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Der Ärger um ein KI-Foto von Julia Klöckner ebbt nicht ab: Nun berichtet auch die Stuttgarter Dragqueen Veronica Mont Royal, von der Bundestagspräsidentin auf Instagram blockiert worden zu sein.
Die Diskussion um den Instagram-Auftritt von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sorgt weiter für Kritik. Nun meldet sich auch die Stuttgarter Travestiekünstlerin Veronica Mont Royal zu Wort. Wie sie EchtStuttgart mitteilt, wurde auch sie auf Instagram von Klöckner blockiert – nachdem sie einen kritischen Kommentar unter einem Beitrag der CDU-Politikerin hinterlassen hatte.
„Und Menschen, die bewusst auf den unnötigen Einsatz von KI hinweisen, zu blockieren? Das ist einfach Ihres Amtes und Ihrer Position nicht würdig“, schrieb Mont Royal, wie auf dem Screen Shot des inzwischen gelöschten Kommentars zu sehen ist. Kaum habe sie das gepostet, sei auch ihr der Zugriff auf Klöckners Instagram-Profil nicht mehr möglich gewesen.
Auslöser der Kritik war ein Beitrag Klöckners zum Schulstart. Kritikerinnen und Kritiker monierten dabei den Einsatz eines KI-generierten Motivs sowie die Gestaltung des Beitrags.
Auch der Künstler Oliver Schäfer dokumentierte seinen eigenen kritischen Kommentar per Screenshot. Er hatte unter Klöckners Beitrag geschrieben: „Ganz ehrlich, Ihre Posts sind ein Schlag ins Gesicht jedes Medienschaffenden in Deutschland. Warum dieser KI-Mist?“ Anschließend forderte er sinngemäß, die Bundestagspräsidentin solle entweder einen Grafikdesigner beschäftigen oder auf echte Fotografien zurückgreifen.
Schäfer kritisierte zudem den Umgang mit den Kommentaren. Kritik zu löschen und Menschen anschließend zu blockieren, sei kein angemessener Umgang mit öffentlichen Debatten. „Kritik muss man aushalten können“, lautet seine Botschaft.
Auch Veronica Mont Royal bewertet den Schulstart-Beitrag äußerst kritisch. Sie bezeichnete die Gestaltung nach eigenen Angaben als „AfD-nah“ und fragte, ob es in Klöckners Team niemanden gebe, der einen solchen Auftritt verhindere.
Dabei geht es den Kritikerinnen und Kritikern nicht ausschließlich um die Frage, ob bei einem Social-Media-Post künstliche Intelligenz eingesetzt wurde. Mont Royal verweist vielmehr auf die Darstellung von Schule und Gesellschaft. In deutschen Klassenzimmern säßen Kinder mit unterschiedlichen Hautfarben, Religionen, Sprachen, Familiengeschichten, Fähigkeiten und Bedürfnissen – darunter auch Kinder mit Fluchterfahrung und Kinder, die erst seit kurzer Zeit Deutsch sprechen.
Eine Darstellung, die diese gesellschaftliche Realität ausblende, sei aus ihrer Sicht „realitätsfern und sehr gefährlich“. Die Debatte müsse deshalb aufgearbeitet und besprochen werden.
Besonders kritisch sehen Mont Royal und weitere Stimmen den Umgang mit Widerspruch. Wer einen öffentlichen Account betreibt – und dazu noch als Bundestagspräsidentin ein besonders hohes politisches Amt bekleidet – müsse sich auch mit unbequemen Kommentaren auseinandersetzen, lautet der Vorwurf.
Mont Royal macht in ihrem Beitrag deshalb deutlich, dass sie sich durch eine Blockierung nicht mundtot machen lassen wolle. Kritische Stimmen würden dadurch nicht verschwinden.
Die aktuelle Auseinandersetzung ist für die Stuttgarter Dragqueen zudem nicht isoliert zu betrachten. Sie erinnert an einen weiteren Konflikt mit Julia Klöckner aus dem vergangenen Jahr: Im Zusammenhang mit dem Christopher Street Day war Klöckner dafür kritisiert worden, dass die Regenbogenflagge am Reichstagsgebäude nicht gehisst werden durfte.
Damit bekommt die aktuelle Instagram-Debatte für Mont Royal eine zusätzliche politische Dimension. Es geht ihr nicht allein um einen gelöschten Kommentar oder einen blockierten Account, sondern um die grundsätzliche Frage, wie eine Bundestagspräsidentin mit öffentlicher Kritik umgeht.
Auf Instagram kann ein Account Kommentare moderieren und Nutzer blockieren. Politisch verschwinden kritische Stimmen dadurch allerdings nicht. Gerade bei einer Amtsträgerin wie Julia Klöckner stellt sich deshalb die Frage, wo legitime Moderation endet – und wo der Eindruck entsteht, dass unangenehme Kritik schlicht nicht erwünscht ist.
Veronica Mont Royal jedenfalls will ihre Kritik weiter öffentlich äußern. Ihr Appell: Eine demokratische Debatte müsse auch Widerspruch aushalten können.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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