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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosExklusiv: Ära in der Sternenküche endet
Nach 19 Jahren ist Schluss: Matthias Gugeler, Mitgründer und langjähriger Gastgeber des Sternerestaurants Krone in Waldenbuch, zieht einen Schlussstrich. Er hat seine Gesellschaftsanteile verkauft und kehrt seinem Lebenswerk den Rücken. EchtStuttgart berichtet exklusiv, wohin es ihn nun zieht.
Dieser Wechsel dürfte in der Gastronomieszene rund um Stuttgart für erhebliches Aufsehen sorgen. Matthias Gugeler, einer der profiliertesten Gastgeber der Region, verlässt den Gasthof Krone in Waldenbuch. Fast zwei Jahrzehnte lang war er das Gesicht des Hauses, das zu den renommierten Gourmetadressen im Großraum Stuttgart zählt. Nun beginnt er ein neues Kapitel – nur wenige Kilometer entfernt, im Löwen in Steinenbronn, an der Seite von Koch Marcel Hild.
Es ist nicht einfach nur ein Arbeitsplatzwechsel. Mit Gugelers Abschied endet eine Ära in der Krone. Und offenbar ist die Trennung nicht ohne Spannungen verlaufen.
Über die Gründe seines Ausscheidens möchte sich Gugeler öffentlich nicht ausführlich äußern. Nur so viel sagt er: „Für mich war es eine lange Zäsur und ein Kampf.“ Vieles habe im Argen gelegen, heißt es.
Bereits am vergangenen Freitag hat Gugeler seine Gesellschaftsanteile verkauft. Käufer ist Fritz Walther Wagner, der jüngste Sohn von Goetz Wagner, dem Verpächter und Mitgesellschafter der Krone. Am vergangenen Mittwoch erfolgte die Übergabe. Gugeler ist damit schon jetzt nicht mehr im Betrieb tätig. Sein offizielles Ausscheiden ist für Ende Oktober angekündigt.
Gugeler gibt nicht nur seine Anteile ab, sondern beendet auch seine Tätigkeit als Geschäftsführer. Damit zieht er einen vollständigen Schlussstrich unter ein Unternehmen, das er selbst mit aufgebaut hat.
Wer die Krone in Waldenbuch kennt, kennt in aller Regel auch Matthias Gugeler. Er war weit mehr als ein Restaurantleiter oder Geschäftsführer. Gugeler verkörperte eine Gastgeberkultur, die in der gehobenen Gastronomie keineswegs selbstverständlich ist: persönlich, aufmerksam, verbindlich und mit einem bemerkenswerten Gespür für Menschen.
Selbst der Guide Michelin würdigt ihn als die „gute Seele des Hauses“. Besonders hervorgehoben werden seine persönliche Betreuung der Gäste und seine fachkundige Weinberatung.
Gugeler verseht es, aus einem Restaurantbesuch ein Erlebnis zu machen. Er kannte die Vorlieben seiner Stammgäste in der Krone, fand den richtigen Ton zwischen professioneller Distanz und persönlicher Herzlichkeit und war für viele Besucher mindestens ebenso prägend wie die Küche.
Auch beim Wein setzte er Maßstäbe. Die Weinkarte der Krone umfasst mehr als 400 Positionen. Die passende Begleitung zu den Gerichten, individuelle Empfehlungen und das Gespräch über Wein gehörten zu seinen besonderen Stärken.
Dass sich über die Jahre aus vielen Gästebeziehungen Freundschaften entwickelten, überrascht deshalb kaum.
Die Geschichte der heutigen Krone begann im Mai 2008. Gemeinsam mit dem gebürtigen Franzosen Patrick Giboin eröffnete Gugeler damals den Gasthof in Waldenbuch. 2014 folgte die Auszeichnung mit einem Michelin-Stern – ein Meilenstein für das Restaurant und seine Betreiber. Seither konnte die Krone ihre Auszeichnung Jahr für Jahr behaupten. Das sind nun also 13 Michelin-Sterne.
2016 übernahm Erik Metzger die Küchenleitung und wurde zugleich Mitinhaber. Ein Jahr später sorgte er selbst für Schlagzeilen: Mit gerade einmal 23 Jahren war er der jüngste Sternekoch in der Geschichte des Guide Michelin in Deutschland.
Die Rollen waren klar verteilt: Metzger verantwortete die ambitionierte Küche, Gugeler prägte den Gastraum. Gemeinsam standen sie für ein gastronomisches Konzept, das kulinarischen Anspruch mit einer ausgesprochen persönlichen Atmosphäre verband.
Nun gehen ihre Wege auseinander.
In seiner Abschiedserklärung findet Gugeler emotionale Worte für das Ende seiner Zeit in Waldenbuch: „Mein großer Dank gilt meinem langjährigen Geschäftspartner Erik Metzger und unseren wundervollen Mitarbeitern für die vielen Jahre der vertrauensvollen und erfolgreichen Zusammenarbeit.“
Ebenso bedankt er sich bei den Gästen, für die er seine Arbeit jeden Tag mit großer Freude gemacht habe. Viele Freundschaften seien in dieser Zeit entstanden.
Besonders deutlich wird, welche Bedeutung die Krone für ihn persönlich hatte:
„Schweren Herzens und dennoch ganz bewusst verabschiede ich mich von meinem Lebenswerk und beginne in meinem 50. Lebensjahr einen neuen Lebensabschnitt.“
Es sind Worte, die nach einem langen inneren Entscheidungsprozess klingen. Und nach einem Abschied, der ihm alles andere als leichtgefallen ist.
Dass Gugeler der Gastronomie und der Region treu bleiben würde, hatte er bereits angekündigt. Wohin es ihn zieht, dürfte dennoch manchen überraschen: in den Löwen nach Steinenbronn. Dort wird er künftig mit Koch Marcel Hild zusammenarbeiten. Für den Löwen bedeutet der Wechsel einen bemerkenswerten Zugewinn an Erfahrung, Weinwissen und Gastgeberkompetenz.
Denn Gugeler bringt nicht nur seine jahrzehntelange Erfahrung aus der Spitzengastronomie mit, sondern auch ein Netzwerk und eine treue Gästeschaft, die seine besondere Art des Gastgebens zu schätzen weiß. Die naheliegende Frage lautet deshalb: Soll der Löwen mit Marcel Hild am Herd und Matthias Gugeler als Gastgeber künftig ebenfalls nach einem Michelin-Stern greifen?
Gugelers Antwort fällt unmissverständlich aus: „Auf gar keinen Fall.“
Eine Ansage, die aufhorchen lässt. Nach vielen Jahren in einem Sternerestaurant scheint für Gugeler künftig nicht die Jagd nach Auszeichnungen im Mittelpunkt zu stehen, sondern ein neues gastronomisches Kapitel..
Für die Krone bedeutet Gugelers Ausscheiden eine erhebliche Veränderung. Mit ihm verlässt nicht nur ein Mitgesellschafter und Geschäftsführer das Unternehmen, sondern auch die Persönlichkeit, die das Haus seit seiner Eröffnung im Gastraum geprägt hat.
Erik Metzger bleibt als Küchenchef und Mitinhaber eine zentrale Figur der Krone – vorerst zumindest. Wie sich das Restaurant nach dem Weggang seines langjährigen Gastgebers aufstellen wird, dürfte in der Gastronomieszene aufmerksam verfolgt werden.
Für den Löwen in Steinenbronn dagegen eröffnet sich eine spannende Perspektive. Ein Gastgeber, der fast zwei Jahrzehnte lang ein Sternerestaurant mitgeprägt hat, entscheidet sich bewusst für einen Neuanfang ohne Sterne-Ambitionen. Vielleicht ist gerade das die bemerkenswerteste Nachricht an diesem Wechsel: Einer, der die Welt der Spitzengastronomie bestens kennt, will offenbar beweisen, dass außergewöhnliche Gastfreundschaft keinen Michelin-Stern braucht.
Matthias Gugeler verlässt die Krone. Seine Gastgeberqualitäten nimmt er mit nach Steinenbronn. Und dort dürfte man sich schon jetzt auf ihn freuen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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