Uwe Bogen
Die "lameste Crowd" in Deutschland?
Offener Brief nach dem Bashing: Liebe Nina Chuba – wir müssen kurz über Stuttgart reden
6. Juli 2026
Nina Chuba nennt Stuttgart die „lameste Crowd Deutschlands“. EchtStuttgart hat sich erst kurz über das Bashing amüsiert – und ihr dann einen offenen Brief geschrieben. Wenn bei uns ein Publikum ruhig bleibt, liegt das erstaunlich selten am Publikum.
Liebe Nina Chuba,
„Die lameste Crowd Deutschlands“? Puh. War schon ein bitterböses Urteil über Stuttgart nach deinem Auftritt beim Kessel Festival – nach einem ziemlich kleinen Ausschnitt.
Kennst du das Sprichwort: Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück? Vielleicht hast du an diesem Abend einfach nicht laut genug in den Wald gerufen. Oder nicht gut genug.
Ich gehe seit vielen Jahren auf Konzerte in Stuttgart. Und weißt du, was ich dort ständig höre? Nicht, dass das Publikum lahm sei – sondern sensationell.
Die Fantastischen Vier sagen Jahr für Jahr bei ihren Heimspielen in der Schleyerhalle, kein Publikum sei so geil wie ihres in Stuttgart. Auch DJ Konstantin Sibold hat unsere Crowd gerade erst zur besten der Welt erklärt. Und wenn du wissen willst, wie leidenschaftlich diese Stadt feiern kann, frag einfach mal die Fans des VfB Stuttgart. Die beweisen mit ihrer unglaublichen Begeisterung, ihrer Lautstärke und ihrem Temperament gepaart mit Treue, was in dieser Stadt abgeht.
„Das stimmt für uns Schwaben so pauschal auf gar keinen Fall“
Habe auch mit Christian Doll, dem Veranstalter des Kessel Festivals, über dein Stuttgart-Bashing gesprochen .Er sagte: „Ich musste spontan lachen, als ich die Aussagen von Nina gelesen habe – weil für uns gilt das so pauschal auf gar keinen Fall!“
Du dagegen erklärst uns nach einem Festival mit fast 40 Grad zur „lamesten Crowd Deutschlands“. Respekt – so schnell schaffen es nicht mal Restaurantkritiker, nach einem verbrannten Schnitzel gleich die ganze Stadt schlechtzureden.
Vielleicht lag es ja auch daran, dass bei dieser Hitze niemand Lust hatte, sich einen Hitzschlag zu ertanzen. Und vielleicht spielte auch eine Rolle, dass das Festival-Wochenende durch die Rekordhitze komplett aus dem Takt geraten ist.
Was am selben Abend bei Gauthier Dance los war
Ach ja, liebe Nina: Ich war an diesem Freitagabend übrigens gar nicht auf dem Wasen. Ich saß bei der Premiere von Gauthier Dance im Theaterhaus. Dort gab es minutenlange Standing Ovations, ohrenbetäubenden Jubel und ein Publikum, das meilenweit von einer „lahmen Crowd“ entfernt war.
Vielleicht war Stuttgart an diesem Abend gar nicht zu leise – vielleicht hat sich die Begeisterung einfach auf mehrere Bühnen verteilt.
„Wär‘ Stuttgart eine Frau, ich würd sie heiraten“
Bei den Jazz Open rief Parov Stelar nach einem Jubel-Orkan auf den Schlossplatz hinein: „Wär‘ Stuttgart eine Frau, ich würd‘ sie heiraten!“ Das klingt nicht nach einer Stadt, deren Publikum niemanden mitreißt.
Liebe Nina, wir sind dir gar nicht böse. Wirklich nicht. Du bist einfach zu selten in Stuttgart, um zu wissen, wie diese Stadt tickt. Gut, das mit der quergelegten Maultasche deines Kollegen zeigt nur, dass er nur die Klischees über uns kennt, aber nicht die Wahrheit.
Aber egal, du bekommst eine zweite Chance. Komm wieder. Nicht bei 40 Grad. Nicht mitten im Wetteralarm.
Und dann spiel einfach so, dass der Funke überspringt.
Denn eines habe ich in all den Jahren in Stuttgart gelernt: Wenn hier ein Publikum ruhig bleibt, liegt das erstaunlich selten am Publikum.
Bis bald. Wir freuen uns auf den Beweis.
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