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Uwe Bogen

Radtour nach Indien

„Du darfst nicht in Panik verfallen“ – John Müller auf seiner qualvollsten Etappe nach Afghanistan

3. August 2026

Seit dem Start begleitet EchtStuttgart John Müller auf seiner außergewöhnlichen Reise. Nun kämpfte sich der Sarkom-Überlebende allein durch das Pamir-Gebirge – ohne Handyempfang, mit kontaminiertem Wasser und riesigem Durchhaltewillen.

Tagelang herrschte Stille. Keine Nachricht, kein Foto, kein Video. Wer die außergewöhnliche Radtour von John Müller verfolgt, machte sich Sorgen. Erst jetzt meldete sich der 26-Jährige wieder – aus einer der entlegensten Regionen der Welt. Allein kämpfte er sich durch das Pamir-Gebirge in Tadschikistan, überquerte einen 3300 Meter hohen Pass und erreichte schließlich ein verlassenes Dorf. Handyempfang? Fehlanzeige. Für mehrere Tage war er vollkommen auf sich allein gestellt.

Seit dem Start seiner 8000 Kilometer langen Spenden-Radtour begleitet EchtStuttgart den Sarkom-Überlebenden. Rund 6000 der insgesamt 8000 Kilometer hat John Müller inzwischen geschafft. Sein Weg führt ihn derzeit durch Tadschikistan – direkt an der Grenze zu Afghanistan. Das große Ziel bleibt das weltberühmte Taj Mahal in Indien. Von dort möchte er Mitte August nach Deutschland zurückfliegen.

Allein auf dem „Dach der Welt“

Die Etappen werden immer anspruchsvoller. Oft schläft Müller mehrere Nächte hintereinander allein im Zelt, weit entfernt von jeder Ortschaft. Im Pamir-Gebirge, auch „Dach der Welt“ genannt, gibt es kilometerweit nichts außer Schotterpisten, schroffen Bergen und beeindruckender Stille.

Ob er in solchen Momenten keine Angst habe? Seine Antwort zeigt, wie sehr ihn seine Erfahrungen geprägt haben:

„Es ist überlebenswichtig, nicht in Panik zu verfallen, sondern in solchen Momenten sich selbst zu vertrauen. Du musst deinem Equipment und deinem Körper zu hundert Prozent vertrauen können, um dich in solche Situationen zu begeben.“

Sauberes Wasser wird zum Luxus

Nicht nur die Einsamkeit macht ihm zu schaffen. Auch Trinkwasser ist in dieser Region ein großes Problem. Viele Flüsse sind verunreinigt.

„Leider ist das Wasser kontaminiert, weshalb die meisten Reisenden krank werden. Ich hatte auch schon Bauchschmerzen“, erzählt Müller. Umso größer war seine Freude, als ihm unterwegs ein anderer Radfahrer seinen übrigen Wasserfilter schenkte. „Der ist hier und später auch in Afghanistan Gold wert.“

„Kein Netz, Glückskekse im Magen. Let’s go!“

Trotz aller Strapazen verliert John Müller seinen Optimismus nicht. Nach der rasanten Abfahrt vom 3300 Meter hohen Pass schrieb er voller Begeisterung:

„Als ich heute den Pass heruntergefahren bin, kam ich mir vor wie ein Pro-Athlet. Als hätte man mich mit dem Heli an diesem einsamen Ort abgesetzt. Kein Netz, Glückskekse im Magen. Let’s go!“

Vom Krebs zurück ins Leben

Die vergangenen Wochen verlangten ihm ohnehin alles ab. Gleich zu Beginn überraschten ihn Schnee und Minustemperaturen, später kämpfte er in Kasachstan gegen Sandstürme und Temperaturen von fast 50 Grad Celsius. Trotzdem dachte er nie ans Aufgeben. Immer wieder berichtet er von der außergewöhnlichen Gastfreundschaft der Menschen entlang seiner Route.

Sein Antrieb ist größer als jede sportliche Herausforderung. John Müller hat selbst ein aggressives Ewing-Sarkom überlebt. Nach 14 Chemotherapien und einer schweren Operation entschied er sich, mit dieser Reise Spenden für die Krebsforschung zu sammeln und anderen Betroffenen Mut zu machen.

Als Botschafter der Children Cancer Foundation setzt er sich dafür ein, die Krebsforschung zu unterstützen und jungen Patientinnen und Patienten Hoffnung zu geben. Sein persönliches Motto lautet: „Wenn man sich von Chemo-Zyklus zu Chemo-Zyklus kämpfen kann, dann schafft man es auch von Etappe zu Etappe.“

Afghanistan wartet – das Ziel ist Indien

Schon jetzt hat seine Aktion Zehntausende Euro an Spendengeldern eingebracht und Millionen Menschen erreicht. Doch die gefährlichsten Kilometer stehen ihm noch bevor. Nach Tadschikistan führt seine Route durch Afghanistan, bevor schließlich Indien und das große Ziel warten: der Taj Mahal.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird John Müller Mitte August nach Deutschland zurückkehren – und dann auch EchtStuttgart besuchen, um persönlich von seiner außergewöhnlichen Reise zu berichten.

John Müller bekam von EchtStuttgart ein neues Handy und eine Speicherkarte - natürlich auch unser T-Shirt. Foto: Uli Weinz

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