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Autonarr & Neurochirurg wird zum Buchautor

Erst schrieb der Morgan-Fan über einen Herzinfarkt – dann erlitt er selbst einen


Uwe Bogen 5 Min. Lesezeit News

Neurochirurg Panagiotis „Pana“ Kafritsas schreibt in seinem ersten Roman über einen Herzinfarkt. Als das Buch bereits gedruckt ist, erleidet er selbst einen. Jetzt hat der Autonarr sein Werk im Schloss Solitude vorgestellt – eine spannend geschriebene Geschichte über einen britischen Sportwagen und die großen Fragen des Lebens.

Panagiotis Kafritsas, den alle nur Pana, hat eine Liebeserklärung an den Morgan geschrieben. Foto: Andreas Engelhard

Das ist schon eine ziemlich unheimliche Geschichte: Panagiotis Kafritsas, den alle nur Pana nennen, schrieb in seinem ersten Roman über einen Mann namens Pana, der die Symptome eines Herzinfarkts erlebt. Im Juni dieses Jahres erlitt er selbst einen. Da war das Manuskript längst fertig. Am Mittwochabend hat der Neurochirurg sein Buch „Philosophien in einem Morgan – Roof down until the storm has a name“  auf Schloss Solitude vorgestellt. Und dabei geht es nicht nur ums Leben und seine Vergänglichkeit, sondern auch um eine ziemlich große Autoliebe.

Pana ist ein Autonarr. Und zwar ein richtig Verrückter. Ich kenne ihn schon lange und durfte vor Jahren einmal in seinem McLaren mitfahren. Als er beschleunigte, drückte es mich derart in den Sitz, dass ich es bis in die Magengegend spürte. Mann, das haut voll rein! Ich wusste, diese schnellen Dinger sind nichts für mich. McLaren baut schließlich regelrechte Rennmaschinen.

Vom McLaren zum Morgan

Heute fährt er einen Morgan Plus 4 – und will nichts anderes mehr fahren als ein Morgan. Der Plus 4 ist sein Alltagsauto. Ein Auto, das aussieht, als wäre es aus einer anderen Zeit übrig geblieben. Mit langer Motorhaube, runden Scheinwerfern, geschwungenen Kotflügeln und tatsächlich noch Eschenholz in der Karosseriekonstruktion.

Langsam ist dieser britische Roadster deshalb nicht. Rund 200 Stundenkilometer schafft Panas Morgan. Auf der Autobahn dürfte sich schon mancher gewundert haben, wenn ihn dieser vermeintliche Oldtimer überholt. Nur interessiert Pana die Geschwindigkeit inzwischen weniger als das, was ihm beim Fahren durch den Kopf geht.

Schlossgastronom Jörg Mink, Autor und Arzt Panagiotis Kafritsas und Autor Uwe Bogen (von links). Foto: Andreas Engelhard

Ein Sportwagen mit Eschenholz

Ein Morgan ist kein gewöhnliches Auto. Die britische Manufaktur baut seit 1909 Fahrzeuge. Im englischen Malvern entstehen die Sportwagen in kleinen Stückzahlen und mit viel Handarbeit. Eschenholz gehört bis heute zum Karosserieaufbau, dazu kommen moderne Technik, Leder und jede Menge Liebe zum Detail. Was kostet ein Morgan? Preise reichen von rund 25.000 Euro für ältere Gebrauchtwagen bis hin zu über 170.000 Euro für neue oder seltene Modelle

Pana fährt am liebsten mit offenem Verdeck. Auch wenn es regnet, stürmt oder schneit. Das muss man mögen. Er liebt es. Und während er durch die Landschaft fährt, kommen ihm Gedanken. Über Glück, verpasste Chancen und darüber, ob wir unsere Zeit eigentlich so verbringen, wie wir es möchten.

Vier Jahre lang mit dem Füller geschrieben

Irgendwann begann er, diese Gedanken aufzuschreiben. Nicht am Computer, sondern mit einem Füller auf Papier. Vier Jahre lang schrieb Pana an seinem Roman. Seite für Seite, alles von Hand. Erst danach übertrug er den Text in seinen Laptop. Auch das passt zu einem Mann, der ein Auto fährt, in dem noch Holz verbaut wird.

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„Philosophien in einem Morgan – Roof down until the storm has a name“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem die Hauptfigur ebenfalls Pana heißt. Wie viel davon autobiografisch ist? Mehr geht kaum!

Wer ist der geheimnisvolle NoRMan?

Pana ist bei seinen Ausfahrten nicht allein. Er führt Gespräche mit einem geheimnisvollen Begleiter namens NoRMan. Wer oder was sich hinter diesem Namen verbirgt, ist eines der großen Rätsel des Buches. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Die beiden reden über die großen und kleinen Fragen des Lebens, mal humorvoll, mal ernst, mal tiefgründig. Dazwischen erleben sie Abenteuer mit dem Morgan. Panas Schreibstil nimmt einen dabei mit. Man sitzt beim Lesen gewissermaßen neben ihm im offenen Roadster und ertappt sich dabei, selbst über manche seiner Fragen nachzudenken.

Pana liest mit seiner Tochter aus seinem Buch. Foto: Andreas Engelhard

Als der Roman plötzlich Wirklichkeit wurde

Eine Passage liest sich heute allerdings ganz anders. Gegen Ende des Romans lässt Pana seinen Protagonisten die Symptome eines Herzinfarkts erleben.

Das Manuskript war im Frühjahr 2025 fertig. Gut ein Jahr später, im Juni 2026, erlitt der Autor selbst einen Herzinfarkt. Ausgerechnet er, der als Neurochirurg beruflich mit schweren Erkrankungen und medizinischen Notfällen vertraut ist.

Eine gespenstische Parallele. Pana selbst liest diese Seiten inzwischen mit anderen Augen. Zum Glück geht es ihm wieder gut. Doch ein solches Erlebnis verändert den Blick auf das Leben. Plötzlich ist die Frage, wie viel Zeit einem bleibt und was man damit anfangen möchte, keine rein philosophische Überlegung mehr.

Sogar der Morgan-Chef ist begeistert

Dass ein Neurochirurg einen Roman über seine Fahrten in einem Morgan schreibt, ist ungewöhnlich genug. Dass dieser auch beim Hersteller auf Begeisterung stößt, ist für Pana wie ein Ritterschlag.

Matt Hole, Chef der Morgan Motor Company, findet das Buch so gelungen, dass die englische Ausgabe weltweit über den Shop des britischen Herstellers vertrieben werden soll. Die Liebeserklärung eines Kunden an eine große Marke. In seinem Buch beschreibt Pana aber auch Pannen und kleine  technische Probleme mit dem Morgan – der CEO winkte auch die kritischen Passagen durch. 

Im Schlosssaal gibt es bei der Buchvorstellung keinen freien Stuhl mehr. Foto: Andreas Engelhard

260 Seiten mit Liebe zum Detail

Pana hat nicht nur den Text selbst geschrieben, sondern auch die 20 Illustrationen eigenhändig mit dem Füller gezeichnet. Eine davon ist auf dem Cover zu sehen. Auch bei der Ausstattung wollte er keine halben Sachen machen: 260 Seiten auf dickem Romanpapier, Hardcover mit Fadenbindung und Kupferfolie. Ein Buch im Coffee-Table-Book-Stil, das man gern in die Hand nimmt – und so hochwertig ist wie ein Morgan.

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Buchpremiere mit seiner Tochter

Am Mittwochabend stellt der 49-Jährige sein Werk im Business Club Stuttgart in der Gastronomie des Schlosses Solitude vor. Gemeinsam mit seiner Tochter liest er ausgewählte Passagen. Nach vier Jahren Schreiben kann der Chefarzt der NC Klinik am Forum / MVZ am Forum sein Buch endlich dem Publikum präsentieren.

Früher war es der McLaren, bei dem es um Leistung und Geschwindigkeit ging. Heute ist es der Morgan, in dem Pana lieber mit offenem Verdeck unterwegs ist und seinen Gedanken freie Fahrt gönnt. 

Schnell fahren kann er immer noch. Aber offenbar hat er entdeckt, dass es manchmal viel interessanter ist, nicht möglichst rasch anzukommen.

Und wer wissen möchte, wer dieser geheimnisvolle NoRMan ist, muss das Buch schon selbst lesen.

„Philosophien in einem Morgan – Roof down until the storm has a name“ von Panagiotis Kafritsas umfasst 260 Seiten und erscheint auf Deutsch und Englisch. Die englische Ausgabe ist für Ende Oktober angekündigt. Weitere Informationen und Bestellungen unter www.morganphilosophy.de.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Vom McLaren zum Morgan
  2. Ein Sportwagen mit Eschenholz
  3. Vier Jahre lang mit dem Füller geschrieben
  4. Wer ist der geheimnisvolle NoRMan?
  5. Als der Roman plötzlich Wirklichkeit wurde
  6. Sogar der Morgan-Chef ist begeistert
  7. 260 Seiten mit Liebe zum Detail
  8. Buchpremiere mit seiner Tochter

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