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Vorfall in Stuttgart geht viral

„Nazis auf dem Friedhof“: Comedian Ilkan Ateş erlebt Schockmoment – Polizei bestätigt Einsatz


Uwe Bogen 4 Min. Lesezeit News

Comedian Ilkan Ateş will am Freitag die Premiere des Eleven Comedy Clubs in Stuttgart besuchen. Auf dem Weg vom Hotel dorthin hört er auf dem Hoppenlaufriedhof Männer grölen und offenbar ein SS-Lied singen. Sein Video geht viral. Die Polizei bestätigt gegenüber EchtStuttgart einen Einsatz.

Auf Instagram schildert Ilkan Ateş, was er nachts auf dem Hoppenlauffriedhof erlebt hat. Fotos: Patrick Mikolaj/Instagram/ilkkimil

Eigentlich sollte es ein lustiger Abend werden. Der Berliner Stand-up-Comedian Ilkan Ateş war am Freitagabend in Stuttgart, um bei der Eröffnung des neuen Eleven Comedy Clubs im Marquardt-Gebäude mitzufeiern. Auf dem Weg dorthin erlebt er eine Situation, die ihn offenbar so erschreckt, dass er sofort die Flucht ergreift. Was er dabei mit seinem Handy aufnahm und anschließend auf Instagram veröffentlichte, verbreitet sich seitdem rasant.

„Was zur Hölle ist in Stuttgart los, Digger?“, fragt Ateş in die Kamera. Es ist dunkel, der Comedian befindet sich auf dem Hoppenlaufriedhof, nur wenige Schritte von seinem Hotel entfernt.

„Bin auf dem Friedhof neben dem Maritim. Wollte gerade durch zum Club. Da sind 40 bis 50 Nazis und singen: ‚Mein Opa war Sturmführer bei der SS‘“, berichtet er sichtlich aufgebracht. Im Hintergrund sind laute Männerstimmen zu hören, die singen und rufen.

Ateş will nur noch weg. „Ich habe Adrenalin und verpisse mich“, sagt er. Und weiter: „Hier feiern Neonazis eine Party auf dem Friedhof. Ich wollte in den Comedyclub. Warum wird das nun zum Horrorfilm?“

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Video verbreitet sich rasant – über 6000 Mal geteilt

Der Clip sorgt auf Instagram für Aufsehen. Bis Samstagmittag wurde das Video bereits mehr als 6000 Mal geteilt, über 1400 Kommentare stehen darunter. Viele Nutzer zeigen sich entsetzt, einige äußern Zweifel an der Darstellung des Comedians.

„HORROR, ich hoffe du bist safe“, schreibt etwa die Comedy-Künstlerin Patricia Moresco.

Ein anderer Nutzer weist auf die besondere Geschichte des Ortes hin: „Das ist der Hoppenlaufriedhof. Was es noch schlimmer macht, das ist auch ein jüdischer Friedhof.“

Tatsächlich besitzt der historische Friedhof auch einen jüdischen Teil. Andere Kommentatoren berichten, dass es auf dem Gelände schon früher zu mysteriösen nächtlichen Zusammenkünften gekommen sei. 

Comedian reagiert auf Zweifel: „Die Aufnahmen sind echt“

Weil in den Kommentaren auch Zweifel an dem Vorfall und insbesondere an der genannten Zahl der Beteiligten aufkommen, meldet sich Ateş am Samstagvormittag erneut zu Wort. „Drohungen und direkte Beleidigungen blockiere ich direkt. Die Aufnahmen sind echt“, stellt er klar. Zu der Zahl der vermeintlichen Neonazis schreibt er: „40 bis 50 Personen war eine unüberlegte Schnapszahl. Ich habe keine Ahnung, wie viele es wirklich waren, genug, um sich sofort zu verpissen.“

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Polizei bestätigt Einsatz auf dem Hoppenlaufriedhof

EchtStuttgart hat bei der Polizei nachgefragt. „Der Vorfall ist uns bekannt“, bestätigt eine Polizeisprecherin. Demnach waren Beamte verständigt worden und zum Hoppenlaufriedhof gefahren. Dort trafen sie tatsächlich auf eine Gruppe von Männern. Einige von ihnen hatten laut Polizei Glatzen. Die Beamten unterzogen die Anwesenden einer Personenkontrolle.

Ob es sich bei den Männern tatsächlich um Rechtsextremisten oder Neonazis handelte, könne die Polizei allerdings nicht bestätigen. Offenbar wurden bei dem Einsatz auch keine nationalsozialistischen Symbole festgestellt. Eine Anzeige lag der Polizei bis zum Zeitpunkt der Anfrage ebenfalls nicht vor.

Was Ilkan Ateş am Samstag auf unsere Anfrage sagt

Am Samstag erklärt  Ilkan Ateş auf unsere Anfrage: „Ich kann zu dem Vorfall nicht viel mehr sagen als dass ich um 20 Uhr da durch wollte über diesen Hopenlauffiedhof, weil mir Google Maps das als kürzesten Weg angezeigt hat. Dann hab ich langsam realisiert, dass das Neonazis sind. Ich habe noch überlegt, ob ich es dran vorbeischaffe, aber die Lage schien mir dann doch bedrohlich –  komplett alleine und im Stockdunkeln. Ich hab die Polizei kontaktiert, die haben kurz und knapp reagiert und gesagt sie gucken es sich an.“

Ein 400 Jahre alter Friedhof mit besonderer Geschichte

Dass sich der Vorfall ausgerechnet auf dem Hoppenlaufriedhof abgespielt haben soll, verleiht der Geschichte eine besondere Brisanz. Die Anlage zwischen Liederhalle, Hotel Maritim und der Stuttgarter Innenstadt feiert in diesem Jahr ihren 400. Geburtstag. Sie wurde 1626 während einer Pestepidemie als Begräbnisstätte vor den damaligen Stadtmauern angelegt. Heute gilt sie als eines der bedeutendsten historischen Friedhofsdenkmäler Stuttgarts.

Hier liegen unter anderem der Dichter Wilhelm Hauff, der Schriftsteller Gustav Schwab und der Bildhauer Johann Heinrich Dannecker begraben.

1843 wurde auf dem Gelände außerdem ein jüdischer Friedhof angelegt. Er war der erste in einer württembergischen Stadt, der unmittelbar an einen städtischen Friedhof angeschlossen war.

Heute ist der Hoppenlaufriedhof zugleich ein historischer Erinnerungsort und eine öffentlich zugängliche Grünanlage mitten in Stuttgart.

Der kürzeste Weg zum Comedyclub führte über den Friedhof

Der Berliner Ilkan kennt sich in Stuttgart nicht aus, Er wusste nicht, dass sein vom Handy vorgeschlagene Weg durch einen Friedhof führt. Sein Video hat inzwischen Tausende Menschen erreicht und eine Diskussion darüber ausgelöst, was nachts auf dem historischen Friedhof passiert. Wer das Video anschaut, zweifelt nicht an dem Wahrheitsgehalt – zumal mal den Gesang im Hintergrund hört.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Video verbreitet sich rasant – über 6000 Mal geteilt
  2. Comedian reagiert auf Zweifel: „Die Aufnahmen sind echt“
  3. Polizei bestätigt Einsatz auf dem Hoppenlaufriedhof
  4. Was Ilkan Ateş am Samstag auf unsere Anfrage sagt
  5. Ein 400 Jahre alter Friedhof mit besonderer Geschichte
  6. Der kürzeste Weg zum Comedyclub führte über den Friedhof

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