Theater Rampe
Glitzer, große Gesten und ganz viel Selbstbewusstsein: Am 24. Oktober bringt der Miss Piggy Kiki Ball das Theater RAMPE zum Beben. Voguing, Fashion, Performance und Lebenslust inklusive. Denn wenn’s um Ballroom geht, spielt der Kessel längst ganz vorne mit. Strike a Pose, du schrilles Stuttgart!
Miss Piggy ist nicht gerade für dezente Auftritte bekannt. Sie liebt Glamour, große Gesten und Drama – und lässt sich garantiert nicht vorschreiben, wer oder wie sie zu sein hat. Ziemlich perfekte Voraussetzungen also, um Namenspatronin für den diesjährigen Miss Piggy Kiki Ball in Stuttgart zu werden.
Am 24. Oktober 2026 ab 16 Uhr wird das Theater RAMPE zum Ballroom. Auf dem Runway treffen Fashion, Voguing und Performance auf Community, Kreativität und eine ordentliche Portion Camp. Doch hinter dem schillernden Spektakel steckt eine Kultur mit langer Geschichte und einer Botschaft, die aktueller kaum sein könnte: Sei, wer du bist – und lass auch andere sein, wer sie sind.
Die Ballroom-Kultur entstand in New York und hat ihre Wurzeln in der queeren Underground-Szene des 20. Jahrhunderts. Eine wichtige Rolle spielten Drag Pageants, bei denen Queens in verschiedenen Kategorien gegeneinander antraten. Allerdings waren auch diese Wettbewerbe von Rassismus geprägt: Schwarze und andere queere People of Color wurden benachteiligt und ausgegrenzt.
Eine der Schlüsselfiguren der modernen Ballroom-Kultur war Crystal LaBeija. In den 1960er-Jahren wandte sie sich gegen die rassistischen Strukturen der Pageant-Szene und schuf mit anderen eigene Räume und Wettbewerbe. Daraus entwickelte sich eine Kultur, die insbesondere von Schwarzen sowie queeren und trans* People of Color geprägt wurde.
Ballroom war dabei nie nur Show. Für viele queere Menschen, die von ihren Herkunftsfamilien abgelehnt wurden oder mit Armut und Wohnungslosigkeit kämpften, wurden sogenannte Houses zu gewählten Familien. „Mothers“ und „Fathers“ boten jüngeren Mitgliedern Unterstützung, Gemeinschaft und Orientierung.
Heute sind Houses meist keine Wohngemeinschaften mehr. Der Zusammenhalt ist geblieben – und bei Balls treten die Mitglieder für ihr jeweiliges House an.
Ein bisschen Laufsteg, ein bisschen Tanzbattle und sehr viel Persönlichkeit: Bei einem Ball treten Teilnehmer in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander an. Grob lassen sie sich in Body, Fashion und Performance unterteilen.
Dabei geht es nicht einfach darum, wer „am besten tanzt“. Unterschiedliche Körper, Styles und Identitäten bekommen ihren großen Auftritt. Zu den bekannten Performance-Kategorien gehören Old Way, New Way und Vogue Fem. Letzteres arbeitet stark mit expressiven, hyperfemininen Bewegungen und ist jene Form des Voguing, die vielen aus der Popkultur bekannt sein dürfte.
Christian vom Theater RAMPE betont, dass ein Kiki Ball der Stuttgarter Voguing-Community nicht mit einer klassischen Bühnenshow verwechselt werden sollte:
„Er ist ein Ort für selbstbestimmten Ausdruck, kreative Selbstinszenierung, Gemeinschaft und Sichtbarkeit – und bringt die Ballroom-Kultur mit ihren eigenen Regeln, Kategorien und Performances auf die Bühne.“
Beim Voguing entstehen mit dem Körper markante Linien, Posen und sogenannte „Figures“. Um den Namen rankt sich eine berühmte Szene-Legende: Ballroom-Ikone Paris Dupree soll in den 1970er-Jahren in einem New Yorker Club die Posen aus einem Vogue-Magazin zur Musik nachgeahmt haben. Ob es sich exakt so abgespielt hat, ist nicht belegt – Dupree gilt aber als wichtige Wegbereiterin des Voguing.
Eine der großen Ideen des Ballroom ist es, eigene Vorstellungen von Schönheit zu entwickeln. Körper und Identitäten, die im Mainstream lange ausgegrenzt oder kaum sichtbar waren, werden hier ganz bewusst gefeiert. Deshalb gibt es beispielsweise unterschiedliche Body-Kategorien für verschiedene Körperformen.
Und Ballroom entwickelt sich weiter. Kategorien und Regeln verändern sich mit der Community. Gerade in Europa wird etwa darüber diskutiert, wie unterschiedliche Geschlechtsidentitäten stärker berücksichtigt und binäre Strukturen weiterentwickelt werden können.
Man muss weder voguen können noch Mitglied eines Houses sein, um einen Ball zu besuchen. Ballroom lebt von vielen Rollen: DJs liefern den Sound, Chanter feuern die Performer an, Designer kreieren Looks – und das Publikum sorgt für die passende Energie.
Wer neu ist, sollte vor allem eines mitbringen: Offenheit. Ballroom ist eine gewachsene Kultur mit eigener Geschichte und eigenen Codes. Also: zuschauen, zuhören, lernen – und feiern.
Und warum ausgerechnet Miss Piggy? Fashion, Drama, Camp und jede Menge Selbstbewusstsein – die Muppet-Ikone ist „larger than life“ und nimmt sich den Raum, den sie haben möchte.
Der Kiki Ball übersetzt genau diese Figur in die Sprache des Ballroom. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Miss Piggy zu parodieren. Vielmehr wird sie zum Ausgangspunkt für eine Hommage an mutige Selbstinszenierung, High Fashion, Camp und die Freiheit, sich immer wieder neu zu erfinden.
Oder wie Christian vom Theater RAMPE es beschreibt:
„Das Publikum erwartet spektakuläre Performances und eine Community, die zeigt, wie kraftvoll Sichtbarkeit und kreativer Ausdruck sein können.“
Seit 2022 schafft SERVE. Ballroom Community Stuttgart Räume für die lokale Ballroom-Szene – mit einem besonderen Fokus auf BiPOC- und LSBTTIQ+-Menschen.
Das Programm reicht von Voguing-Workshops und Fashion-Upcycling über Runway-Shows bis zu Talks über die Geschichte der Ballroom-Kultur. Und weil Community nicht immer eine Bühne braucht, gehören auch entspannte Pizza-Hang-outs dazu.
Beim Miss Piggy Kiki Ball am 24. Oktober im Theater RAMPE kommt vieles zusammen, was Ballroom ausmacht: Fashion, Musik, Wettbewerb, Geschichte, Community – und die Lust, sich zu zeigen.
Oder, um es Miss-Piggy-tauglich zu sagen: Mehr Glamour. Mehr Haltung. Mehr Raum für alle.
Was: Miss Piggy Kiki Ball
Wann: Samstag, 24. Oktober 2026, ab 16 Uhr
Wo: Theater RAMPE, Stuttgart
Wer: SERVE. Ballroom Community Stuttgart
Was euch erwartet: Ballroom, Voguing, Fashion, Performance, Camp und jede Menge Miss-Piggy-Glamour
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