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Die geplante Tagesbar von Denis Gugac im ehemaligen Schuhhaus Bletzinger sorgt für eine Welle der Begeisterung in Stuttgart. Sehr viele teilen den exklusiven EchtStuttgart-Bericht. Erinnerungen an das Café Scholz werden wach. Unser Stuttgart-Album blickt zurück auf die bewegte Geschichte des Marktplatzes.
Selten hat eine gastronomische Ankündigung so viel Vorfreude ausgelöst. Der exklusive Bericht von EchtStuttgart, dass der vielseitig engagierte Gastronom Denis Gugac auf der Sonnenseite des Stuttgarter Marktplatzes eine Tagesbar mit Außenbewirtschaftung eröffnen möchte, verbreitet sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer. Unser Beitrag wurde vielfach geteilt, die Reaktionen sind nahezu einhellig begeistert.
„Das ist eine Supernachricht“, heißt es. „Endlich mal wieder Sonnengastronomie auf dem Marktplatz“, freut sich ein anderer Nutzer. Und ein weiterer Kommentar bringt die Stimmung auf den Punkt: „Juhu, etwas, auf das wir uns alle freuen können!“
Für viele Stuttgarter steht fest: Eine Tagesbar mit Plätzen unter freiem Himmel auf fast dem früheren Standort vom Café Scholz wäre eine enorme Bereicherung für den Marktplatz. Endlich könnte auf der Sonnenseite des Platzes wieder jenes urbane Lebensgefühl entstehen, das man aus anderen europäischen Städten kennt: draußen sitzen, einen Kaffee genießen, Menschen beobachten und das Treiben der Stadt erleben.
Die Vorfreude ist groß, doch bis zum ersten Cappuccino auf der Sonnenseite des Marktplatzes braucht es noch Geduld. Wann wird die neue Gastronomie das bestehende Angebot von Knitz, Ratskeller und Breuningers Cotidiano ergänzen?
„Wir befinden uns aktuell noch in der baurechtlichen Abstimmungsphase“, sagt Denis Gugac im Gespräch mit EchtStuttgart. „Daher lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Eröffnungstermin nennen.“
Neue Tagesbar in der Stuttgarter City: Denis Gugac will Sonnenseite des Marktplatzes beleben
Besonders bemerkenswert ist, wie viele User bei der Nachricht an das Café Scholz denken. Es befand sich einst unmittelbar neben dem Schuhhaus Bletzinger und ist offenbar bis heute fest im Gedächtnis vieler Menschen verankert.
Mit der Erinnerung an das Café verbinden sich Bilder eines anderen Stuttgarts, einer Innenstadt mit traditionsreichen Geschäften, vertrauten Treffpunkten und einer ganz eigenen Atmosphäre.
Dass ausgerechnet in dieser Nachbarschaft wieder ein gastronomischer Treffpunkt entstehen soll, hat deshalb für viele eine besondere emotionale Bedeutung. Es geht nicht nur um Kaffee, Getränke und einen Platz an der Sonne. Es geht um ein Stück Stuttgarter Stadtkultur.
Der geplante Neuanfang ist zugleich mit dem Abschied von einer großen Stuttgarter Geschäftstradition verbunden. Das markante Gebäude an der Ecke Marktplatz und Münzstraße wurde vor 131 Jahren vom Urgroßvater des langjährigen Schuhhaus-Inhabers Hans-Peter Bletzinger errichtet. Über Generationen gehörte das renommierte Schuhhaus zu den festen Adressen der Innenstadt.
Dass diese Geschichte zu Ende ging, hatte nicht allein mit den schwierigen Bedingungen des Einzelhandels zu tun. Ausschlaggebend waren nach Angaben von Hans-Peter Bletzinger Erbstreitigkeiten. Die Immobilie gehörte einer Erbengemeinschaft. Bletzinger, der das Schuhgeschäft auf drei Etagen allein führte, wollte die anderen Erben auszahlen und das Haus erhalten. Doch eine Einigung kam nicht zustande
Schließlich wurde die Immobilie an einen Unternehmer verkauft, der sich nach Bletzingers Angaben mit historischen Gebäuden auskennt. Für den langjährigen Inhaber war das ein schmerzhafter Abschied von einem Stück Familiengeschichte.
Nun könnte das traditionsreiche und um zwei Etagen aufgestockte Gebäude eine neue Zukunft bekommen – und gleichzeitig dazu beitragen, den Marktplatz wieder lebendiger zu machen.
Unser Stuttgart-Album blickt aus diesem Anlass zurück auf die wechselvolle Geschichte des Marktplatzes, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1304 reichen. Einst bildeten stattliche Fachwerkhäuser mit hohen Giebeln den bürgerlichen Mittelpunkt einer stolzen Stadt. Der Zweite Weltkrieg und der Wiederaufbau veränderten das Gesicht des Platzes grundlegend. Wo früher historische Pracht herrschte, dominieren heute schlichtere Nachkriegsbauten.
Auch die Geschichte des Einzelhandels ist von Abschieden geprägt. Bereits 1833 eröffnete das Spielwarenfachgeschäft Kurtz, in dessen früherem Gebäude heute das Auktionshaus Eppli zu finden ist. 2015 schloss nach mehr als 120 Jahren das traditionsreiche Schreibwarengeschäft Haufler. Die Buchhandlung Osiander zog ein.
Kaum zu glauben: In den 1950er-Jahren diente der Marktplatz noch als Parkplatz. Straßencafés waren damals kaum verbreitet. Alexander Michael Horlacher erklärte das im Forum unseres Stuttgart-Albums einmal so: „Cafés waren in der Regel im ersten Stock – damit man nicht gesehen wurde beim ,nix schaffa‘.“
Beim Autofahren ließ man sich dagegen gerne sehen.
Zu den großen Verlusten der Stadtgeschichte zählt das alte Rathaus, das zwischen 1901 und 1905 im Stil der flämischen Spätgotik errichtet worden war. Sein 1956 eröffneter Nachfolger steht für die nüchterne Architektur der Nachkriegszeit. Bis heute wünschen sich manche Stuttgarter, dass erhaltene Teile des alten Rathausturms wieder sichtbar gemacht werden.
Eine ganz andere Geschichte verbirgt sich unter dem Marktplatz. Dort entstand 1940 ein Luftschutzbunker für offiziell 1080 Menschen. Nach dem Krieg richtete die Gastronomenfamilie Zeller darin ein Hotel mit rund 100 Betten ein. Das ungewöhnliche Bunkerhotel wurde erst im Oktober 1985 geschlossen. Ein begeisterter Gast verewigte sich einst mit den Worten: „My home is my Bunker.“
Wie wird der Marktplatz wieder zur „Wohnstube der Stadt“, zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält? Diese Frage beschäftigt die Stuttgarter seit Jahren.
„Belebt den Marktplatz mit Cafés, sorgt für mehr Grün“, fordert Anton Lang im Forum unseres Stuttgart-Albums. Markus Maurer beklagt: „Im Sommer wären schattige Plätze notwendig. Da ist es hier kaum auszuhalten.“
Doch zusätzliche Bäume fanden in der Vergangenheit keine politische Mehrheit. Auch manche gastronomischen Hoffnungen erfüllten sich nicht.
Vielleicht braucht es nicht immer gleich die ganz große städtebauliche Lösung. Manchmal können schon eine neue Tagesbar, einladende Tische und Stühle und ein Platz an der Sonne viel verändern.
Die Geschichte des Stuttgarter Marktplatzes ist eine Geschichte von Aufstieg, Zerstörung, Wiederaufbau und Abschied. Große Traditionsgeschäfte sind verschwunden, historische Gebäude gingen verloren, und manche Hoffnungen auf eine lebendigere Innenstadt erfüllten sich nicht.
Doch die Begeisterung über die Pläne von Denis Gugac zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einem Marktplatz ist, auf dem man nicht nur einkauft oder den man auf dem Weg zur nächsten Straße überquert, sondern auf dem man gerne verweilt.
Der Neustart der Bar wäre ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Stuttgarter Marktplatzes. Und eines, auf das sich offenbar schon jetzt sehr viele freuen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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