Stuttgart-Album über eine Instituion
Boulevard at it's best: Seit 1951 wird im früheren Hotel Marquardt gelacht, geliebt und applaudiert. Am 25. September feiert die Komödie im Marquardt ihren 75. Geburtstag – mit einer Jubiläumsrevue und der Präsentation des Jubiläumsbuchs, an dem auch EchtStuttgart-Autor Uwe Bogen mitgearbeitet hat.
Die Geschichte der Komödie im Marquardt ist auch eine Geschichte großer Namen. Wer hier auftrat, brachte nicht nur Talent, sondern Glanz – und bestätigte zugleich den Rang des Hauses. In den Jahr-zehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich das kulturelle Leben in Deutschland neu ordnete, wurde das Boulevardtheater zu einem zentralen Ort der Unterhaltung. Es war zugänglich, präzise gebaut, oft komisch – und gerade deshalb ein Seismograf für die gesellschaftlichen Bedürfnisse der Zeit. Die Komödie im Marquardt ver- stand es früh, diese Form nicht als „leichte Kost“ zu unterschätzen, sondern als Kunst zu sehen, die Timing, Disziplin und Persönlichkeit verlangt.
Nun wird diese besondere Bühne 75 Jahre alt. Das Theater feiert dieses besondere Jubiläum mit einer Revue, die am 25. September Premiere feiert, und mit einem Buch.
1951 zog die Komödie in den Goldenen Saal des Marquardt-Baus ein. Was danach kam, ist ein großes Stück Stuttgarter Theatergeschichte: unzählige Premieren und Vorstellungen, Publikumslieblinge, Mundart und Musical, Klassiker und Krimikomödien – und jede Menge Applaus.
Wer damals im Film etwas zählte, war hier zu Gast. Käthe Dorsch, Paul Dahlke und Inge Meysel standen hier ebenso auf der Bühne wie Theo Lingen und Heinz Erhardt. Auch große Charakterdarsteller wie Marianne Hoppe, Hardy Krüger und Will Quadflieg kamen ins Marquardt.
Manche wurden zu Stammgästen: Der unvergessene schwäbische Publikumsliebling Willy Reichert trat 14-mal auf, Gustav Fröhlich brachte es sogar auf 16 Engagements. Johannes Heesters, Heinz Rühmann, Hans-Joachim Kulenkampff, Oscar Heiler und später Harald Juhnke stehen ebenfalls in der langen Gästeliste.
In jüngeren Jahrzehnten kamen unter anderem Ruth-Maria Kubitschek, Thomas Fritsch, Günther Pfitzmann, Hugo Egon Balder und Ilja Richter hinzu. Und natürlich Walter Schultheiß, der große schwäbische Schauspieler und Humorist, der 2025 im Alter von 101 Jahren starb.
Bis heute lebt diese Tradition weiter. Jochen Busse gehört zu den Gästen, die immer wieder für volle Häuser sorgen. Monika Hirschle erinnert sich im Jubiläumsbuch an einen wunderbaren kleinen Moment mit ihm: 1992 spielte sie mit Busse in „Unbekannt verzogen“. Nach einigen Vorstellungen gab ihr der erfahrene Kollege einen simplen Tipp: Vor dem letzten Wort einer Antwort solle sie eine winzige Pause machen – genau dort sitze der Lacher. Hirschle probierte es aus. Der Saal lachte. Busse hob hinter der Bühne den Daumen. Von da an funktionierte die Pointe Abend für Abend.
Eine kleine Geschichte, die viel darüber erzählt, was gute Komödie ausmacht: Timing, Erfahrung – und manchmal eine einzige Sekunde Pause.
Seit 2018 heißt der Intendant Axel Preuß, der mit Herzblut, Leidenschaft und einem sicheren Gespür für gute Geschichten Erfolge feiert und für eine hohe Auslastung sorgt.
Zum 75. Geburtstag schaut die Komödie nun selbst auf ihre Geschichte zurück. Natürlich nicht mit einer trockenen Chronik, sondern so, wie es zu diesem Haus passt: mit Charme, Witz, Musik und Selbstironie.
„Der 75. Geburtstag“ heißt die Jubiläumsrevue, die eigens für den Ehrentag entstanden ist und ihre Uraufführung erlebt. Darin soll ein zusammengewürfeltes Organisationskomitee eine würdige Jubiläumsshow auf die Beine stellen.
Natürlich sind sich alle sofort einig.
Oder eben nicht.
Es wird diskutiert, geplant, verworfen und verändert. Am Ende wird aus dem Organisationschaos eine Reise durch 75 Jahre Komödie im Marquardt. Vergangene Bühnenmomente werden wieder lebendig – vom Musical bis zur Mundart, vom Klassiker bis zur Krimikomödie, von Heesters bis Hirschle.
Jörg Pauly und der ganz normale Schwabenwahnsinn: Sodele, dr Elvis kommt!
Regie führt Christine Gnann, die mit „Häberle und Pfleiderer“ bereits ihr Gespür für den unterhaltsamen Umgang mit historischen Figuren und Ereignissen gezeigt hat.
Auf der Bühne stehen Monika Hirschle, Jörg Pauly, Reinhold Weiser, Gideon Rapp, Bianca Spiegel und Bernadette Hug. Gemeinsam machen sie aus dem Rückblick keine Geschichtsstunde, sondern eine Geburtstagsfeier.
Und an diesem Jubiläum wird Theatergeschichte nicht nur gespielt, sondern auch festgehalten.
Am 25. September wird das neue Jubiläumsbuch „75 Jahre Komödie im Marquardt 1951–2026“ vorgestellt. An dem Buch hat auch Uwe Bogen von EchtStuttgart mitgearbeitet.
Für EchtStuttgart ist das eine besonders schöne Verbindung. Denn die Geschichte der Komödie ist nicht allein Theatergeschichte. Sie ist Stadtgeschichte. Sie besteht aus Menschen, Erinnerungen, berühmten Namen und kleinen Geschichten hinter den Kulissen – genau jenen Geschichten also, die auch das Stuttgart-Album bewahren möchte.
Das Jubiläumsbuch blickt auf ein Dreivierteljahrhundert Komödie zurück und erinnert an Menschen und Ereignisse, die das Haus geprägt haben. Ab 28. September ist es im Service-Center der Komödie sowie bei Thalia in Stuttgart erhältlich.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Theaters: Die Komödie im Marquardt lebt von ihrer Geschichte, aber sie lebt nicht in der Vergangenheit.
Seit 1951 haben sich Stuttgart und seine Innenstadt gewaltig verändert. Geschäfte sind gekommen und gegangen, Straßen wurden umgebaut, Gewohnheiten verschwanden. Doch im Marquardt heißt es noch immer: Platz nehmen, Licht aus, Vorhang auf.
Und dann passiert das, was dort seit 75 Jahren passiert:
Man lacht, man freut sich, man leidet mit, man erkennt sich wieder und verbringt einen schönen Abend.
Herzlichen Glückwunsch, Komödie im Marquardt!
Laufzeit: 25. September bis 22. November 2026
Dauer: ca. 2 Stunden, inklusive einer Pause
Besetzung
Heidi – Monika Hirschle
Sophie – Bernadette Hug
Jan – Jörg Pauly
Mike – Gideon Rapp
Marlene – Bianca Spiegel
Charly – Reinhold Weiser
Inszenierung & Produktion
Regie – Christine Gnann
Bühne und Kostüme – Barbara Krott
Musikalische Leitung – Felix Meyerle
Choreographie – Maryanne Kelly
Dramaturgie – Lena Roth und Annette Weinmann
Karten gibt es online hier.
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