Party der Sonderklasse
House Beats, Sonnenuntergang und Stuttgart zu Füßen: Die 18. KOSMO steigt im zehnten Stock des Porsche Design Towers. Statt stickiger Club-Luft gibt es bei der Dayparty frischen Wind, eine spektakuläre Aussicht und Tanzen unter freiem Himmel. Was für ein Gefühl, als würde man schweben! So schön ist das Leben in Stuttgart!
Erst versteckt sich die Sonne hinter den Wolken. Dann kommt sie doch noch – und wie! Bilderbuch-Sonnenuntergang über Stuttgart. Schöner geht’s kaum. Dazu House Beats, Drinks und ein angenehmer Wind, der über die Terrasse zieht. Für einen Moment fühlt es sich fast an wie auf dem Deck eines Schiffes. Nur dass unter uns nicht das Meer liegt, sondern Stuttgart.
Was für ein genialer Ort für eine Party!
Mit 87,1 Metern ist der Porsche Design Tower das höchste Haus der Stadt. Im zehnten Stock befindet sich die gläserne Bar des Radisson Blu Hotels mit ihren Außenterrassen zu allen Seiten. Die entstehen durch einen architektonischen Kniff: In dieser Höhe dreht sich das Hochhaus in sich. Die abgerundeten Ecken der Glasfassade wiederum zitieren den typischen Porsche-Look.
An diesem Samstag wird hier oben nicht nur die atemberaubende Aussicht genossen. Es wird getanzt.
Und genau das macht diese KOSMO-Party so besonders. Wer regelmäßig in Clubs unterwegs ist, kennt das: Irgendwann wird es heiß, eng und die Luft schlecht. Hier öffnet man die Tür – und steht mitten im Wind.
Getanzt wird unter freiem Himmel. Die Musik geht in Mark und Bein, gleichzeitig weht frische Luft über die Terrasse. Vor einem liegt Stuttgart, über einem der Abendhimmel. Ein Freiheitsgefühl, das ein geschlossener Club kaum bieten kann.
Es ist einer dieser Sommertage, an denen einfach alles passt. Warm, aber nicht drückend heiß. Der Wind belebt, die eingängigen Beats tun ihr Übriges und reißen die Menschen mit. Auch Gäste, die sich vorher noch nie gesehen haben, strahlen sich an, tanzen miteinander und genießen diesen gemeinsamen Moment. Lebenslust über den Dächern der Stadt – an einem außergewöhnlichen Ort.
KOSMO steht für das Kosmopolitische. Auch das Publikum passt zum KOSMO-Gedanken. Die Gästeschar ist bunt gemischt: jünger, älter, auffällig gestylt oder ganz entspannt. Menschen, die offensichtlich regelmäßig feiern gehen, stehen neben Gästen, die man nicht jede Samstagnacht im Club vermuten würde.
Auch die Eltern von KOSMO-Veranstalter Konstantin Wulle feiern mir. Besser lässt sich die Idee hinter der Party kaum beschreiben: Hier treffen Generationen und unterschiedliche Szenen aufeinander – und tanzen gemeinsam.
KOSMO bezeichnet sich selbst als „Open Minded Party“. An diesem Abend wirkt das weniger wie ein Slogan als wie eine ziemlich treffende Beschreibung.
Niemand muss einer bestimmten Szene angehören, niemand einen bestimmten Look mitbringen. Auch die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle. Vielfalt wird hier nicht nur propagiert, sondern ganz selbstverständlich gelebt. Und obwohl viele ganz unterschiedliche Lebensentwürfe mitbringen, entsteht an diesem Abend ein erstaunliches Gefühl von Gemeinschaft.
Konstantin Wulle liebt Daypartys: „Am Ende geht es um Orte, Menschen und besondere Momente“
House bildet musikalisch die Basis, die Musik bleibt dabei eingängig und zugänglich. Doch entscheidend ist ohnehin etwas anderes: das Miteinander, Nähe selbst unter Fremden.
Und die Stimmung? Ausgezeichnet.
Vor ziemlich genau einem Jahr startete Veranstalter Konstantin Wulle KOSMO unter dem Hohen Asperg. Inzwischen ist das Format bei seiner 18. Party angekommen und hat an ganz unterschiedlichen Orten Station gemacht.
Das Prinzip: House Music, offene Partykultur und besondere Locations.
Der Porsche Design Tower dürfte dabei schwer zu toppen sein. Gerade für eine Dayparty. Nachmittags anfangen, dem Sonnenuntergang entgegen tanzen, vergnügt feiern, vor Mitternacht daheim sein. Und trotzdem nicht zwangsläufig den kompletten nächsten Tag verlieren.
Als die Sonne schließlich zwischen den Wolken hervorkommt, werden die Handys gezückt. Für einen Moment konkurriert der Sonnenuntergang sogar mit dem DJ.
Dann wird weitergetanzt.
KOSMO ist nach einem Jahr im Stuttgarter Nachtleben angekommen. Höher hinaus geht es zumindest in dieser Stadt kaum – vielleicht sogar auch vom Gefühl her.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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