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Uwe Bogen

Eine Glosse über den Stolz der Stadt

Erst Stuttgarts OB, dann die Schlangen: Der San-Francisco-Vergleich nimmt Fahrt auf

23. Juli 2026

Stuttgart oder San Francisco –  na, wer wohl ist das Original? OB Frank Nopper nennt Stuttgart das „San Francisco Deutschlands“, die Band Junge Arbeiter dreht die Sache sogar noch um. Jetzt bekommt der tollkühne Vergleich eine neue, tierische Dimension.

Stuttgart und San Francisco –  sind wohl zwei Zwillingsstädte, die von Geburt an getrennt sind. Mal wird verglichen, mal widersprochen, mal geprahlt, wer in Wahrheit das Original sei. Und jetzt gibt es einen weiteren Beweis für die besondere Verbindung: San-Francisco-Strumpfbandnattern sind in Stuttgart  angekommen, nämlich in der Wilhelma. 

Welcome, you snakes!

Die Vergleiche zwischen Stuttgart und San Francisco sind auch zu schön, um wahr zu sein. Beide Städte liegen an Hügeln, beide haben eine starke Technik- und Tüftlergeschichte, beide kennen Diskussionen über Verkehr, Wandel und Lebensqualität – und beide haben eine gewisse Eigenart, die ihre Bewohner gern mit Stolz verteidigen.

Die Cable Cars heißen bei uns halt Zacke.

Die Jungen Arbeiter legten noch eins drauf

Als Oberbürgermeister Frank Nopper Stuttgart im Februar  beim CDU-Bundesparteitag auf der Landesmesse als „das San Francisco Deutschlands“ bezeichnete und die Grabkapelle für das Taj Mahal hielt, erntete er Spott im Netz, doch die Sache war noch nicht abschließend geklärt. Die Stuttgarter Band Junge Arbeiter sah den Vergleich im Gespräch mit EchtStuttgart deutlich anders: Nicht Stuttgart sei das San Francisco Deutschlands – vielmehr müsse es heißen: San Francisco ist das Stuttgart der USA.

Bravo, bravo – bitte mehr davon! Denn genau das macht Stuttgart viral, remixbar und wiedererkennbar. Warum sollten sich die Schwaben kleiner machen, als sie in Wahrheit sind? Das neue Selbstbewusstsein verdrängt langsam das alte Understatement und den Hang zum Diminutiv. Die Stadtkasse mag leer sein – aber an Kreativität herrscht in Stuttgart wahrlich kein Mangel.

Äffle und Pferdle müssen aufpassen! Denn die Endung le wird künftig abgeschafft.  Schließlich haben wir einen wackeren Nopper und kein ängstliches  Nopperle.

Wenn es um große Bilder geht, kennt der Stuttgarter OB keine Bremse, sondern maximal die nächste Steigerungsstufe der Überhöhung. Frank Nopper liefert regelmäßig rhetorische Spitzen, die weit über klassische Kommunalpolitik hinausgehen – und längst ein Eigenleben in sozialen Medien entwickelt haben.

Nun also hat die Städtefreundschaft der beiden Hills-und-Hügel-Metropolen eine ganz neue Wendung erhalten: In der Wilhelma sind die vom Aussterben bedrohten San-Francisco-Strumpfbandnattern eingezogen. Die farbenprächtigen Schlangen stammen tatsächlich aus der Region rund um San Francisco und tragen ihren Namen nicht etwa wegen eines Marketingtricks, sondern wegen ihres auffälligen Streifenmusters, das aussieht, als hätten sie bunte Strumpfbänder angezogen. Sie leben nun in direkter Nachbarschaft zu den Kalifornischen Seelöwen in einem 24 Quadratmeter großem Terrarium, für das die Ingrid-Kandler-Stiftung 150.000 Euro bezahlt hat.

Damit gibt es jetzt also auch kriechende Vertreter aus der kalifornischen Metropole in Stuttgart. Während Menschen weiterhin darüber diskutieren können, welche Stadt nun die schönere, innovativere oder lebenswertere ist, haben die Schlangen ihre Entscheidung bereits getroffen: Sie fühlen sich offenbar in Stuttgart wohl.

Vielleicht ist das aber auch nur konsequent. Schließlich haben Stuttgart und San Francisco schon lange mehr gemeinsam als nur Hügel und eine Vorliebe für große Namen. Jetzt teilen sie sich sogar eine Schlange. Und Stuttgart ist selbst bekannt für riesige Schlangen – für Warteschlangen aus Autos, für die längsten Staus der Republik.

Super, Super, Super-Stuttgart!

Und falls irgendwann jemand fragt, ob Stuttgart das San Francisco Deutschlands ist: Die Antwort könnte künftig lauten – zumindest bei den Strumpfbandnattern ist die Sache eindeutig. Für sie ist Stuttgart ganz einfach das neue Zuhause.

Super, Super, Super-Stuttgart. Unsere Stadt ist längst zur Storyworld geworden. Wenn es stimmt, dass Stuttgart das Hollywood des Trickfilms ist, wie Nopper im Mai bei der Eröffnung des Internationalen Trickfilms in Stuttgart  gesagt hat – woran wir bei unserem OB natürlich nicht zweifeln – dann ist aber auch klar, was der Stuttgarter Rathaus-Chef ist: der deutsche Shakespeare der Überhöhungvielleicht sogar der deutsche Robert De Niro der Rathaus-Rede und am Ende womöglich der deutsche Steven Spielberg der Stadtvermarktung.

Und das alles ohne Kohle, nur mit der Kraft von gewagten Worten.

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