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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosMehr Gastro, mehr Leben
In vielen europäischen Städten pulsiert auf dem Marktplatz das gastronomische Leben. Stuttgart hinkte lange hinterher. Doch nun kommt Bewegung auf den Platz. EchtStuttgart hat exklusiv über die Pläne von Denis Gugac berichtet. Die Reaktionen der anderen Wirte überraschen: Statt Konkurrenzdenken herrscht Vorfreude.
Wer durch italienische, französische oder spanische Städte schlendert, kennt das Bild: Rund um den Marktplatz reihen sich Straßencafés, Restaurants und Bars aneinander. Menschen sitzen draußen, trinken einen Espresso oder ein Glas Wein, beobachten das Treiben. Der Platz ist nicht nur geografisch das Herz der Stadt, sondern auch gesellschaftlich.
Und Stuttgart? Ausgerechnet der Marktplatz, einer der zentralsten Orte der Innenstadt, war in gastronomischer Hinsicht über viele Jahre tote Hose. Viel Stein, wenig Dolce Vita. Doch das könnte sich nun grundlegend ändern. Der Marktplatz ist auf dem besten Weg, zu einem neuen Treffpunkt für Genießer zu werden.
EchtStuttgart hat exklusiv darüber berichtet, dass der umtriebige Gastronom Denis Gugac, der in Rathaus-Nähe bereits das Commodo betreibt, nun im Erdgeschoss des ehemaligen Schuhhauses Bletzinger eine Tagesbar plant. Das markante Eckhaus an der Münzstraße wurde aufwendig saniert und um zwei Stockwerke erhöht. Das Erdgeschoss ist noch eine Baustelle – da kommt die neue Bar hinein. Auf der Sonnenseite des Marktplatzes soll also ein neuer gastronomischer Anziehungspunkt entstehen.
Die Nachricht hat bei vielen Stuttgartern Begeisterung ausgelöst. Erinnerungen an das legendäre Café Scholz werden wach, das einst mit seinen roten Sonnenliegen ein Stück Pariser Lebensgefühl auf den Platz brachte.
Doch wie sehen das diejenigen, die bereits am Marktplatz gastronomisch aktiv sind? Müssen sie befürchten, dass ihnen ein weiterer Wirt Gäste wegnimmt?
EchtStuttgart hat sich umgehört. Und siehe da: Von Konkurrenzdenken keine Spur. Im Gegenteil. Die Gastronomen sind überzeugt, dass mehr Angebote den gesamten Platz stärken.
Einer, der den Wandel bereits mitgestaltet, ist Maximilian Trautwein. Seit rund einem Jahr betreibt er mit dem schwäbischen Restaurant Knitz im Haus des Tourismus einen Standort, der nicht nur kulinarisch, sondern auch architektonisch Akzente setzt. Zum Konzept gehören eine Außenfläche auf dem Marktplatz und die Dachterrasse mit besonderem Blick über die Innenstadt.
Dass mit Denis Gugac ein weiterer Gastronom hinzukommen will, sieht Trautwein ausgesprochen positiv. „Je mehr Gastro auf dem Marktplatz ist, desto besser ist es für alle“, sagt er im Gespräch mit EchtStuttgart. „Das ist auch in anderen großen Städten so.“
Für ihn ist klar: Unterschiedliche gastronomische Konzepte ziehen unterschiedliche Gäste an. Und wer einmal auf den Platz kommt, entdeckt womöglich auch die anderen Angebote.
Selbst die Frage, wer die besseren Plätze im Freien hat, betrachtet Trautwein mit Gelassenheit und Humor. „Denis hat vielleicht einen besseren Sonnenplatz, aber es gibt heiße Sommer, da freut man sich über einen Schattenplatz.“
Auch Milos Vujicic, Chef des Ratskellers, freut sich auf den neuen Nachbarn. Für ihn ist die Entwicklung keine Überraschung. Schon vor drei Jahren hatte er eine klare Vorstellung davon, welches Potenzial in diesem Teil der Innenstadt steckt.
„Das tut dem Marktplatz sehr gut“, sagt Vujicic auf Anfrage von EchtStuttgart. „Schon 2023 habe ich den Marktplatz und seine Achse bis zum DoQu als attraktive Meile der Stuttgarter Innenstadt prognostiziert.“
Mit dem Knitz und nun den Plänen von Denis Gugac sieht er diese Einschätzung bestätigt. Gastronomie sei schließlich ein entscheidender Faktor, um Menschen an einen Ort zu ziehen.
Vujicic erinnert daran, dass viele Innenstadtbesucher nach dem Einkauf ganz andere Ziele im Kopf hatten, wenn sie noch etwas essen oder trinken wollten: den Schlossplatz, die Calwer Straße oder die Markthalle.
Der Marktplatz spielte in diesen Überlegungen häufig keine große Rolle. Das könnte sich nun ändern.
„Dank der gastronomischen Wiederbelebung am Marktplatz wird nun auch dieser Ort den Leuten im Kopf sein. Das ist klasse!“, sagt der Ratskeller-Chef.
Vujicic glaubt nicht nur an eine allgemeine Belebung der Innenstadt. Er erwartet auch ganz konkrete Vorteile für seinen eigenen Betrieb. Der Ratskeller ist als traditionsreiches Restaurant vor allem auf Gäste ausgerichtet, die zum Essen kommen. Die geplante Tagesbar auf der gegenüberliegenden Platzseite würde dagegen andere Bedürfnisse und Tageszeiten abdecken.
Auch für die Weinbar im Ratskeller sieht Vujicic eine interessante Ergänzung. Während Gugac mit seinem Konzept tagsüber Gäste anziehen möchte, öffnet die Weinbar erst am Nachmittag.
So könnten sich die verschiedenen Angebote über den Tag hinweg ergänzen, statt sich gegenseitig das Geschäft streitig zu machen. „Wir freuen uns sehr auf den nächsten Kollegen vis-à-vis“, sagt Vujicic.
Neue Tagesbar in der Stuttgarter City: Denis Gugac will Sonnenseite des Marktplatzes beleben
Mit dem Knitz, dem Ratskeller, dem Cotidiano bei Breuninger und der geplanten Tagesbar von Denis Gugac entsteht rund um den Marktplatz allmählich eine gastronomische Vielfalt, wie man sie sich für das Zentrum einer Großstadt wünscht.
Natürlich ist noch Geduld gefragt. Gugac befindet sich mit seinem Vorhaben in der baurechtlichen Abstimmungsphase. Einen Eröffnungstermin kann er deshalb noch nicht nennen. Doch die Richtung stimmt. Denn ein lebendiger Marktplatz entsteht nicht allein durch schöne Fassaden, Pflastersteine und gelegentliche Veranstaltungen. Er braucht Orte, an denen Menschen gerne verweilen, sich verabreden und auch einmal spontan länger sitzen bleiben.
Dass ausgerechnet die bereits ansässigen Gastronomen den neuen Kollegen mit offenen Armen empfangen, ist dabei ein bemerkenswertes Signal. Und womöglich bekommt Stuttgart dann endlich jenes Marktplatz-Gefühl, das in anderen europäischen Großstädten längst selbstverständlich ist.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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