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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosKritik des Steuerzahlerbunds
Millionenkosten, sechs Jahre Leerstand und ebenso lange keine Pachteinnahmen für das Land: Das Stuttgarter Traditionslokal Planie landet im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. Aus der geplanten Eröffnung im Sommer wurde nichts, noch immer fehlt der unterschriebene Pachtvertrag. Wann öffnet die Planie endlich wieder?
Noch immer ist der Pachtvertrag mit den künftigen Betreibern nicht unter Dach und Fach, obwohl das Land schon vor zwei Jahren bekannt gegeben hat, welche Gastronomen das Rennen um die Planie gemacht haben. Im Oktober sollen die nötigen Unterschriften nun gegeben werden, teilt Sebastian Engelmann, Sprecher des Finanzministeriums, auf Anfrage von EchtStuttgart mit. Anschließend können die Räume übergeben werden – erst dann beginnt der Innenausbau durch die Pächter. Der genaue Eröffnungstermin steht noch nicht fest, sagt Robert Ruthenberg, einer der beiden Betreiber, auf unsere Anfrage.
Inzwischen beschäftigt die schier unendliche Geschichte auch den Bund der Steuerzahler. Das frühere Grand Café Planie hat es ins Schwarzbuch geschafft. Im Mittelpunkt der Kritik stehen die Dauer des Projekts, die Sanierungskosten und die ausgebliebenen Pachteinnahmen.
Land räumt erneute Verzögerung bei der Planie ein: Neustart weiter offen
Seit Ende 2020 steht das Café im Alten Waisenhaus leer. Was als vorübergehende Schließung begann, entwickelte sich zu einem jahrelangen Projekt mit Planungen, Bauarbeiten und immer neuen Verzögerungen.
Bis Ende 2025 waren nach Angaben des Finanzministeriums rund 4,4 Millionen Euro in Rückbau und Sanierung geflossen. Die prognostizierten Gesamtkosten liegen inzwischen bei etwa 6,6 Millionen Euro.
Das Land verweist darauf, dass es die Immobilie vom früheren Pächter in einem nicht vermietbaren Zustand zurückbekommen habe. „Die Sanierungsmaßnahmen sind die Voraussetzung für die Vermietung des Gebäudes“, erklärt Engelmann. Deshalb habe es während der Arbeiten auch keine Pachteinnahmen gegeben.
Dennoch drängt sich eine Frage auf: Wäre die Geschichte genauso verlaufen, wenn die Planie einem privaten Eigentümer gehören würde?
Ein privater Immobilienbesitzer dürfte schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse großen Druck haben, ein Objekt in einer solchen Toplage möglichst schnell wieder zu vermieten. Beim Land entsteht dagegen zumindest der Eindruck, dass der jahrelange Einnahmeausfall weniger schwer wiegt. Besonders bemerkenswert: Die eigentlichen Sanierungsarbeiten begannen erst im Juli 2024 – fast vier Jahre nach der Schließung.
Dass das Gebäude zunächst nicht vermietbar war, erklärt die Notwendigkeit der Sanierung. Es erklärt aber nicht, warum vom Auszug des alten bis zum möglichen Einzug des neuen Pächters mehr als sechs Jahre vergehen.
Die Arbeiten waren umfangreich: Küche und sanitäre Anlagen wurden erneuert, technische Anlagen und Leitungen ausgetauscht. Hinzu kamen die statische Ertüchtigung der Fundamente, ein Aufzug zur barrierefreien Erschließung sowie Arbeiten zum Erhalt der historischen Bausubstanz.
Ursprünglich sollte die Sanierung Ende 2025 abgeschlossen sein. Tatsächlich wurde es Sommer 2026.
Das Ministerium nennt unerwartete Lieferengpässe und Probleme bei den Sanitärarbeiten als Gründe. Engelmann räumt ein: „Wir sind selbst nicht zufrieden, dass es länger als geplant gedauert hat.“
Die Investition verteidigt das Ministerium dennoch: „Das investierte Steuergeld ist ja sinnvoll verwendet worden, um das Gebäude so zu sanieren, dass wieder eine Gastronomie öffnen kann.“
Mit Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter, bekannt von der Garbe in Plieningen, stehen die neuen Betreiber längst fest. Unter dem Namen „Planie“ wollen sie das Traditionslokal mit Kaffeehauskultur, regionaler Küche, Weinfokus und langen Öffnungszeiten vom Morgen bis in die Nacht wiederbeleben.
Das Finanzministerium hatte die Vertragsverhandlungen bereits im Frühjahr als „überaus komplex“ bezeichnet. Auch Ruthenberg erklärte: „Wir sind uns jetzt im Grundsatz einig. Es war wirklich sehr komplex, denn es hat ja nichts mit einem Standard-Mietvertrag zu tun.“
Für die neuen Betreiber beginnt nach Vertragsabschluss und Übergabe die eigentliche Arbeit. Für das Land endet dagegen ein Kapitel, das vor allem wegen seiner Dauer und Kosten in Erinnerung bleiben dürfte.
Dass die Planie nun im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes steht, ist deshalb mehr als eine unangenehme Randnotiz für das Finanzministerium. Aus der Sanierung eines Stuttgarter Traditionslokals wurde ein sechsjähriges Lehrstück darüber, wie lange es dauern kann, eine landeseigene Immobilie in bester Innenstadtlage wieder gastronomisch zu nutzen.
Ob die Millioneninvestition am Ende eine Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich nicht mehr auf der Baustelle. Sondern dann, wenn die neue Planie zeigen muss, ob sie an die große Tradition des Hauses anknüpfen kann. Viele Stuttgarter hoffen dies sehr und drücken die Daumen
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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