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Heute sollten junge Leute gehört werden – Randale klaut ihnen ihre Stimme
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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosUpdate aus der Stuttgarter Nacht
Update in der Nacht: Die Gen-Z-Demo bleibt weitgehend friedlich, doch Trittbrettfahrer verärgern junge Teilnehmer. Das britische Portal Visegrád 24 spottet über ausländische Fahnen. Wie kam es zum Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei und zum extrem lauten Böllern? Von Chaos in der City kann keine Rede sein.
Stuttgart wird zur Zielscheibe des britischen Spotts: Das englischsprachige Online-Portal Visegrád 24 macht sich über die Fahnenvielfalt bei der Gen-Z-Demo lustig. Palästinensische Flaggen, eine iranische Fahne, gelb-rot-grüne Banner und rote Fahnen sind auf den veröffentlichten Bildern zu sehen. Keine deutsche Fahne – und das bei einer Jugendemo in Germany.
Doch bei der Fahnenvielfalt bleibt es nicht. Ein Katz-und-Maus-Spiel hält die Polizei in Atem. Demonstrierende brechen aus der genehmigten Route aus, rennen schneller als die Polizei erlaubt – die Beamten kommen kaum hinterher.
Eigentlich soll sich der Demonstrationszug entlang der genehmigten Route auf der B14 bewegen. Doch plötzlich scheren Gruppen aus. Wie auf Kommando rennen sehr viele von der vorgesehenen Strecke weg, in Richtung Eberhardstraße und Tübinger Straße.
Die Polizei muss reagieren. Immer wieder entstehen neue, unübersichtliche Situationen. Kaum haben sich die Einsatzkräfte auf eine Bewegung eingestellt, laufen Demonstranten bereits in eine andere Richtung.
Spät am Abend ist die Polizei doch erleichtert. Größere Auseinandersetzungen seien ausgeblieben. Von einem Chaos in der City könne keine Rede sein.
Was Zaungäste und wohl auch einige Demonstrierende erschreckt hat: Zuweilen knallt es so extrem laut, dass es vielen durch Mark und Bein fährt. Besonders heftig sind die Detonationen, weil Feuerwerkskörper in Gullyöffnungen geworfen werden. Der unterirdische Hohlraum wirkt dabei wie ein Resonanzkörper: Der Knall wird verstärkt und hallt als dumpfer, ohrenbetäubender Donnerschlag durch die Straßenzüge. Teilweise sind die Explosionen so laut, dass sie weit über den unmittelbaren Demonstrationsbereich hinaus zu hören sind.
Da gehen die Forderungen der Generation Z, der eigentliche Grund für den Protest, nicht nur akustisch unter. Die jungen Leute demonstrieren für eine bessere Bildung, für Klimaschutz, für ihre Rente, für soziale Gerechtigkeit und bessere Schulen – und dann sind die Rufe nach Palästina und „Hoch die Internationale Solidarität“ viel lauter
Polizei-Einsatzleiter Sven Werbitzky zieht spät in der Nacht Bilanz: „Wir haben uns intensiv auf die Versammlung und unterschiedliche Szenarien vorbereitet. Auch wenn wir im Verlauf des Nachmittags wiederholt einschreiten mussten, sind größere Ausschreitungen ausgeblieben. Das ist zunächst eine erfreuliche Nachricht für die Menschen in Stuttgart. Gleichzeitig blicken wir sehr kritisch auf die Geschehnisse, bei denen Polizeibeamte angegriffen und verletzt wurden und werden alle festgestellten Straftaten konsequent verfolgen.“
Fünf leicht verletzte Polizisten, rund 50 Straftaten: So fällt die Bilanz bei einer überwiegend friedlichen Demo aus. Die verletzten Beamten konnten ihren Dienst fortsetzen, teilt die Polizei mit. Neben Angriffen auf Einsatzkräfte habe man Verstöße gegen das Vermummungsverbot, das Zünden von Pyrotechnik und vereinzelte Sachbeschädigungen festgestellt. Mehrere Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, Ermittlungsverfahren eingeleitet.
In der Nacht bleibt es nach Polizeiangaben in der Innenstadt wieder einigermaßen ruhig. Dennoch sind weiterhin Einsatzkräfte präsent.
Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Clemens Maier zieht ebenfalls ein gemischtes Fazit. Positiv sei, dass die Kundgebung mit mehreren Tausend Teilnehmenden ohne die zuvor befürchteten größeren Ausschreitungen und Sachbeschädigungen verlaufen sei. Gleichzeitig habe es erhebliche Verstöße gegen die versammlungsrechtlichen Auflagen gegeben. Dazu gehören Verstöße gegen das Vermummungsverbot, das Abweichen von der festgelegten Route und das Zünden von Böllern.
„Besorgniserregend ist, mit welcher Aggressivität die eingesetzten Polizeikräfte konfrontiert wurden, insbesondere nach Beendigung der Versammlung am Marienplatz“, sagt Maier. Er kündigt Konsequenzen an: „Die erheblichen Verstöße gegen die Auflagen und das Verhalten gegenüber der Polizei können wir aber nicht einfach hinnehmen.“
Die Stadt werde die Ereignisse gemeinsam mit der Polizei analysieren und die Verstöße ordnungsrechtlich aufarbeiten, so Maier. Während die Polizei von 6000 Demonstrierenden spricht, sind es nach Meinung von demonstrationserfahrenen Beobachtern bis zu 10.000.
Immer wieder ist bei den jungen Demonstrierenden zu hören: Es ist ärgerlich, dass sich so viele politische Trittbrettfahrer an uns dranhängen. Viele der Gen-Z-Jugendliche sind bereits auf dem Heimweg, als es nach Ende der Kundgebung ungemütlich wird auf dem Marienplatz. Es ist zu spüren, wie einige bewusst Randale und den Zoff mit der Polizei suchen. Auf der Königstraße fahren Wasserwerfer vor, sperren den Zugang. Sie kommen nicht zum Einsatz. Etliche Pressefotografen sind in der City unterwegs, um zu sehen, ob nicht doch noch was passiert. Bis 23 Uhr passiert zum Glück nichts.
Gen-Z-Protest in Stuttgart: Die Jugend ruft – andere schreien, Pyro nervt
Bundesweit gibt es ein Statement der Initiative Gen-Z-Regelt. „Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen“, sagt ein Sprecher des Presseteams, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten möchte. Für die Vorfälle nach dem offiziellen Ende der Kundgebungen sieht die Initiative keine eigene Einflussmöglichkeit. „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss“, erklärt der Sprecher.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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