Conny Mertz

Neuzugang aus Ungarn

Verliebt sich José in Suyana? Wilhelma hofft bei den Brillenbären auf Familienglück

2. Juni 2026

Aufmerksam und neugierig überblickt er sein neues Zuhause. Foto: Wilhelma/Birger Meierjohann

In der Wilhelma liegt Liebe in der Luft. Oder zumindest etwas, das bei Brillenbären der Liebe ziemlich nahekommt.

Ende Mai ist der 18-jährige Brillenbär José aus dem ungarischen Sóstó Zoo nach Stuttgart gezogen. Sein neues Zuhause: die großzügige Bärenanlage der Wilhelma. Dort lebt bereits die achtjährige Bärin Suyana. Noch sind die beiden getrennt untergebracht, doch sie können sich bereits sehen, riechen und neugierig beobachten. Die spannende Frage lautet nun: Funkt es zwischen den beiden?

Brillenbären gelten als eine gefährdete Tierart

Für die Wilhelma wäre ein Happy End weit mehr als nur eine romantische Tiergeschichte. Brillenbären gelten laut der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdete Tierart. Ihr Lebensraum in den Anden Südamerikas schrumpft durch Landwirtschaft, Bergbau und illegale Verfolgung immer weiter. Deshalb spielen wissenschaftlich geführte Zoos und internationale Erhaltungszuchtprogramme eine wichtige Rolle für den Schutz der Art.

Die Hoffnung auf Nachwuchs ist in Stuttgart besonders groß. Schließlich verlief der letzte Zuchtversuch nicht wie erhofft. Im Frühjahr 2025 war das Brillenbär-Männchen Hubärt aus Österreich für einige Wochen zu Gast in der Wilhelma. Obwohl es mehrfach zu Paarungen mit Suyana kam, blieb der erhoffte Nachwuchs aus.

José aus Ungarn erkundet sein neues Zuhause. Foto: Wilhelma/Birger Meierjohann

Jetzt beginnt mit José ein neues Kapitel. Anders als sein Vorgänger soll er dauerhaft in Stuttgart bleiben. Die Voraussetzungen scheinen günstig: Die Anlage besteht aus mehreren Bereichen, die bei Bedarf verbunden werden können. So können sich die Tiere Schritt für Schritt kennenlernen – ganz ohne Zeitdruck.

Bei der Liebe braucht man manchmal Geduld

Und vielleicht ist das ja wie bei uns Menschen: Bevor aus einem ersten Blick eine große Liebe wird, braucht es manchmal Geduld. Ein neugieriger Blick hier, ein vorsichtiges Beschnuppern dort. Noch sind José und Suyana Nachbarn. Doch die Wilhelma und viele Tierfreunde hoffen, dass daraus bald mehr wird.

Denn jeder erfolgreiche Nachwuchs zählt. Der Brillenbär ist die einzige Bärenart Südamerikas und steht in der Natur unter Druck. Eine stabile Reservepopulation in Zoos soll helfen, die Zukunft der Art zu sichern. Die Wilhelma engagiert sich darüber hinaus direkt für den Schutz der natürlichen Lebensräume in Ecuador und hat dort bereits mehr als 700.000 Euro in den Erwerb und die Wiederherstellung von Regenwaldflächen investiert.

Bleibt also die große Frage des Sommers in der Wilhelma: Werden José und Suyana mehr als nur gute Nachbarn? Die Antwort kennt derzeit niemand. Aber selten war ein Blind Date im Stuttgarter Zoo so wichtig für den Artenschutz. EchtStuttgart verfolgt, ob es Liebe wird.

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