Neue Kampagne vorgestellt
Heidi Klum kommt zu Breuninger – doch eigene Fotos sind unerwünscht. Externe Fotografen müssen draußen bleiben, Bilder liefert später der offizielle Fotograf. EchtStuttgart verzichtet auf die PR-Auswahl und sagt: „Heidi Klum, ich habe heute leider kein Foto für dich.“ Aber dafür haben wir was anderes: viermal Klatsch mit Heidi.
Eigentlich wäre das eine dieser Geschichten, bei denen das Foto fast so wichtig ist wie der Text: Heidi Klum kommt nach Stuttgart, steigt bei Breuninger auf die Bühne und spricht über ihre neue Zusammenarbeit mit s.Oliver. Dazu ein paar eigene Bilder vom Abend – aufgenommen aus Stuttgarter Perspektive.
Nur: Daraus wird nichts.
Denn für den exklusiven Abend bei Breuninger sind externe Fotografen nicht zugelassen. Fotografieren darf stattdessen ein offizieller Fotograf. Das dabei entstandene Bildmaterial werde den Medien nach der Veranstaltung zur Verfügung gestellt, heißt es vorab.
Das ist gut für die Veranstalter – und sorgt dafür, dass nur ausgewählte Bilder des Abends nach draußen gelangen. Aus PR-Sicht nachvollziehbar. Verstehen wir voll. Wollen auch gar nicht erst mit Pressefreiheit kommen. EchtStuttgart hat beraten und beschlossen: Wenn wir selbst kein Bild von Heidi machen dürfen, veröffentlichen wir eben auch keines.
Oder, um den berühmtesten Satz aus „Germany’s Next Topmodel“ auch mal sagen zu können:
„Heidi Klum, ich habe heute leider kein Foto für dich.“
Ganz ohne Fotos geht es bei EchtStuttgart dann aber doch nicht.
Weil wir Heidi nicht fotografieren dürfen, hat sich das EchtStuttgart-Team eben selbst fotografiert. Möglichkeiten dafür gibt es bei Breuninger reichlich. Vom Eingang führt der Weg durch einen Gang aus Spiegeln und großformatigen Motiven der neuen Kampagne.
Überall Heidi. Heidi in jung. Heidi in noch jünger. Und dazwischen wir. Alles sehr gut inszeniert. Kompliment! Das macht uns Spaß.
Nur die echte Heidi, die dürfen wir nicht selbst ablichten.
Das passt immerhin ziemlich gut zum Thema des Abends. Denn bei der neuen Kampagne von s.Oliver dreht sich alles um eine Reise zurück in die 90er-Jahre.
Wer keine Einladung für den Abend ergattert hatte, musste übrigens nicht komplett auf Heidi verzichten. Von den oberen Etagen der Karlspassage ließ sich das Geschehen beobachten.
Und das wollten etliche. Im ersten und zweiten Stock waren die Plätze an den Brüstungen gut besetzt. Je weiter es nach oben ging, desto spärlicher wurde das Publikum.
Dann kam 20 Uhr – und plötzlich lichteten sich die oberen Plätze. Nicht etwa, weil Heidi langweilig geworden wäre. Breuninger macht Ladenschluss. Die „normalen“ Kunden müssen das Haus verlassen.
„Casual Since Forever“ heißt die Kampagne, die erst vor wenigen Tagen, am 10. September, gestartet ist. Die Idee: Heidi Klum begegnet ausgerechnet sich selbst. Die Heidi von heute trifft auf ihr jüngeres Ich aus den 90er-Jahren.
Und das funktioniert nicht mit alten Filmaufnahmen. Für die gemeinsamen Szenen für die Werbespots stand zunächst eine junge Schauspielerin mit Heidi Klum vor der Kamera. Anschließend kam KI ins Spiel: Das Gesicht der Schauspielerin wurde digital durch das Aussehen der jungen Heidi Klum aus den 90er-Jahren ersetzt.
So kann die 53-Jährige in der Kampagne mit ihrem jüngeren Ich sprechen, lachen und interagieren.
Die Zeitreise ist dabei mehr als ein technischer Gag. s.Oliver will damit eine Geschichte von Veränderung und Beständigkeit erzählen: Trends kommen und gehen, Lebenswege verändern sich – die eigene Persönlichkeit soll bleiben. Und mit ihr, so die Werbebotschaft, die Lust auf einen unkomplizierten Casual Look.
Das passt zur Geschichte der Hauptdarstellerin. Die junge Heidi steht am Anfang ihrer Karriere, die heutige Heidi für Jahrzehnte im internationalen Mode- und Showgeschäft. Dazwischen liegen Bergisch Gladbach, Laufstege, Fernsehshows, Los Angeles – und ziemlich viele Frisuren.
s.Oliver formuliert es werblich etwas grundsätzlicher: Zwei Versionen derselben Persönlichkeit, getrennt durch Jahrzehnte und verbunden durch denselben „Casual Spirit“.
Entwickelt wurde die Kampagne gemeinsam mit Jung von Matt. Für s.Oliver steckt dahinter auch eine größere Strategie. Heidi Klum ist seit dem Frühjahr das neue „Brand Face“. Die zunächst auf zwei Jahre angelegte Zusammenarbeit soll der Marke mehr Aufmerksamkeit verschaffen und ihre Positionierung als „100 % Casual Brand“ schärfen.
Mit anderen Worten: Heidi soll nicht nur Kleidung verkaufen. Sie soll s.Oliver jünger, internationaler und begehrlicher erscheinen lassen.
Joachim Aisenbrey, der Chef von Breuninger Stuttgart, nutzt seine Begrüßung gekonnt, um darauf hinzuweisen, dass man Heidis Kollektion in seinem Haus natürlich kaufen kann. Damit auch dem letzten Gast klar wird, um was es an diesem Abend geht.
Und weil eine Zeitreise im Modehaus nicht beim Anschauen enden muss, gibt es die 90er selbstverständlich auch zum Mitnehmen.
Begleitend zur Kampagne hat s.Oliver eine limitierte Vintage Capsule Collection herausgebracht. Lässige Basics und Vintage-inspirierte Stücke greifen die Ästhetik der 90er auf und sollen gleichzeitig an die eigene Geschichte der Marke erinnern.
Natürlich lässt sich die Kollektion auch kaufen. Die Stücke sind seit dem Kampagnenstart online und in ausgewählten s.Oliver-Stores erhältlich.
Die Botschaft des Abends ist also ziemlich konsequent: Heidi von früher trifft Heidi von heute. Die Gäste schauen zu. Die Kampagne liefert die Bilder. Und wer anschließend selbst ein bisschen 90er sein möchte, kann die passenden Looks gleich kaufen
Wenn Heidi Klum auf Frauke Ludowig (auch die 62-Jährige ist unglaublich in jung erschienen – war das auch KI?) trifft, geht es natürlich nicht nur um Markenstrategie, Mode und Casual Looks. Ein bisschen Klatsch muss an so einem Abend sein.
Für alle, die nicht zu den rund 250 geladenen Gästen gehörten – oder von oben in der Karlspassage nicht alles verstehen konnten – fassen wir die wichtigsten Heidi-News des Abends kurz zusammen:
1. Die alte Liebe: In Bergisch Gladbach verliebte sich Heidi einst in einen Jungen, der später nach Stuttgart zog. Am Dienstag rief sie ihn an – nach rund 30 Jahren. Ja, sie haben sich vor dem Breuninger-Event getroffen. Wie er heute aussieht? Verrät sie nicht.
2. Wo ist Tom? Ehemann Tom Kaulitz war in Stuttgart nicht dabei. Schon am nächsten Tag sehen sie sich aber in München. Dort steht „Heidis Fest“ für RTL an. Dafür ist Heidis Mama Erna Klum (sie ist 82) zum Breuninger Event gekommen.
3. Jung bleiben? Eine Frage der inneren Einstellung. „Sei happy mit dir selbst“, rät Heidi. Viel unternehmen, das Leben genießen und sich an jedem Tag erfreuen.
4. Heidis Erfindungswunsch: Kontaktlinsen mit eingebautem Beauty-Filter. Damit man in den Spiegel schaut – und sich selbst gleich ein bisschen schöner findet.
Spiegel gibt es an diesem Abend bei Breuninger schließlich genug. Und in diesem Gang können wir die Heidi sehr oft fotografieren.
Nur von der echten Heidi haben wir kein eigenes Bild.
Aber das ist diesmal kein Versehen.
Heidi Klum, wir haben heute leider kein Foto für dich.
Spaß hatten wir trotzdem. Breuninger hatte den Abend bestens inszeniert – mit Champagner und Pommes, also gewissermaßen High Fashion auf schwäbisch.
Ein bisschen Ausdauer musste man allerdings mitbringen. Los ging es viel, viel später als angekündigt. Aber gut: So ist das eben mit Weltstars, die sich lieber von der KI verjüngen als von uns fotografieren lassen.
Wer Heidi Klum verpasst hat, muss jedenfalls nicht lange warten: Schon bald ist sie beim „Heidi Fest“ aus München bei RTL zu sehen.
Ob wir einschalten?
Klar. Wenn wir uns bis dahin auch verjüngt haben.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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