Streit um Tiere spitzt sich zu
Der Cannstatter Volksfestverein zieht eine rote Linie: Sollte das Mitführen von Pferden verboten werden, wie von Tierschützern gefordert. soll es keinen Volksfestumzug mehr geben. Dies kündigt Vorsitzender Wulf Wager gegenüber EchtStuttgart an.
Der Cannstatter Volksfestumzug ohne Pferde? Für Wulf Wager ist das keine Option. Der Vorsitzende des Cannstatter Volksfestvereins hat seine bisherige Ablehnung eines Tierverbots jetzt noch einmal deutlich verschärft. In einer Stellungnahme gegenüber EchtStuttgart kündigt er Konsequenzen an, sollte die Stadt das Mitführen von Pferden untersagen.
„Sollte uns – von wem auch immer – das Mitführen von Pferden verboten werden, wird es keinen Volksfestumzug mehr geben“, erklärt Wager unmissverständlich.
Damit steht plötzlich nicht mehr nur die Teilnahme von Pferden und anderen Tieren zur Debatte, sondern die Zukunft des gesamten traditionellen Festzugs.
Der Vereinsvorsitzende verweist auf andere große Traditionsveranstaltungen in Süddeutschland, bei denen Pferde weiterhin zum Festprogramm gehören. Er nennt das Biberacher Schützenfest, das Saulgauer Bächtlefest und das Ravensburger Rutenfest. Auch beim Trachten- und Schützenzug zum Münchner Oktoberfest seien Pferde ein fester Bestandteil.
Tiere beim Volksfestumzug: Wie lange hält Stuttgart noch an dieser Tradition fest?
„Wenn wir in Stuttgart auf Pferde beim Umzug verzichten, würden wir uns gegenüber anderen Festzügen im Land lächerlich machen“, erklärt Wulf Wager. Für den Volksfestvereinsvorsitzenden geht es dabei um mehr als ein paar Pferdegespanne. Er sieht einen wesentlichen Bestandteil der historischen Identität des Cannstatter Volksfestumzugs gefährdet.
Auslöser der Auseinandersetzung sind die Proteste von Tierschützern beim Volksfestumzug am 27. September. Der Verein Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg kritisiert den Einsatz von Pferden vor Festwagen und von anderen Tieren, darunter Hühner, die in Körben durch Cannstatt getragen wurden.
Die Tierschützer fordern einen vollständig tierfreien Volksfestumzug vom kommenden Jahr an. Ihr Argument: Tiere dürften nicht als Zugtiere oder lebende Kulisse für ein Unterhaltungsprogramm eingesetzt werden. Tradition lasse sich auch mit Musik, Trachten und historischen Festwagen vermitteln.
Die Fraktion Die Linke SÖS Tierschutz hat bereits einen entsprechenden Antrag im Stuttgarter Gemeinderat gestellt. Die Tierschützer drängen darauf, dass das Gremium möglichst bald darüber entscheidet.
Zusätzliche Aufmerksamkeit hatte der Streit durch Oberbürgermeister Frank Nopper bekommen. Beim Volksfestumzug hatte er Tierschützern ein Protesttransparent entrissen. EchtStuttgart hatte als erstes Medienorgan über den Vorfall ausführlich berichtet.
Video zeigt: OB Frank Nopper entreißt Tierschützern ein Protest-Transparent
In einer ausführlichen Stellungnahme unter der Überschrift „Tradition und Tierwohl: Für eine sachliche Bewertung des Volksfestumzugs“ verteidigt Wager den Einsatz von Tieren.
„Unser Festzug erzählt die Geschichte Württembergs und seiner Landwirtschaft. Pferdegespanne und landwirtschaftliche Nutztiere gehören zu dieser Geschichte“, erklärt er.
Die Tiere vermittelten, wie Menschen früher gearbeitet, Waren transportiert und das Land bewirtschaftet hätten. Wer ihre Teilnahme ausschließlich als „lebende Kulisse“ bezeichne, werde diesem historischen Zusammenhang nicht gerecht.
Wager räumt zwar ein, dass sich Geschichte grundsätzlich auch ohne Tiere darstellen lasse. Daraus folge aber nicht, dass die Teilnahme von Tieren verboten werden müsse.
Entscheidend seien die tatsächlichen Bedingungen. Nach Angaben des Volksfestvereins werden die eingesetzten Tiere von erfahrenen Haltern betreut. Pferde und Gespanne seien auf den Umzug vorbereitet, außerdem gebe es eine tierärztliche Betreuung. Bei Problemen könnten Tiere aus dem Festzug genommen werden.
„Tierwohl ist dabei eine verbindliche Voraussetzung“, betont Wager.
Konkrete Vorwürfe möglicher tierschutzwidriger Belastungen sollten von den zuständigen Behörden fachlich geprüft werden. Ein pauschales Verbot lehnt der Verein dagegen ab.
Die Tierschützer verweisen darauf, dass andere traditionsreiche Veranstaltungen in Stuttgart inzwischen ohne Tiere auskommen oder diesen Schritt angekündigt haben.
Auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt gibt es die lebende Krippe mit Eseln und Schafen nicht mehr. Auch der Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen will künftig auf Tiere verzichten.
Für Wager sind diese Beispiele allerdings nicht auf den Volksfestumzug übertragbar. Es handle sich um unterschiedliche Veranstaltungsformen mit unterschiedlichen Anforderungen. Dass eine Veranstaltung ohne Tiere auskomme, sei noch kein Beleg dafür, dass Tiere beim Volksfestumzug nicht verantwortungsvoll eingesetzt werden könnten.
Mit Wagers jüngster Ankündigung hat die Diskussion eine neue Schärfe bekommen. Bislher ging es vor allem darum, ob Pferde, Hühner und andere Tiere künftig noch am Volksfestumzug teilnehmen dürfen. Jetzt stellt der Volksfestverein den gesamten Umzug infrage, sollte ein Pferdeverbot kommen.
Damit könnte der Gemeinderat vor einer weitreichenden Entscheidung stehen. Ein Verbot von Pferden würde nach der erklärten Haltung des Vereins nicht einfach zu einem Festzug ohne Tiere führen, sondern möglicherweise zum vollständigen Aus der Veranstaltung.
Ob der Gemeinderat tatsächlich ein solches Verbot beschließt, ist noch offen. Ebenso bleibt abzuwarten, wie Stadtverwaltung und Kommunalpolitik auf die Ankündigung des Volksfestvereins reagieren.
Als Podcasterin wird sie viel gehört. Mit „Klartext – Die Wahrheit über Fehler und Mythen in der Hundeerziehung“, den die gebürtige Stuttgarterin mit dem Hundepsychologen Adam Höpfl produziert, ist sie regelmäßig in den Top 20 der meistgehörten Tierpodcasts Deutschlands vertreten. Klare Worte, Tiefgang, Witz und Verständlichkeit sind dabei ihr Markenzeichen. Viele Jahre arbeitete Conny Mertz als Radiomoderatorin, Journalistin und Nachrichtenredakteurin. Ein Berufsalltag geprägt von Stress, wechselnden Schichten, Zeitdruck – sie weiß aus eigener Erfahrung, wie man mit Druck umgeht und handlungsfähig bleibt. Dieses Wissen gibt sie heute weiter: als ausgebildete Reittherapeutin, vor allem an Kinder. Ihr Fundament ist die Musik. An der Musikhochschule Stuttgart studierte sie Klavier und Rhythmik und schloss ihr Studium als Diplom-Musikpädagogin ab. Das geschulte Hören, das feine Gespür für Takt und Zwischentöne prägen ihre Arbeit.
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