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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosStuttgarter Trauerexpertin gibt Tipps
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist das schwer genug. Doch oft müssen Trauernde auch noch Sätze hören, die zusätzlich verletzen. Sabrina Lengert, neue Leiterin des TrauerZentrums in Stuttgart-Degerloch, erklärt, welche Fehler man vermeiden sollte und was wirklich hilft.
Manche melden Verwitwete ungefragt bei einer Partnerbörse an. Andere wechseln lieber die Straßenseite, als einem trauernden Bekannten zu begegnen. Und wieder andere versuchen mit Sprüchen wie „Das Leben geht weiter“ Trost zu spenden. Sabrina Lengert kennt solche Situationen aus ihrer Arbeit. Die 41-jährige Diplom-Pädagogin und zertifizierte Trauerbegleiterin leitet seit Juni 2026 das TrauerZentrum in Stuttgart-Degerloch. Sie weiß, was im Umgang mit Trauernden schieflaufen kann – und wie man es besser macht.
Viele Menschen können nur schwer damit umgehen, wenn jemand in ihrem Umfeld trauert. Sie möchten helfen, den Schmerz lindern und möglichst schnell eine Lösung finden. Doch genau das funktioniert bei Trauer nicht. „Angehörige und Freunde wollen schnelle Lösungen finden und die perfekte Antwort parat haben. Trauer braucht aber Zeit“, erklärt Lengert.
Was sollte man unbedingt vermeiden? Sabrina Lengert nennt typische Verhaltensweisen und Aussagen, die Trauernden das Leben zusätzlich schwer machen:
Ungefragt verkuppeln: Ein Dating-Profil erstellen oder jemanden bei einer Partnerbörse anmelden? Keine gute Idee. Wer so handelt, übergeht die Gefühle und Wünsche des Trauernden.
Die Straßenseite wechseln: Aus Unsicherheit einer Begegnung ausweichen, um kein schwieriges Gespräch führen zu müssen? Das verstärkt Einsamkeit und soziale Isolation.
Den Verlust vergleichen: „Deine Mutter war doch schon 80, es wäre ja viel schlimmer, wenn dein Mann gestorben wäre.“ Solche Vergleiche relativieren den Schmerz. Trauer lässt sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Mit Floskeln trösten: Sätze wie „Er ist jetzt an einem besseren Ort“ oder „Das Leben geht weiter“ mögen gut gemeint sein, gehen aber häufig an den Gefühlen der Betroffenen vorbei.
Druck machen: „Ach, du trauerst immer noch? Das ist doch schon so lange her.“ Wer so etwas sagt, vermittelt, dass Trauer irgendwann vorbei sein müsse. Doch einen festen Zeitplan gibt es nicht.
Gerade der letzte Punkt ist Lengert wichtig. „Wir leben mit der Trauer bis zum eigenen Tod“, sagt sie. Die Dichterin Mascha Kaléko hat es in ihrem Gedicht „Memento“ so formuliert: „Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, / Doch mit dem Tod der anderen muß man leben.“ Trauer verschwindet nicht einfach, sie verändert sich.
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Wer einem trauernden Menschen beistehen möchte, muss weder die perfekten Worte finden noch eine Lösung parat haben. Sabrina Lengert empfiehlt drei Dinge:
1. Da sein und die Stille aushalten
Manchmal gibt es nichts, was die Situation besser macht. Und das darf man offen sagen: „Ich würde dir so gern etwas Hilfreiches sagen, aber ich fürchte, es gibt jetzt einfach nichts.“ Entscheidend ist, trotzdem zu bleiben, die Stille auszuhalten und zuzuhören.
2. Konkret helfen statt viele Fragen stellen
Die gut gemeinte Frage „Was brauchst du?“ kann Trauernde überfordern. Besser ist es, etwas Konkretes anzubieten: eine gekochte Mahlzeit, einen Einkauf oder ein kleines Care-Paket. Ohne Erwartung, dass das Angebot angenommen werden muss. „Ich habe dir etwas gemacht. Schau einfach, ob etwas für dich dabei ist“, könnte ein solcher Satz lauten.
3. Akzeptieren, dass Trauer kein Ablaufdatum hat
Während das Umfeld irgendwann wieder zum Alltag übergeht, bleibt der Verlust für die betroffene Person bestehen. „Solange ich lebe, wird die Person, um die ich trauere, tot sein und so lange wird mein Trauerweg gehen“, erklärt Lengert. Deshalb ist es wichtig, auch nach längerer Zeit nachzufragen, Erinnerungen zu teilen und Gespräche über den verstorbenen Menschen zu ermöglichen.
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Wie groß der Gesprächsbedarf ist, erlebt Lengert im TrauerZentrum. Viele Menschen, die dorthin kommen, haben das Gefühl, niemanden zu haben, mit dem sie offen über ihren Verlust sprechen können. Andere möchten ihre Familie oder Freunde nicht belasten.
Im TrauerZentrum finden sie einen geschützten Raum. „Die Menschen, die zu uns kommen, wissen sehr zu schätzen, dass es hier einen Raum gibt, wo alles sein darf: Da darf ich weinen, da darf ich traurig sein, aber ich darf auch lachen. Da ist jemand, der genau dafür da ist, mir zuzuhören.“
Neben Einzelbegleitungen gibt es Trauergruppen, die sich einmal im Monat treffen und meist über ein Jahr laufen.
Für Sabrina Lengert ist ihre Arbeit trotz der schweren Schicksale eine Bereicherung. „Ich erlebe es als großes Geschenk, dass mich Menschen an ihrem Leben teilhaben lassen und mir ihr Vertrauen schenken. Zu sehen, wie sie in kleinen Schritten zurück ins Leben kommen, erfüllt mich mit großer Freude.“
Ihr Wunsch ist, dass die Gesellschaft offener mit Trauer und Sterblichkeit umgeht und akzeptiert, dass es für manche Situationen keine schnelle
Weitere Informationen: Die Einzelbegleitungen und Gruppenangebote des TrauerZentrums Stuttgart gibt es unter www.trauerzentrum-stuttgart.de.
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