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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosKunst am Rotebühlplatz
Acht Meter hoch, fünf Tonnen schwer und knallrot: „Lobotchevsky“ gehört zu Stuttgart wie der Rotebühlplatz selbst. Am Freitag kehrt die stadtprägende Stahlskulptur frisch restauriert zurück. Doch wie kam das Kunstwerk einst in die Stadt – und was macht es so besonders?
Manche sind achtlos daran vorbeigelaufen. Andere blieben stehen und fragten sich: Was soll das denn sein? Ein gigantisches Mikado-Spiel? Ein explodierter Baukasten? Oder einfach ein ziemlich wildes Stück Kunst?
Die Rede ist von „Lobotchevsky“, jener monumentalen Stahlskulptur vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz, die seit Jahrzehnten zum Stuttgarter Stadtbild gehört. Acht Meter hoch, rund fünf Tonnen schwer und mit ihren kreuz und quer verlaufenden Stahlträgern kaum zu übersehen.
Im März 2026 war plötzlich Schluss mit dem gewohnten Anblick. Zwei Schwerlastkräne rückten an, die Skulptur wurde zerlegt und nach Regensburg transportiert. Der Grund: Rost, beschädigte Beschichtungen und eine rote Farbe, die über die Jahrzehnte deutlich verblasst war.
Am Freitag, 16. Oktober 2026, kehrt der Stahl-Gigant frisch restauriert und in leuchtendem Rot an seinen angestammten Platz zurück.
Die Geschichte der Skulptur beginnt nicht am Rotebühlplatz, sondern im Oberen Schlossgarten. Dort wurde „Lobotchevsky“ 1988 im Rahmen einer Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins in der Nähe des Opernhauses gezeigt.
Geschaffen hatte das Werk der amerikanische Bildhauer Mark di Suvero, einer der bedeutenden Vertreter der monumentalen Stahlplastik. Der 1933 in Shanghai geborene Künstler wurde mit seinen riesigen Konstruktionen aus industriellen Stahlträgern international bekannt.
Stuttgart wollte den Stahlriesen behalten. Die Stadt erwarb das Werk Ende der 1980er-Jahre. Seit 1991 steht es am Rotebühlplatz und hat sich dort zu einem unverwechselbaren Wahrzeichen entwickelt.
Ursprünglich besaß die Skulptur eine dunkle, korrodierte Stahloberfläche. Erst später erhielt sie mit Zustimmung des Künstlers ihren charakteristischen roten Anstrich.
„Lobotchevsky“ besitzt eine faszinierende Konstruktion. Lange Stahlträger schießen diagonal in die Höhe, andere liegen beinahe waagerecht im Raum. Dazwischen winden sich gebogene Metallbänder zu großen Schleifen.
Alles scheint in Bewegung zu sein. Die Balken kreuzen sich und bilden ein scheinbar chaotisches Geflecht. Und doch hält alles zusammen. Genau darin liegt der Reiz: Schwerer Stahl wirkt plötzlich leicht, starres Material scheint sich zu bewegen. Je nach Blickwinkel erinnert das Kunstwerk an ein riesiges abstraktes Schriftzeichen oder eine technische Konstruktion, die jeden Moment auseinanderfliegen könnte.
Das kräftige Rot setzt dazu einen spektakulären Kontrast zur Glas- und Betonarchitektur am Rotebühlplatz.
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Wie kam das ungewöhnliche Kunstwerk bei den Stuttgarterinnen und Stuttgartern an? Für die einen ist die Skulptur ein spannendes Beispiel moderner Kunst, für andere möglicherweise nur ein merkwürdiges Gewirr aus Stahl. Und manche nehmen sie vermutlich kaum noch bewusst wahr.
Die Restaurierung war alles andere als eine Kleinigkeit. Bei der Spezialfirma Haber & Brandner in Regensburg wurde das Kunstwerk umfassend restauriert. Auch am Rotebühlplatz waren Arbeiten notwendig: Teile der Fundamentplatten mussten erneuert werden.
Die Stadt arbeitete dabei eng mit dem New Yorker Studio des Künstlers, dem Landesamt für Denkmalpflege und den Restaurierungsexperten zusammen. Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner betont: „Für Mark di Suvero ist Kunst im öffentlichen Raum Kunst für alle.“ Deshalb soll der Stahlriese auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Auch Mark di Suvero freut sich über die Rückkehr seines Kunstwerks. „Kunst zu den Menschen zu bringen, birgt eine besondere Freude, eine Befreiung, der nichts anderes gleichkommt“ – so wird der Künstler von der Stadt Stuttgart zitiert.
Die Wiederaufstellung am 16. Oktober wird deshalb nicht einfach nur eine technische Angelegenheit. Zwischen 13 und 15 Uhr gibt es ein öffentliches Programm mit Musik und Gesprächen. Das JAM Ensemble der Stuttgarter Musikschule improvisiert zum Kunstwerk und seiner Restaurierung. Auch Fachleute und Vertreter des Kulturamts stehen für Fragen bereit.
Braucht eine Stadt solche Kunstwerke? Unbedingt.
Denn „Lobotchevsky“ ist mehr als eine Ansammlung roter Stahlträger. Die Skulptur durchbricht die geraden Linien der umliegenden Architektur und fordert dazu heraus, genauer hinzusehen.
Man muss sie nicht schön finden. Man muss sie nicht einmal verstehen. Aber sie bringt etwas in die Stadt, das sich nicht in Quadratmetern, Verkehrsflüssen oder Immobilienwerten messen lässt: Fantasie, Reibung und ein bisschen Verrücktheit.
Stuttgart bekommt seinen roten Riesen wieder. Und der Rotebühlplatz ein gutes Stück Charakter zurück.
Kunstwerk: „Lobotchevsky“ (1987/88)
Künstler: Mark di Suvero
Erstmals in Stuttgart gezeigt: 1988 im Oberen Schlossgarten
Standort: Seit 1991 am Rotebühlplatz
Größe: Rund acht Meter hoch, fünf Tonnen schwer
Restaurierung: März bis Oktober 2026
Wiederaufstellung: Freitag, 16. Oktober 2026
Öffentliches Programm: 13 bis 15 Uhr am Rotebühlplatz
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