erlaubt

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