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Comic-Horror mit Lokalkolorit

Der Stuttgarter Schocker: Das Grauen geht um im Kessell


Patrick Mikolaj 4 Min. Lesezeit News

Zombies auf dem Schlossplatz, Monster im Feinstaubnebel und eine Horrorfahrt in der S-Bahn: „Der Stuttgarter Schocker“ verwandelt bekannte Orte der Landeshauptstadt in Kulissen des Grauens. Pünktlich zu Halloween erscheint mit „Mord am Feuersee“ die bislang ambitionierteste Geschichte der Comicreihe – und das gleich in zwei Heften. Zeit, Stuttgart einmal von seiner schaurigsten Seite kennenzulernen.

Hinter dem Stuttgarter Schocker steht Lukas Hepp. Foto: Patrick Mikolaj

Gemütlich, ordentlich, sparsam: Wer Stuttgart beschreiben soll, landet schnell bei schwäbischen Tugenden, gepflegten Vorgärten und der Kehrwoche. Eine Großstadt, in der die Dinge möglichst ihre Ordnung haben – und in der das größte Drama manchmal darin besteht, dass der Nachbar seinen Gehweg nicht gründlich genug gefegt hat. Böse Zungen würden sagen: Stuttgart kann „schrecklich“ sein, aber eine Hochburg des Schreckens ist die Stadt eher nicht.

Wenn es in der Kesselstadt spannend wird, dann meist auf die klassische Art: mit Kriminalfällen in Romanen und im Fernsehen. Formate wie „SOKO Stuttgart“ oder der Stuttgarter „Tatort“ zeigen, dass sich zwischen Weinbergen, Wäldern und Neckar durchaus Verbrechen erzählen lassen.
Vampire, Hexen, Geister und Zombies schienen dagegen bislang eher in anderen Städten zu Hause zu sein.

Achtung, Halloween naht

Doch zumindest Halloween gehört längst zu den Nächten, in denen auch Stuttgart seine dunkleren Seiten hervorkehrt – ein Spektakel mit Kunstblut, Nebelmaschinen und falschen Fangzähnen. Die Untoten ziehen am 31. Oktober von Party zu Party und von Club zu Club.

Der Fernsehturm bekommt eine „Tatort“-Hauptrolle: Mord mit Aussicht

Wer allerdings wissen möchte, wie es aussieht, wenn der Schrecken dauerhaft in den bekanntesten Ecken der Stadt lauert, sollte einen Blick in „Der Stuttgarter Schocker“ werfen. Die Horror-Comicreihe von Lukas Hepp, der unter dem Namen Heppy veröffentlicht, verwandelt vertraute Schauplätze in Orte des Grauens. Die neueste Geschichte führt mitten hinein in einen mysteriösen Mordfall.

Vom Pommes-Monster bis zum Albtraum in der S-Bahn

„Der Stuttgarter Schocker“ startete 2024 mit einer ebenso lokalen wie schrägen Idee: Horror muss nicht in einem verlassenen Schloss in Transsilvanien spielen. Es reicht, die richtigen Ecken Stuttgarts zu kennen – und sie mit einer gehörigen Portion Fantasie zu betrachten.
 
Die Reihe orientiert sich an klassischen Horror-Comics der 1950er- und 1960er-Jahre: eigenständige Ideen, überraschende Wendungen und ein Hang zum makabren Vergnügen. Stuttgart ist dabei mehr als bloße Kulisse – die Stadt selbst wird zum Teil des Schreckens.
Die bisherigen Hefte führen durch die Alltagswelt der Landeshauptstadt, allerdings mit deutlich erhöhtem Monsteraufkommen. Im ersten Heft, „Das Monster aus der Fritty Bar“, wird die ehemalige Kult-Pommesbude zur Gruselkulisse. Drei Jugendliche treffen auf der Baustelle der abgerissenen Fritty Bar auf ein uraltes Monster. Der zweite Band verlegt das Grauen in den öffentlichen Nahverkehr. In „Schrecken der S1“ geraten drei Fahrgäste auf der Strecke nach Kirchheim unter Teck in eine beklemmende Situation, an die sie sich zunächst kaum erinnern können. Der Titel „Nett hier, aber …“ wiederum führt ins Weltall und präsentiert eine retro-futuristische Version Stuttgarts, in der ein Wissenschaftler der Universität Hohenheim eine zentrale Rolle spielt.
Mit „Im Feinstaub des Grauens“ erschien 2025 ebenfalls passend zu Halloween eine weitere Gruselgeschichte. Ein mysteriöser Feinstaubnebel legt sich über den Talkessel, in dem Ungeheuer lauern.

Ernstere Töne schlägt „Oben bleiben, unten leiden“ an. Die Baustelle von Stuttgart 21 wird zum Schauplatz eines psychischen Höllentrips: Die Hauptfigur Julian kämpft mit Schuld und Reue und gerät immer tiefer in eine Depression. Hier geht es nicht mehr nur um Monster und übersinnliche Erscheinungen, sondern um die Abgründe der menschlichen Psyche.

Mord am Feuersee: Stuttgart bekommt seinen eigenen Noir-Krimi

Mit „Mord am Feuersee“ schlägt die Reihe ein neues Kapitel auf. Die achte und neunte Ausgabe erzählen gemeinsam einen Film-Noir-Krimi, der die Schattenseiten der Kesselstadt und ihrer Bewohner beleuchtet. Die Doppelfolge soll Ende Oktober 2026 erscheinen – rechtzeitig zu Halloween.
Der Fall beginnt mit einem schockierenden Fund: Laura Pasch, Studentin an der Hochschule der Medien, wird tot im Oberen Schlossgarten entdeckt. Kommissar Keller und seine junge Kollegin Sandra Sturm übernehmen die Ermittlungen. Doch hinter dem vermeintlich klaren Mordfall verbergen sich weitere Geheimnisse, und bald deutet alles auf einen noch größeren Albtraum hin.

Die beiden Hefte heißen „Mord am Feuersee“ und „Mord am Feuersee 2“ und umfassen zusammen 80 Seiten. Laut dem Medien-Verlag Rough Cuts ist die Geschichte eine Hommage an David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“. Wie dort lauert hinter der vertrauten Fassade eine Welt voller seltsamer Geheimnisse, in der nicht jeder Hinweis zu einer eindeutigen Antwort führt.
Zudem verspricht die Geschichte ein Wiedersehen mit Figuren aus früheren Ausgaben. Der neue Krimi knüpft damit an die bisherige Reihe an und dürfte auch für langjährige Leserinnen und Leser interessant sein.

Horror mit Lokalkolorit

Dass die neue Geschichte ausgerechnet rund um Halloween erscheint, ist natürlich kein Zufall. Ihr besonderer Reiz liegt im Wiedererkennen: Wer durch Stuttgart läuft, kennt viele Schauplätze aus dem Alltag. Doch im düsteren Licht verwandeln sich vertraute Orte in unheimliche Kulissen. Die S-Bahn wird zum Albtraum, der Schlossgarten zum Tatort und der Spaziergang am Feuersee zum Gänsehautmoment.
„Der Stuttgarter Schocker“ verbindet Horror mit Lokalkolorit. Schwäbische Eigenheiten, bekannte Gebäude und aktuelle Themen liefern den Stoff für Geschichten, die mal albern, mal blutig und mal überraschend ernst sind.

Stuttgart braucht also weder düstere Burgen noch neblige Moore, um für Gänsehaut zu sorgen. Manchmal reichen ein paar vertraute Straßenzüge, eine unheimliche Nacht und ein Geheimnis, das besser verborgen geblieben wäre.

Wer an Halloween nachts durch den Stadtgarten nach Hause geht, sollte sich daher gut überlegen, ob der Zombie am Wegesrand tatsächlich nur auf dem Rückweg von einer Kostümparty ist – oder gerade erst dem Grab auf dem benachbarten Hoppenlaufriedhof entstiegen ist.

In diesem Sinne empfehlen wir für Halloween: immer schön die Augen offen halten!

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Patrick Mikolaj

Patrick Mikolaj

Geboren 1980 in Kirchheim unter Teck, heute Stuttgart-Fan aus tiefstem Herzen: Patrick Mikolaj hat aus einer originellen Idee ein echtes Stadtphänomen gemacht. Was der Blogger im Sommer 2012 mit dem Unnützen Stuttgartwissen begonnen hat, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Stuttgart-Projekte in den sozialen Medien. Dieser Erfolg zog weite Kreise: Seine Bücher im Lokalteil Verlag wurden zu regionalen Bestsellern. Zusammen mit Uwe Bogen und Manuel Kloker hat er zuletzt das Buch „Stuttgart – Kleine Geheimnisse einer großen Stadt“ herausgebracht. Mikolaj beschränkt sich nicht auf das geschriebene Wort, so verantwortet er mehrere erfolgreiche Stadtführungen.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Achtung, Halloween naht
  2. Vom Pommes-Monster bis zum Albtraum in der S-Bahn
  3. Mord am Feuersee: Stuttgart bekommt seinen eigenen Noir-Krimi
  4. Horror mit Lokalkolorit

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