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Nur hohe Preise beim Traditionsfest?

Sekt für 2,50 Euro: So günstig geht das Stuttgarter Weindorf auch


Uwe Bogen ·30. August 2026 ·5 Min. Lesezeit News

Rostbraten für 85 Euro, Wasser für 6,90 Euro: Über die Preise auf dem Stuttgarter Weindorf wird viel diskutiert. Ist alles zu teuer? Wer sucht, entdeckt auch das Gegenteil. Ein Glas Sekt für 2,50 Euro, Viertele ab 5 Euro und Mittagessen für 11 bis 15 Euro, inklusive Getränk. EchtStuttgart hat sich umgeschaut.

Das Stuttgarter Weindorf ist nicht immer. teuer: Ein Glas Sekt gibt es auch für 2,50 oder 3 Euro. Fotos: Uwe Bogen

Der 85-Euro-Rostbraten hat es geschafft. Über ihn wird gesprochen, diskutiert, gelästert und viel geschrieben. Dazu Wasser für 6,90 Euro – fertig ist das Bild vom sündhaft teuren Stuttgarter Weindorf.

Für das Traditionsfest, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, sind solche Beispiele vielleicht nicht die beste Werbung. Aber vermitteln sie tatsächlich ein realistisches Bild vom Preisniveau auf dem Weindorf?

Wer sich zwischen den Lauben genauer umschaut, findet jedenfalls auch ganz andere Zahlen.

Ein Glas Sekt für 2,50 Euro

Zum Beispiel: 2,50 Euro  für ein Glas Sekt (auf dem Schild steht Solitude Cuvee trocken)  bei Inge. Bei der Weinbar Romy kostet der Sekt 3 Euro vom Weingut Klumpp. „Wir haben jeden Tag  einen Sekt zu diesem Preis von verschiedenen Weingütern der Region“, heißt am Ausschank.

Sekt billiger als Wasser?

Ganz so spektakulär ist die Rechnung natürlich nicht. Das Sektglas wird mit 0,1 Liter angegeben, beim vielfach diskutierten Wasserpreis geht es um einen halben Liter für 6 bis  6,90 Euro. Auf dieselbe Menge hochgerechnet ist der Sekt also nicht günstiger.

Bei unserem Test fällt allerdings noch etwas anderes auf: Beim Sekt wird durchaus großzügig eingeschenkt. Und die Qualität? Natürlich darf man für 2,50 Euro keinen Spitzensekt erwarten. Aber das Glas schmeckt ordentlich – und qualitativ muss sich der günstige Prickler vor so manchem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ganz sicher nicht verstecken.

Der Kampfpreis könnte zudem eine simple gastronomische Rechnung sein: Ein günstiges Getränk lockt Gäste an die Laube – und wer erst einmal sitzt, bestellt vielleicht noch Maultaschen, Zwiebelkuchen oder Käsespätzle dazu.

„So voll war es noch nie“

Denn neben der Debatte um einzelne Spitzenpreise gibt es noch eine andere Erzählung über das Weindorf.

„Das Weindorf ist viel zu teuer“ und „in der Automobilkrise haben die Menschen kein Geld“ – solche Sätze sind in Stuttgart derzeit schnell gesagt. Die Folge müsste eigentlich sein, dass immer weniger Menschen kommen.

Wer am Samstag auf dem Weindorf unterwegs war, konnte allerdings das Gegenteil erleben: Es war brechend voll.

„So voll habe ich es noch nie erlebt“, sagt Christian List, Wirt vom Roten Hirschen, gegenüber EchtStuttgart.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Preis günstig ist. Zwischen den Angeboten gibt es erhebliche Unterschiede. Doch Geschäftsführer Dominik Schwab wehrt sich gegen den Eindruck, das Weindorf bestehe hauptsächlich aus hochpreisiger Festgastronomie.

Das Weindorf geht noch bis zum 5. September. Foto: Uwe Bogen

„Es gibt etliche Preise mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt der „Weindorf-Bürgermeister“  gegenüber EchtStuttgart.

Schwab nennt Beispiele.

Mittagessen ab 11 Euro, Viertele ab 5 Euro

Beim Mittagstisch bekomme man an fast jeder Laube für etwa 11 bis 15 Euro ein warmes Essen, teilweise sogar inklusive Getränk.

Auch beim Wein gehe es deutlich unter den Preisen, die in der öffentlichen Debatte teilweise den Eindruck bestimmen. Ein Viertele aus Stuttgart gibt es in der Happy Hour ab 5 Euro, beispielsweise beim Weingut der Stadt Stuttgart. Regulär werden dort 6 Euro genannt. In der Zaißerei gibt es das Viertele für 6,50 Euro. Weitere regionale Angebote finden Besucher unter anderem an der BW-Bank-Laube.

Weindorf

Wer nicht lange in einer Laube sitzen, sondern nur schnell etwas essen möchte, findet ebenfalls günstigere Möglichkeiten. To-go-Gerichte beginnen laut Schwab bei 5,50 Euro. Dafür gibt es Klassiker wie Rote Wurst, Bratwurst oder eine Maultasche auf die Hand. Für einige Euro mehr stehen beispielsweise Käsespätzle oder Zwiebelkuchen zur Auswahl.

Hinzu kommen Happy Hours und Kombinationen zum Mittagstisch. Bei manchen Wirten kostet das Viertele dann 5 oder 6 Euro, in Verbindung mit einem Mittagessen teilweise sogar weniger als 5 Euro.

Und was ist mit dem Wasser für 6,90 Euro?

Bleibt die Frage nach einem der Preise, die besonders viel Kritik ausgelöst haben: Warum kann ein halber Liter Wasser auf dem Weindorf 6,90 Euro kosten?

Schwab verweist darauf, dass der Verkaufspreis in einer temporären Festgastronomie nicht allein vom Einkaufspreis einer Flasche abhänge. Entscheidend seien vor allem Personal, Logistik sowie Auf- und Abbau und weitere Betriebskosten der Lauben.

Hinzu kommt die Partnerschaft mit Teinacher. Das Unternehmen beliefere den Platz über die Getränkepartner durchgehend, erklärt Schwab. Zu Vertragsdetails und internen Kalkulationen äußere man sich grundsätzlich nicht.

Das Weindorf sei ein privatwirtschaftlich finanziertes Traditionsfest ohne städtische Zuschüsse. Langjährige Partner – darunter Teinacher, BW-Bank, Stadtwerke Stuttgart und Spielbank – trügen mit Logistik, Infrastruktur und Sponsoring zur wirtschaftlichen Basis des Festes bei. Dadurch könnten nach Angaben des Veranstalters unter anderem die Standgebühren für die Wirte stabil gehalten werden.

Die Vorstellung, dass allein ein Wechsel der Wassermarke automatisch zu deutlich niedrigeren Preisen für die Gäste führen würde, hält Schwab deshalb für zu kurz gegriffen. Der Wareneinkauf mache nur einen Teil des Endpreises aus.

Ob 6,90 Euro für einen halben Liter Wasser trotzdem zu viel sind, kann am Ende jeder Gast selbst entscheiden

Abends füllen sich die Plätze auf dem Weindorf rasant. Foto: Uwe Bogen

Der 85-Euro-Rostbraten ist nicht das ganze Weindorf

Genau das gilt auch für den berühmten Rostbraten.

Ja, auf dem Stuttgarter Weindorf kann man sehr viel Geld ausgeben. Man muss es aber nicht.

Zwischen Sekt für 2,50 Euro, Viertele ab 5 Euro, Essen auf die Hand ab 5,50 Euro und Mittagstischen ab etwa 11 Euro gibt es genügend Beispiele dafür, dass das 50 Jahre alte Traditionsfest nicht ausschließlich aus Luxuspreisen besteht.

Regional auf der Karte, Fleisch aus Übersee? Das Weindorf und die Sache mit der Herkunft

Und zumindest der Andrang spricht bislang nicht dafür, dass die Stuttgarter ihrem Weindorf wegen der Preisdiskussion den Rücken kehren.

Das Weindorf läuft noch bis zum 5. September. Damit steht den Wirten noch einmal ein potenziell umsatzstarker Samstag bevor. Zum 50. Geburtstag dauert das Fest erneut 17 Tage, wie bereits im vergangenen Jahr.

Ob es auch künftig bei der verlängerten Dauer bleibt, ist noch offen. Jetzt stehen erst einmal die letzten Tage bis zum Finale am Samstag an. Und der Eindruck vor dem Endspurt: Die Stimmung ist in diesem Jahr besonders gut, zufriedene und gut gelaunte Menschen in den Lauben, man sitzt oft dicht auf dicht auf, das Weindorf lebt.

50 Jahre alt – und  noch ziemlich jung und fit.

Die Jägerlaube auf dem Schillerplatz setzt auf regionales Fleisch. Hier geht's zum 85-Euro-Rostbraten. Foto: Uwe Bogen
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Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Ein Glas Sekt für 2,50 Euro
  2. „So voll war es noch nie“
  3. Mittagessen ab 11 Euro, Viertele ab 5 Euro
  4. Und was ist mit dem Wasser für 6,90 Euro?
  5. Der 85-Euro-Rostbraten ist nicht das ganze Weindorf

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