Landwirtschaftliches Hauptfest
Kühe, Kälber und Schweine am Neckarstrand: Beim Landwirtschaftlichen Hauptfest sollen rund 600 Tiere Stadtkindern das Landleben näherbringen. PETA kritisiert die Tierschau und kündigt Protest an. EchtStuttgart hat bei den Veranstaltern nachgefragt – die reagieren souverän.
Die Bilder sind auf dem Cannstatter Wasen noch in Erinnerung: Beim Frühlingsfest 2024 stürmten Aktivisten der Tierrechtsorganisation PETA während des traditionellen Fassanstichs die Bühne im Göckelesmaier-Festzelt. Sie hielten Schilder mit Botschaften wie „Bier statt Tier“ und „Veganer Wasen jetzt!“ hoch und störten damit die Eröffnungszeremonie.
Damals hat die Protestaktion die Festgesellschaft unmittelbar beim Fassanstich überrascht. Diesmal macht PETA vorher öffentlich, was sie auf dem Wasen vorhat: Zum Start des Landwirtschaftlichen Hauptfests am Sonntag, 27. September, hat die Organisation eine Demonstration angekündigt.
Und die trifft einen zentralen Bestandteil der Veranstaltung.
Denn während das Landwirtschaftliche Hauptfest Landwirtschaft mitten in Stuttgart erlebbar machen, Kindern und Jugendlichen das Landleben näherbringen und zugleich auf die Probleme der Branche aufmerksam machen will, kritisiert PETA einen zentralen Bestandteil der Schau: die Präsentation von Tieren.
Vom 27. September bis 4. Oktober verwandelt sich ein Teil des Cannstatter Wasens wieder in den nach Angaben der Veranstalter „größten Bauernhof Baden-Württembergs“. Das Landwirtschaftliche Hauptfest (LWH) findet nur alle vier Jahre statt und ist die größte Fachmesse für Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft in Süddeutschland. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr.
Mehr als 400 Aussteller aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Schweden präsentieren sich auf 130.000 Quadratmetern. Das Spektrum reicht von moderner Agrartechnik über Tierhaltung und Ernährung bis zu regionalen Produkten. Zu den großen Bereichen gehören die Hallen 1 und 4, das Maschinenvorführgelände, die Tierzelte und das Reitstadion.
Ein Publikumsmagnet dürften wieder die sechs Tierzelte werden. Rund 600 Tiere sind dort zu sehen – darunter Schafe, Ziegen, Esel, Kühe, Kaninchen und Fische. Dazu kommen Vorführungen vom Schafscheren und Melken bis zur Arbeit von Hufschmieden.
Genau hier setzt die Kritik von PETA an. Die Tierrechtsorganisation fordert die Veranstalter auf, künftig keine Tiere mehr auf der Messe zu zeigen. Transport, Besuchermassen, Lärm und die ungewohnte Umgebung bedeuteten nach Ansicht der Organisation ein hohes Stresspotenzial für die Tiere.
Am Sonntag will PETA diese Kritik unüberhörbar auf den Wasen bringen. Von 12.30 bis 14 Uhr soll an der Mercedesstraße 35 der sogenannte „Hell on Wheels“-Truck stehen. Der einem Schweinetransporter nachempfundene Lkw erweckt den Eindruck, als würden lebende Tiere transportiert. Dazu werden reale Tonaufnahmen von Schweinen abgespielt, die nach Angaben von PETA während des Transports zum Schlachthof aufgenommen wurden.
„Stört Sie das? Dann leben Sie vegan“, lautet die Botschaft auf dem Fahrzeug. Die Organisation nutzt das Landwirtschaftliche Hauptfest dabei auch für eine grundsätzliche Kritik an Tierhaltung, Tiertransporten und Fleischkonsum.
Zum angekündigten Protest von PETA erklärt Stefanie Hirrle, Sprecherin von In.Stuttgart auf unsere Anftrage: „Das Cannstatter Volksfest und das Landwirtschaftliche Hauptfest sind für alle da. Dazu gehört auch, dass wir das verfassungsrechtlich geschützte Demonstrations- und Meinungsäußerungsrecht respektieren. Unterschiedliche Sichtweisen gehören zu einer offenen demokratischen Gesellschaft. Das Landwirtschaftliche Hauptfest und das Cannstatter Volksfest verstehen wir als Orte der friedlichen Begegnung.“
Die Veranstalter verfolgen mit den Tieren ein anderes Ziel: Das Landwirtschaftliche Hauptfest soll Landwirtschaft nicht nur erklären, sondern unmittelbar erlebbar machen. Besonders Kindern und Jugendlichen soll das Thema nähergebracht werden. Dafür gibt es Führungen, Entdeckungstouren, eine Kochschule und eine LWH-Rallye. Bei einer Schülerpressekonferenz am 30. September können Kinder Fachleuten aus der Landwirtschaft ihre Fragen stellen.
Neu ist in diesem Jahr eine Sonderschau zur modernen Kälberhaltung. Zu sehen sind Kälber verschiedener Rassen und Altersstufen in unterschiedlichen Haltungssystemen. Mehrmals täglich wird außerdem ein sogenanntes Milchtaxi eingesetzt, um zu zeigen, wie junge Kälber auf landwirtschaftlichen Betrieben versorgt werden.
Für Familien gibt es zudem das „Stutengärtle“ im Reitstadion. Dort können Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren basteln, gärtnern und spielen. Trettraktoren gehören ebenso zum Angebot wie eine Ruhezone mit Büchern und Spielen.
Landwirtschaft besteht auf dem LWH allerdings nicht nur aus Tieren. In Halle 1 präsentieren sich unter anderem der Landesbauernverband Baden-Württemberg und das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Besucher erfahren dort, was Drohnen und Roboter auf dem Acker leisten können, wie neue Materialien aus Holz und Flachs entstehen und wie sich Biodiversität und Landwirtschaft verbinden lassen.
Auf dem Maschinenvorführgelände der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) wird es deutlich größer. Dort werden Landmaschinen und moderne Geräte bei Bodenbearbeitung, Aussaat und Ernte vorgeführt. Besucher können teilweise auch selbst hinter dem Steuer Platz nehme.
Dass das Landwirtschaftliche Hauptfest parallel zum Cannstatter Volksfest stattfindet, hat historische Gründe. Das LWH ist der Ursprung des heutigen Volksfestes. Vor mehr als 200 Jahren stifteten König Wilhelm I. und seine Frau Katharina das Fest für eine Bevölkerung, die unter jahrelangen Ernteausfällen und Hungersnöten gelitten hatte.
Schon das damalige „Landwirthschaftliche Fest zu Kannstadt“ verband Agrarschau, Viehmarkt, Fachinformationen und Unterhaltung.
Neu ist in diesem Jahr auch die Einbindung des Albdorfs. Das vom Frühlings- und Volksfest bekannte Angebot wird erstmals Teil des Landwirtschaftlichen Hauptfests. Mindestens 75 Prozent der dort angebotenen Produkte stammen nach Angaben der Veranstalter aus Baden-Württemberg. Angeboten werden unter anderem Wildspezialitäten, Linsen, schwäbischer Fisch und Spätzle. Die Stände öffnen täglich ab 15 Uhr.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit wollen die Veranstalter Akzente setzen. Das gesamte Veranstaltungsgelände wird nach ihren Angaben mit Ökostrom aus Wind- und Wasserkraft versorgt. Hinzu kommen regionale Partner, Pfandbecher und KombiTickets für den öffentlichen Nahverkehr. Neu sind inklusive Führungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung.
Das Landwirtschaftliche Hauptfest findet vom 27. September bis 4. Oktober 2026 auf dem Cannstatter Wasen statt. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr.
Wer sein Ticket im Vorverkauf kauft, zahlt 16 Euro, an der Tageskasse kostet der reguläre Eintritt 19 Euro. Ermäßigte Tickets gibt es für 13 beziehungsweise 16 Euro. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren zahlen 6,50 Euro im Vorverkauf und 9,50 Euro an der Tageskasse.
Das Familienticket für zwei Erwachsene und die im Haushalt lebenden Kinder bis 14 Jahre kostet 35 Euro im Vorverkauf und 40 Euro vor Ort. Gruppen ab 20 Personen zahlen 14 Euro pro Person im Vorverkauf beziehungsweise 17 Euro an der Tageskasse.
Die genannten Preise an der Tageskasse gelten ohne VVS.
Als Podcasterin wird sie viel gehört. Mit „Klartext – Die Wahrheit über Fehler und Mythen in der Hundeerziehung“, den die gebürtige Stuttgarterin mit dem Hundepsychologen Adam Höpfl produziert, ist sie regelmäßig in den Top 20 der meistgehörten Tierpodcasts Deutschlands vertreten. Klare Worte, Tiefgang, Witz und Verständlichkeit sind dabei ihr Markenzeichen. Viele Jahre arbeitete Conny Mertz als Radiomoderatorin, Journalistin und Nachrichtenredakteurin. Ein Berufsalltag geprägt von Stress, wechselnden Schichten, Zeitdruck – sie weiß aus eigener Erfahrung, wie man mit Druck umgeht und handlungsfähig bleibt. Dieses Wissen gibt sie heute weiter: als ausgebildete Reittherapeutin, vor allem an Kinder. Ihr Fundament ist die Musik. An der Musikhochschule Stuttgart studierte sie Klavier und Rhythmik und schloss ihr Studium als Diplom-Musikpädagogin ab. Das geschulte Hören, das feine Gespür für Takt und Zwischentöne prägen ihre Arbeit.
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