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Der Aufreger des vergangenen Jahres kehrt aufs Stuttgarter Weindorf zurück: Erneut gibt es einen Rostbraten vom regionalen Wagyu-Rind für 85 Euro. Doch Jägerlaube-Chef Ingo Hampf betont: „Wir haben auch eine Wildschwein-Rote für fünf Euro.“ Zugleich wächst die Laube kräftig und zieht dreimal so groß auf den Schillerplatz.
Passt ein Rostbraten für 85 Euro auf das Stuttgarter Weindorf? Darüber wurde im vergangenen Jahr so heftig diskutiert und gestritten, bis die ganze Stadt wusste, wer dahintersteckt: die Jägerlaube von Ingo Hampf und Leone Paul. Die beiden drehen diesmal auf dem Weinfest noch weiter auf.
Denn nicht nur der viel diskutierte Wagyu-Rostbraten kehrt zurück. Auch die Jägerlaube selbst wächst gewaltig. Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr zieht sie auf den Schillerplatz, auf die Fläche, auf der zuletzt die Laube Schiller Mitte stand. Rund dreimal so groß ist der neue Standort.
„Das ist mutig“, hört man bei Weindorf-Kollegen.
Der Aufreger des vergangenen Jahres steht also erneut auf der Karte. Der Rostbraten vom regionalen Wagyu-Rind kostet wieder 85 Euro, wie Ingo Hampf uns bestätigt – und dürfte damit auch in diesem Jahr für Gesprächsstoff sorgen.
Im vergangenen Jahr hatten die beiden Jägerlauben-Chefs mit dem Metzger Florian Luz das Edelstück auf die Karte gesetzt. Luz ist in diesem Jahr allerdings nicht mehr dabei. „Er war unser Angestellter, dem wir zu Beginn seiner Selbstständigkeit eine Plattform geben wollten“, erklärt Hampf.
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Am Wagyu selbst ändert sich nichts. „Wir machen das Wagyu so wie letztes Jahr wieder mit Grasland Wagyu, so wie immer“, betont der Weindorf-Wirt.
Doch der Rostbraten soll längst nicht die einzige Besonderheit bleiben. „Klar, Wagyu gibt es natürlich wieder und dieses Mal auch noch weitere coole regionale Überraschungen“, kündigt Ingo Hampf an.
Gleichzeitig soll die Karte eine deutlich größere Preisspanne abdecken. „Bei uns ist für jeden was dabei – von 5 bis 350 Euro Essen und von 5 bis 2500 Euro Wein“, sagt er. Für 5 Euro gibt es die Wildschwein-Rote im Brötchen.
„Wir wollen qualitative Exzellenz bieten, aber bei den Speisen und Weinen immer auch etwas im Einstiegsbereich dabei haben“, sagt Hampf.
Bei Hampf und Paul geht es nicht darum, die schwäbischen Klassiker abzuschaffen. Sie wollen vielmehr zeigen, was regionale Produkte alles können. Genau dies spricht dem Wunsch der Weindorf-Macher.
Neben dem Wagyu-Rostbraten stehen deshalb unter anderem Rehbratwurst und Wildmaultasche aus regionaler Jagd auf der Karte.
Und dann kommt der Trüffel.
„Unser Motivator hinter der Jägerlaube ist es, immer wieder mit regionalen Spezialitäten zu überraschen, die man hier bei uns gar nicht erwarten würde“, sagt Ingo Hampf.
Zusammen mit Biopasta von Alb-Gold und Demeter Hartkäselaib vom Bodensee wird es eine regionale Interpretation der klassischen Trüffelpasta aus dem Parmesanlaib geben. Dazu kommen Rösti aus regionalen Kartoffeln mit Spiegel und Trüffel sowie Trüffelpommes..
Die Jägerlaube ist eng mit der Geschichte der Easy Street im Leonhardsviertel verbunden. Ingo Hampf, der ursprünglich aus dem International Management kommt und ein mittelständisches Automotive-Unternehmen führte, entschied sich irgendwann für einen kompletten Neustart.
Seine Leidenschaft für Jagdhunde führte ihn zunächst in eine andere Richtung. Doch als Genussmensch zog es ihn schließlich auch in die Gastronomie.
2023 eröffnete er die Easy Street Cocktail Bar an der Weberstraße. Dort lernte er Leone Paul kennen. Die beiden stellten schnell fest, dass sie neben hochwertigen Drinks und Zigarren auch die Leidenschaft für Wein und besondere Champagnerhäuser teilen.
2024 folgte die Easy Street Wine and Champagne Bar gleich um die Ecke. Mehr als 100 offene Weine aus aller Welt gehören dort zum Konzept.
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Und dann ging mit der Begeisterung für guten Wein aufs Weindorf. Auch der Name ist kein Zufall. Hampf ist selbst Jäger.
Beim Wein setzen die beiden ebenfalls auf die Mischung aus Besonderem und Regionalem.
Champagner ist auf dem Weindorf allerdings verboten. Welcher regionaler Sekt so gut ist wie französischer Schampus? Die Antwort von Ingo Hampf: „Etwa der Blanc de Noir Brut Nature vom Weingut Bernhard Huber oder den Pinot Brut Nature von Beurer.“
Auch seltene Tropfen finden ihren Platz. Dazu gehört eine Magnumflasche Muskateller-Eiswein vom Weingut Dr. Heger.
„Das ist das bisher einzige Mal, dass Dr. Heger einen Eiswein gekeltert hat. Und wir haben die letzte Flasche bei uns im offenen Ausschank“, sagt Leone Paul.
Damit reicht das Angebot vom unkomplizierten Einstieg bis zum Wein für besondere Momente.
Im vergangenen Jahr war die Jägerlaube noch eine der kleineren Lauben des Weindorfs auf dem Marktplatz, direkt vor dem Rathaus. Jetzt wird aus dem kleinen Auftritt ein deutlich größeres Projekt.
Dreimal so viel Fläche steht Hampf und Paul diesmal zur Verfügung. Der neue Standort auf dem Schillerplatz bietet nicht nur mehr Platz für Gäste, sondern auch mehr Raum für das Konzept.
Dazu kommen musikalische Auftritte, unter anderem von Sir Waldo Weathers, der als langjähriger Saxofonist von James Brown in Stuttgart bekannt ist.
Aus dem Stand von einer der kleinsten zu einer der größten Lauben des Fests – das ist ein bemerkenswerter Weindorf-Senkrechtstart.
Haben die Veranstalter versucht, der Jägerlaube den hohen Preis auszureden? „Nein, wir haben nicht“, sagt Geschäftsführer Dominik Schwab, “ das steht uns als Veranstalter auch gar nicht zu.“ Das Fleisch stamme aus regionaler Erzeugung und erfülle damit „voll unsere Kriterien“. Dass so ein Gericht polarisiert, sei klar, aber die Nachfrage scheine ja da zu sein, sonst würden die Wirte es nicht wieder anbieten. Schwabs Credo: „Auf dem Weindorf findet jeder genau das, was er sucht. Es gibt bei vielen Lauben weiterhin einen Mittagstisch für 10–13 Euro oder ein klassisches, bodenständiges Abendessen zu fairen Preisen. Und wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, geht eben zu Ingo für das Wagyu oder zu Carsten fürs Tomahawk. Das Weindorf bietet die ganze Bandbreite für jeden Geldbeutel.“
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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