Wulf Wager geht in die Offensive
Nach Kritik am Umgang mit Tieren beim Cannstatter Volksfestumzug äußert sich der Volksfestverein erstmals ausführlich gegenüber EchtStuttgart. Vorsitzender Wulf Wager erklärt, warum er der Prüfung durch das Veterinäramt gelassen entgegensieht – und erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Tierschützer.
Der Umgang mit Tieren beim Cannstatter Volksfestumzug sorgt für eine hitzige Auseinandersetzung in der Stadt. Das Kollektiv Tierbefreiung Stuttgart hatte nach dem Festzug Vorwürfe wegen angeblicher Tierschutzverstöße erhoben. Der Cannstatter Volksfestverein, der den Umzug veranstaltet, widerspricht dieser Darstellung nun deutlich.
Nach Sichtung des bisher bekannten Videomaterials seien die Vorwürfe nicht nachvollziehbar, erklärt der Verein. Zugleich begrüßt er eine Prüfung durch das Veterinäramt.
„Wir nehmen das Wohl der Tiere sehr ernst. Gerade deshalb verwahren wir uns dagegen, aus einzelnen Bildern ohne fachliche Einordnung pauschal Tierleid abzuleiten“, sagt Wulf Wager, Vorsitzender des Cannstatter Volksfestvereins. Der Prüfung sehe man gelassen entgegen und werde mit der Behörde umfassend zusammenarbeiten.
Ein Schwerpunkt der Kritik betrifft die Schwäbisch-Hällischen Landschweine. Der Verein widerspricht insbesondere dem Vorwurf, die Tiere seien geschlagen worden.
Die eingesetzten Besen hätten lediglich dazu gedient, die Schweine zu lenken und zusammenzuhalten. Auf dem dem Verein bekannten Videomaterial sei nicht zu erkennen, dass Tiere geschlagen oder verletzt worden seien.
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Die Schweine absolvieren laut Veranstalter zudem nicht die komplette Strecke. Sie stoßen später zum Umzug und verlassen ihn vor dessen Ende. Zwischendurch gebe es eine Pause im Schatten. Die Tiere stammen aus einem Betrieb in Wolpertshausen, wo sie ganzjährig im Freiland leben.
Dass gerade Schwäbisch-Hällische Landschweine beim Volksfestumzug dabei sind, begründet der Verein mit der württembergischen Landwirtschaftsgeschichte. Die Zucht der alten Landrasse wurde unter König Wilhelm I. von Württemberg gefördert.
„Unser Festzug ist keine Tierschau um der Tierschau willen“, betont Wager. Er erzähle die Geschichte des Landes und seiner Landwirtschaft. Dazu gehörten historische Wagen, Geräte, Trachten und Musik – aber auch Nutztiere.
Der Verein versteht den Umzug zugleich als Begegnung zwischen Stadt und Land. Gerade Kinder aus der Großstadt könnten dabei landwirtschaftliche Nutztiere unmittelbar erleben.
Auch die Kritik am Einsatz von Pferden und anderen Tieren weist der Volksfestverein zurück. Die Tiere kämen von erfahrenen Haltern, Pferde und Gespanne seien an Umzüge und größere Menschenansammlungen gewöhnt und entsprechend vorbereitet.
Aus einzelnen Bewegungen eines Pferdes oder dem Kauen auf dem Gebiss lasse sich nach Auffassung des Vereins ohne Betrachtung der Gesamtsituation kein erheblicher Stress ableiten.
Bei Problemen könnten Pferde oder Gespanne entlang der Strecke aus dem Festzug genommen werden. Zudem sei ein Tierarzt vor, während und nach dem Umzug vor Ort.
Der Volksfestverein kritisiert seinerseits das Verhalten von Mitgliedern des Kollektivs. Nach Darstellung Wagers sollen Aktivisten hinter Kutschpferden ein Banner ausgerollt haben. Das hätte die Tiere erschrecken und zum Scheuen bringen können, sagt Wager, der selbst Reiter ist. Dass dies nicht geschehen sei, spreche aus seiner Sicht für die gute Vorbereitung der Pferde. Der Verein behält sich vor, wegen einer möglichen Gefährdung von Festzugsteilnehmern und Zuschauern Strafanzeige zu stellen.
Auch ein vom Kollektiv angesprochenes mögliches Risiko durch die Afrikanische Schweinepest ist Teil der Auseinandersetzung. Der Verein verweist darauf, dass das Veterinäramt bereits vor dem Umzug eingebunden gewesen sei.
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Der Züchter habe die geforderten Nachweise und Unterlagen vorlegen müssen. Zudem habe es bereits im vergangenen Jahr eine Besprechung zwischen Tierhalter, Volksfestverein, Veterinäramt, Ordnungsamt und Polizei zum Einsatz der Schweine gegeben. Ihrer Teilnahme sei nach Angaben des Vereins nach einer Abwägung zugestimmt worden. Für die aktuelle Prüfung will der Volksfestverein dem Veterinäramt die erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen und die beteiligten Tierhalter einbeziehen.
Hinter der Auseinandersetzung steht auch die grundsätzliche Frage, welche Rolle Tiere bei traditionellen Großveranstaltungen spielen sollen. Der Volksfestverein verweist auf die mehr als 200-jährige Geschichte des Festes. Bereits König Wilhelm I. habe beim damaligen „Landwirthschaftlichen Fest zu Kannstadt“ Tiere präsentieren lassen. Für den Verein sind sie deshalb Teil der historischen Aussage des Festzuges.
Kritikern habe man in der Vergangenheit angeboten, die eingesetzten Pferde an ihren Heimatstandorten zu besuchen und sich über Haltung und Ausbildung zu informieren. Das Angebot sei damals nicht angenommen worden.
„Wir werden nicht akzeptieren, dass verantwortungsvoll gehaltene und vorbereitete Tiere allein deshalb pauschal als gequält dargestellt werden, weil man grundsätzlich gegen Tiere bei traditionellen Veranstaltungen ist“, sagt Wager.
An seiner grundsätzlichen Linie hält der Volksfestverein fest: Tiere sollen auch künftig beim Cannstatter Volksfestumzug dabei sein – sofern ihr Einsatz verantwortungsvoll, fachgerecht, gesetzeskonform und unter Beachtung des Tierwohls erfolgt.
Ob es beim diesjährigen Umzug tatsächlich Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen gegeben hat, soll nun die Prüfung der zuständigen Behörden klären.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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