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Comeback an Stuttgarts Kulturmeile

Die 80er und 90er sind zurück: So lief das Grand Opening im Tempus


Uwe Bogen 5 Min. Lesezeit News

Mit dem Sound der 80er und 90er startet im Tempus ein neuer Partyspot fürs Ü30-Publikum. Beim Grand Opening mit DJ-Legende Jens Herzberg feiern zehn Gewinnerinnen und Gewinner von EchtStuttgart mit. Die große Resonanz auf unsere Verlosung zeigt: Stuttgart hat Lust aufs Tanzen – und Alter spielt dabei keine Rolle.

Das Tempus an der Kulturmeile meldet sich zurück - mit einem Grand Opening für ein Ü30-Publikum. Fotos: Andreas Engelhard

Das erlebt selbst Jens Herzberg nicht jeden Abend. Gegen 20 Uhr startet der Stuttgarter, der das ist, was man eine DJ-Legende nennt, beim Grand Opening im Tempus – und eine lange Aufwärmphase gibt es nicht. Schon bei den ersten Songs stehen die ersten Gäste auf der Tanzfläche.

Zwei Stunden später ist sie brechend voll.

Wer an diesem Freitagabend sehen will, ob Stuttgart tatsächlich noch Platz für einen neuen Partyspot für die Generation Ü30, Ü40, Ü50 und Ü 60 hat, bekommt ziemlich schnell eine Antwort. Es wird getanzt. Und zwar nicht erst dann, wenn anderswo gerade die ersten Gäste überlegen, in welchen Club sie später noch ziehen.

Mitten an der Kulturmeile, direkt am markanten Turm der Musikhochschule und am Haus der Geschichte, feiert das Tempus – Urban Café & Location seinen Neustart als Abendlocation.

Mit dabei sind auch zehn Gewinnerinnen und Gewinner von EchtStuttgart. Das Interesse an unserer Verlosung war enorm, zahlreiche Mails gingen ein. Offenbar trifft das Konzept einen Nerv: Viele Menschen wollen ausgehen, Freunde treffen und tanzen, ganz egal, in welchem Alter – nur eben nicht unbedingt erst um Mitternacht.

Ein Dancefloor, der keine Anlaufzeit braucht

Für den Sound des Abends ist einer zuständig, der das Stuttgarter Nachtleben seit Jahrzehnten kennt. Jens Herzberg begann 1986 als DJ und stand unter anderem in legendären Clubs wie Roxy, Nachtwerk und BeatClub hinter den Reglern.

Das Tempus wird zum neuen Partyspot für Ü30, Ü40, Ü50, Ü60 - für alle, die Tanzen über alles lieben. Foto: Andreas Engelhard
DJ-Legende Jens Herzberg (links) mit unserem Autor Uwe Bogen. Foto: Andreas Engelhard
Die Ehefrau und der Sohn des DJs Jens Herzberg sind auch gekommen. Foto: Andreas Engelhard

Im Tempus nimmt er die Gäste mit zurück in die 80er und 90er: New Wave, Synthie-Pop, Italo Disco, Indie Rock und Pop. Depeche Mode, OMD, Soft Cell, Eurythmics, Duran Duran, Simple Minds, Anne Clark und viele andere liefern den Soundtrack.

Dass die Tanzfläche so schnell voll wird, dürfte auch Herzberg freuen. Denn genau darum geht es bei dem neuen Konzept: nicht um eine Retro-Party als nostalgische Zeitreise für einen Abend, sondern um einen regelmäßigen Treffpunkt für ein Publikum, das im Stuttgarter Nachtleben oft etwas zu kurz kommt.

Menschen, die gerne tanzen, aber keine Lust haben, darauf bis ein Uhr nachts zu warten.

Vom Museumscafé zum Partyspot

Dabei sah die Zukunft des Tempus vor einigen Monaten noch ziemlich ungewiss aus. Das Museumscafé hatte im November 2025 geschlossen. Die bisherigen Pächter vom Kraftpaule waren nach rund einem Jahr wieder ausgestiegen. Ein Problem: zu wenig Laufkundschaft.

Das Land Baden-Württemberg als Eigentümer schrieb die Gastronomie neu aus.

Jetzt übernehmen Salvatore Pirone und Kamiran Mahmud, die nur wenige Schritte entfernt bereits das Fresko in der Staatsgalerie betreiben. Tagsüber ist das Tempus wieder Café und Lunch-Adresse. Zu den Gästen gehören Beschäftigte aus den umliegenden Büros und dem Landtag ebenso wie Besucher der Kulturmeile.

Doch diesmal soll der Tag nicht zwangsläufig mit dem letzten Kaffee enden.

Die neuen Betreiber wollen das Tempus gezielt als Eventlocation etablieren. Das Grand Opening zeigt erstmals, wie das funktionieren kann. Fresko und Tempus werden für den Abend miteinander verbunden, draußen gibt es zusätzlichen Platz – und drinnen wird aus dem Café ein Club.

Foto: Andreas Engelhard
Foto: Andreas Engelhard

Zweimal im Monat soll künftig getanzt werden

Der Freitagabend soll deshalb kein einmaliges Experiment bleiben. Geplant sind zweimal im Monat Partys im Tempus. Der nächste Termin ist Halloween. Jens Herzberg und sein Co-DJ Andy Knödler wollen dabei mit wechselnden Mottos für Abwechslung sorgen.

Im Mittelpunkt steht ein Publikum, das zwar längst aus dem klassischen Studentenalter heraus ist, seine Lust aufs Nachtleben aber keineswegs verloren hat.

Dass dafür ein Markt vorhanden ist, haben bereits die erfolgreichen Retro-Partys in der Staatsgalerie gezeigt. Herzberg legte dort schon bei der ersten großen Ausgabe 2024 auf. Auch in diesem Jahr zog die Veranstaltung wieder zahlreiche Gäste an.

Warum gerade die Musik der 80er noch immer funktioniert?

Herzbergs Antwort ist einfach: „Weil sie Emotionen transportieren. Und weil sie handgemacht sind.“

Zu den Songs, die für ihn persönlich dieses Jahrzehnt besonders gut einfangen, gehören „Never Let Me Down Again“ von Depeche Mode, „Electricity“ von OMD und „Gold“ von Spandau Ballet.

Ausgerechnet diese Lage könnte jetzt zum Vorteil werden

Spannend ist der Neustart auch deshalb, weil das Tempus ausgerechnet mit dem Standort punkten will, der für den klassischen Cafébetrieb nicht immer einfach war.

Das Lokal bei der Staatsgalerie, dem  Haus der Geschichte, der Musikhochschule und dem Landtag – also mitten in einem der wichtigsten Kulturareale Stuttgarts, die von der Stadt-Autobahn durchkreuzt wird. In den großen Fußgängerströmen der Innenstadt liegt es deshalb nicht.

Was tagsüber ein Nachteil sein kann, sieht abends plötzlich anders aus.

Wer zu einer Party ins Tempus kommt, kommt gezielt. Gleichzeitig ist die Location mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, Parkmöglichkeiten gibt es ebenfalls in der Umgebung. Hinzu kommt die Außenfläche, die bei Veranstaltungen mitgenutzt werden kann.

Und die beiden Betreiber haben mit Fresko und Tempus nun zwei Locations in unmittelbarer Nachbarschaft. Beim Grand Opening lässt sich erstmals erleben, welches Potenzial darin steckt.

Ein bisschen altes Stuttgart – aber nicht von gestern

Jens Herzberg hat noch eine Clubwelt erlebt, die mit dem heutigen Nachtleben kaum vergleichbar ist. Manche Diskotheken besaßen damals riesige eigene Plattensammlungen. „Da musstest du gar nichts mitbringen“, erinnert er sich. Heute passen Zehntausende Songs auf einen USB-Stick.

Auch das Publikum habe sich verändert. „Früher waren viel mehr junge Leute unterwegs“, sagt Herzberg. Clubs und Diskotheken seien Wochenende für Wochenende voll gewesen.

Das Tempus versucht gar nicht erst, diese Zeit zurückzuholen. Interessanter ist die Idee, etwas von ihrem Lebensgefühl ins Stuttgart von heute zu transportieren.

Früh anfangen, gute Musik, Freunde treffen, ein Drink – und vor allem tanzen, tanzen, tanzen. Dann ist man entweder wieder ganz jung. Oder das Knie tut so weh, dass man schnell wieder nach Hause will.

Foto: Andreas Engelhard
Das Tempus meldet sich zurück - nicht nur mit Tanzpartys. Foto: Tempus
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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Ein Dancefloor, der keine Anlaufzeit braucht
  2. Vom Museumscafé zum Partyspot
  3. Zweimal im Monat soll künftig getanzt werden
  4. Ausgerechnet diese Lage könnte jetzt zum Vorteil werden
  5. Ein bisschen altes Stuttgart – aber nicht von gestern

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