Echt Stuttgart
Premiere im Theaterhaus
Alles muss raus? Nur Wommy nicht! Eine heiße Sommershow für alle, die klugen Humor lieben
3. August 2026
Mit „Alles muss raus!“ feiert Frl. Wommy Wonder im Theaterhaus eine umjubelte Premiere – und zeigt, warum sie seit mehr als vier Jahrzehnten zu den prägenden Figuren der Stuttgarter Kulturszene gehört.
Draußen locken hochsommerliche Temperaturen in Biergärten und Bäder. Drinnen im Theaterhaus Stuttgart zeigt Frl. Wommy Wonder, dass ein Abend voller Humor, Musik und Lebensweisheiten mindestens genauso verführerisch sein kann. Mit ihrem neuen Sommerprogramm „Alles muss raus!“ feiert die Travestiekünstlerin eine umjubelte Premiere – und wurde am Ende mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus verabschiedet.
Wer Frl. Wommy Wonder und ihre Elfriede Schäufele kennt, weiß: Bei ihr liegen Klamauk und Klugheit oft nur einen Satz auseinander. Kaum ist das Publikum noch mit Lachen beschäftigt, folgt schon der nächste philosophische Gedanke.
„Das Leben ist wie Kuchenmachen“, haben wir von ihr gelernt. Und natürlich liefert sie die Pointe hinterher: „Wer keine Eier hat, bekommt nix gebacken.“
Genau diese Mischung macht den Charme der mittlerweile über 40-jährigen Bühnenkarriere aus. Mal derb, mal nachdenklich, immer mit einem Augenzwinkern und nie verletzend.
Allein auf der Bühne – aber nie einsam
In diesem Sommer steht Wommy ohne ihre langjährige Bühnenpartnerin Schwester Bärbel auf der Bühne. Die zieht gerade um und pausiert deshalb. Ganz allein ist die Schwabendiva dennoch nicht. Kurzerhand wird der Techniker zum Sidekick des Abends erklärt.
Der verspricht augenzwinkernd, für Wommy einen Weichzeichner ins Licht einzubauen. Das Publikum ist sofort auf ihrer Seite.
Überhaupt nimmt sich Frl. Wommy Wonder am liebsten selbst aufs Korn.
„Ich war so hässlich, dass der Storch gewartet hat, bis es dunkel war, bevor er mich gebracht hat“, erzählt sie. „Und meine Eltern haben gesagt: Hätten wir bloß den Storch behalten.“
Oder auch: „Wer braucht schon Perfektion, wenn man Ausstrahlung haben kann?“
Das Publikum quittiert jede Pointe mit Szenenapplaus.
Humor mit Haltung
Zwischen den Gags erzählt Wommy von Begegnungen bei der Stallwächterparty der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin.
„Was ich da erlebt habe – Geschichten könnte ich erzählen, von denen ich noch reich werden könnte.“
Natürlich bleibt sie diskret.
Auch ihr Liebesleben bekommt sein Fett weg.
„Der nächste Mann, der mich nackt sieht, ist der Pathologe.“
Und dann ist da noch die Lebensweisheit ihrer Oma:
„Wenn bei dir eine Schraube locker ist, ist das nur gut. Dann hat das Leben mehr Spiel.“
Solche Sätze sind typisch für Frl. Wommy Wonder. Hinter jeder Pointe steckt eine kleine Botschaft über Gelassenheit, Menschlichkeit oder den Blick aufs Leben.
Elfriede Schäufele sorgt für Lachsalven
Natürlich darf auch eine ihrer beliebtesten Figuren nicht fehlen: Elfriede Schäufele.
Mit schwäbischem Charme, spitzer Zunge und musikalischen Einlagen bringt die Kultfigur den Saal endgültig zum Toben. Spätestens beim Lied über Hannes, Fritz und Paul hält es viele Zuschauer kaum noch auf den Sitzen.
Kultur braucht Menschen
Vor der Premiere hatte Frl. Wommy Wonder im Gespräch deutlich gemacht, warum sie auch nach 42 Bühnenjahren nicht ans Aufhören denkt.
„Das Schöne an der Kultur ist, dass sie sich immer wieder neu erfindet“, sagt sie. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei Kultur wichtig, weil sie Menschen zusammenbringe und den Alltag für einige Stunden vergessen lasse.
Trotz gestiegener Kosten beobachte sie keinen Einbruch beim Publikum. Im Gegenteil: „Lachen tut gut.“
Gleichzeitig sieht sie mit Sorge auf kleinere Bühnen und Künstlerinnen und Künstler, die stärker unter steigenden Kosten und sinkenden Budgets leiden als große Tourproduktionen. „Es trifft am Ende die Kleinen“, sagt sie.
Lampenfieber wie am ersten Tag
Auch nach mehr als vier Jahrzehnten gehört Lampenfieber für sie noch immer dazu.
„Vor jeder Premiere frage ich mich: Warum tue ich mir das an?“
Die Antwort bekomme sie nach jeder Vorstellung aufs Neue:
„Weil es Sinn macht. Weil es den Leuten Spaß macht. Und weil ich es wohl auch selbst brauche.“
Davon ist bei der Premiere reichlich zu spüren. Frl. Wommy Wonder wirkte präsent, schlagfertig und bestens aufgelegt. Zwischen Travestie, Kabarett, Chanson und schwäbischem Humor entwickelt sich ein Abend, der weit mehr war als eine Aneinanderreihung von Pointen.
„Alles muss raus!“ klingt wie ein Schlussverkauf. Tatsächlich ist das neue Programm das genaue Gegenteil. Heraus kommen Geschichten, Erinnerungen, Weisheiten, Musik und jede Menge Selbstironie.
Als nach über zwei Stunden der Schlussapplaus einsetzt, erhebt sich das Publikum geschlossen von den Plätzen.
Der Titel des Programms lautet zwar „Alles muss raus!“ (gespielt wird bis zum 16. August im Theaterhaus). Nach dieser Premiere dürfte allerdings vor allem ein Wunsch bleiben:
Alles muss drinbleiben.
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