Uwe Bogen
Late-Nightle in Stuttgart wird groß
Jörg Pauly und der ganz normale Schwabenwahnsinn: Sodele, dr Elvis kommt!
4. Juni 2026
Jörg Pauly zählt zu den bekanntesten schwäbischen Stimmen auf Instagram. Aus seinem „Late Nightle“ wird nun ein großer Theaterabend: Am 13. Juni zieht die beliebte Show aus dem Foyer der Komödie im Marquardt auf die große Bühne um. Der Grund dafür trägt Tolle und den Namen Elvis – zumindest fast.
Wer die schrägen Instagram-Videos des schwäbischen Humor-Influencers Jörg Pauly (38.500 Folower) kennt, weiß: Ernsthaft wird es bei ihm höchstens mal aus Versehen. Schon der Titel seiner Show verrät seine schwäbische Seele. Harald Schmidt hatte eine Late Night Show – er macht in der Komödie im Marquardt konsequent ein „Late Nightle“ – wo seine Landsleute doch Häusle bauen fürs Schätzle und abends a Viertele lieben.
Das -le“ am Ende macht die Dinge kleiner, sie aber im besten Fall emotional auch größer.
Für Außenstehende klingt die -le-Inflation, als würden Schwaben die ganze Welt verniedlichen. Nichts darf hier groß sein. Selbst wenn das Häusle längst eine Villa ist und der Hund eine ausgewachsene Dogge. Deshalb nervt dieser permanente Verkleinerungsdrang mitunter sehr.
In einem schwäbischen Lexikon etwa steht, nach dem Orgasmus sage der Schwabe „Sodele“ und „Jetzetle“.
Sodele, liebe Echt-Leserinnen und Echt-Leser, denkt mal an Eure letzten Sexerlebnissen zurück. Habt ihr am Ende jetzetle gesagt? Eben! Aber keine Sorge – das liegt vermutlich nicht am fehlenden Höhepunkt.
Wie gut, dass es den Pauly gibt!
Klischee und Wahrheit – die sind oft meilenweit voneinander entfernt.
Wie guat, dass mr oin wie dr Pauly hän! Dr spielt mit schwäbische Klischees ond dr schwäbische Sproch so schee rom, dass sogar dr Nichtschwob sei Freid drann hot
Anmerkung der Redaktion: Die hochdeutsche Übersetzung müsst ihr schon selbst nachgooglen Ihr werdet dann rasch erkennen, dass Hochdeutsch einfach nicht ganz so gefühlsecht ist. Womit wir – sorry – schon wieder beim Sex sind.
Jörg Pauly hat dank Social Media viele junge Fans gewonnen. Mit seinen Beobachtungen aus dem ganz normalen Wahnsinn des Stuttgarter Alltags, seinen Parodien über Brezeln, Omas und Yoga – meist in herrlich schrägen Kostümen – wächst seine Fangemeinde stetig. Seine Grimassen sind längst zu einem Markenzeichen geworden. Nun bringt er seinen Witz wieder live auf die Bühne: gemeinsam mit Gästen, Musik, Sketchen, Spielen und Gesprächen.
Im Mittelpunkt der Sommer-Edition steht Nils Strassburg. Der Entertainer darf sich nach Meinung einer Experten-Jury der beste Elvis-Interpret Deutschlands nennen. Weil er eine große Fanbase hat und die Nachfrage so groß ist (es gibt aber noch Karten!), wechselt Gastgeber Jörg Pauly nun vom Marquardt-Foyer ins große Marquardt-Theater.
Am selben Abend spielen die Hosen – die sind aber ausverkauft
Das Night-Highlightle findet am Samstag, 13. Juni, 19.30 Uhr, statt. Eine gute Terminwahl. An diesem Abend ist das Konzert der Toten Hosen auf dem Wasen restlos ausverkauft. Kann also keiner mehr hin. Und bei der Fußball-WM spielt an diesem Abend nicht Deutschland, sondern Katar gegen die Schweiz. Das Spiel USA gegen Paraquay fängt erst um 3 Uhr an – bis dahin müssten Pauly und Strassburg durch sein.
Nils Strassburg ist weit mehr als ein Mann im Glitzeranzug. Erst kürzlich stellte er im ausverkauften Friedrichsbau Varieté seine Autobiografie „Living Elvis – Mein Leben für den King“ vor.
Darin erzählt er von einem ungewöhnlichen Lebensweg zwischen Außenseitertum, Rock ’n’ Roll und der Suche nach der eigenen Identität. Schon als Kind war er leidenschaftlicher Elvis-Fan – zu einer Zeit, als man sich damit nicht unbedingt beliebt machte. Während andere Modern Talking oder Pur hörten, schwärmte er für den King of Rock ’n’ Roll und musste dafür manches Mal Spott und Ausgrenzung ertragen.
Heute füllt Sttrassburg Konzertsäle und begeistert sein Publikum mit einer Authentizität, die weit über eine bloße Imitation hinausgeht. Die zentrale Frage seines Buches lautet: Wie viel Elvis kann ein Mensch sein, ohne sich selbst zu verlieren? Die Antwort darauf dürfte auch Jörg Pauly interessieren.
Vielleicht geht es im Talk um die große Kunst der Bühnenpräsenz. Oder um die Suche nach dem eigenen Ich, wenn man immer in Rolle eines Promis schlüpft. Wahrscheinlicher ist allerdings eine Frage wie: „Welche Haartönung verwendest du eigentlich?“ Schließlich muss auch geklärt werden, ob Elvis möglicherweise graue Haare bekommen könnte.
Strassburg erzählt in seinem Buch von Selbstzweifeln, vom Gefühl, als Jugendlicher nicht dazuzugehören, und davon, wie Elvis Presley ihm half, seinen eigenen Weg zu finden. Aus dem einstigen Außenseiter wurde ein international gefeierter Künstler, der den Rock ’n’ Roll mit jeder Faser seines Körpers lebt.
Er macht sich über Schwaben lustig, stellt sie aber nicht bloß
Neben Strassburg stehen außerdem Andreas Klaue, Amelie Sturm und Maryanne Kelly auf der Bühne. Gemeinsam gestalten sie einen Abend voller Überraschungen, Musik und Unterhaltung.
Dabei gelingt Jörg Pauly etwas Besonderes: Er macht sich über die Schwaben lustig, ohne sie bloßzustellen – weil er selbst einer von ihnen ist.
Sodele, jetzetle wär‘ des au g’schwätzt.
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