Volksfest noch bis Sonntag
Laut, wild, heftig: Der Wasen-Wahnsinn dreht im Endspurt noch einmal so richtig auf. Bei der Wasengaudi ballern die SuperBatBoys, die Gaydelight wird zum Party-Epizentrum der Vielfalt. Und zum Finale trumpft auch noch die gute alte Blasmusik auf. EchtStuttgart berichtet über Party-Höhepunkte.
Der Wasen bebt. Die Bässe wummern, die Bierkrüge kreisen, die Stimmbänder arbeiten an der Belastungsgrenze. Ohrenschützer sind für den Wasen-Wahnsinn inzwischen fast nützlicher als Dirndl und Lederhosen. Am Sonntag ist Schluss. In den Finaltagen davor bekommt selbst der Ausnahmezustand noch eine Extraportion Ausnahmezustand.
Wie viele Menschen bisher auf das Festgelände geströmt sind, verrät in.Stuttgart noch nicht. Bei der Halbzeitbilanz hat die Veranstaltungsgesellschaft nicht, wie sonst üblich, Besucherzahlen genannt. Alles streng geheim. Dafür gab es von den Organisatoren das Prädikat „sehr gut“. Dass es wieder rappelvoll ist, zeigen zwei Party-Höhepunkte.
Auf der Empore der Almhütte Royal von Nina Renoldi laden die Partyspielagenten zur Wasengaudi. Hinter dem Namen stecken Florian Gauder und Billy Pasch. Gauder trägt die Gaudi beinahe schon im Nachnamen. Als SuperBatBoys machen die beiden auch musikalisch gemeinsame Sache. Ihre Partyschlager „Supermann“ und „Wodka-E Ole Ole“ passen zum Wasen wie der Schaum auf die Maß.
Hier wird nicht nur gesungen und geschunkelt. Hier wird geruckelt. Eines seiner Partyspiele ist ein Schüttelgerät, das ursprünglich für die Füße konstruiert ist. Gauder baut es so um, dass man sich daraufsetzen kann. Der Po wird zum Wackelpudding, der ganze Körper vibriert. Gauder warnt vorsorglich sogar vor unerwarteten Erektionen, die der Schüttelsitz auslösen könnte. Zum Glück ist die Musik so laut, dass nicht jeder seinen Scherz mitbekommt.
Um 18 Uhr geht die Wasengaudi los, um 18.27 Uhr ist der obere Bereich nach Angaben von Gauder bereits voll. Der Gastgeber schwärmt von einer „grandiosen Veranstaltung“.
Auf der Bühne stehen Mallorca-Sängerin Isa Bella, bekannt durch ihren Hit „Vielleicht Vielleicht“ mit Almklausi, Joe Verbeek, Gastgeber von Krümels Stadel auf Mallorca, und Yvonne Woelke, Schauspielerin, Sängerin und Gewinnerin von „Forsthaus Rampensau“. Natürlich dürfen auch die SuperBatBoys nicht fehlen.
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Zum Feiern schauen weitere bekannte Gesichter vorbei: Almklausi, Tobee, DJ Robin, BB Klaus, Käpt’n Knallermann, DJ Uli und Marko Rottano. Auch die Hofbräu-Bierkönigin ist dabei. Und Annita Rösslein, eine Institution des Faschings, die am Ende legendärerweise sämtliche Luftballons mitnimmt. Andere sammeln Autogramme, sie sammelt die Dekoration ein.
„Zum Partymachen gibt es nichts Besseres als Gaydelight“, schwärmt ein Besucher. Dass der Wasen nicht nur laut, sondern auch herrlich divers und queer sein kann, zeigt die Gaydelight im Festzelt Zum Wasenwirt. Seit 27 Jahren gehört sie zur LGBTQ+-Partykultur auf dem Cannstatter Volksfest.
Veranstalter Theo Pagliarucci spricht von rund 3000 bis 3500 Gästen. Bis auf wenige Plätze in der hintersten Reihe sei das Zelt nahezu vollständig besetzt gewesen, sagt er im Gespräch mit EchtStuttgart.
Nicht nur die Gäste haben ihren Spaß. Auch beim Personal ist die Gaydelight offenbar besonders beliebt. Bei keiner anderen Veranstaltung, so hört man beim Wasenwirt, gebe es so viel Trinkgeld wie von den Gästen der Regenbogen-Community. Und auch die Security freut sich: Trotz ausgelassener Stimmung bleibt alles friedlich. Gute Laune statt Ärger.
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Das passt zur Haltung von in.Stuttgart. Die Veranstaltungsgesellschaft will auf dem Volksfest keine Diskriminierung dulden, sondern alle Menschen zum gemeinsamen Feiern einladen. Toleranz und Diversität sollen auf dem Wasen nicht nur Schlagworte sein, sondern gelebt werden.
Für den musikalischen Dauerbetrieb sorgen die Grafenberger und DJ Twenty B. Durch den Abend führt Emily Island. Auf zusätzliche Show- und Live-Acts verzichten die Veranstalter bewusst. Eine Publikumsumfrage zeigt, dass die Gäste vor allem eines wollen: feiern, feiern, feiern. Möglichst ohne Unterbrechung. „Aus unserer Sicht war diese Entscheidung genau richtig“, sagt Pagliarucci im Gespräch mit EchtStuttgart.
Einen feierlichen Moment gibt es dennoch: Gewürdigt werden 25 Jahre IG CSD Stuttgart, 30 Jahre Weissenburg und 50 Jahre Lederclub Stuttgart. Drei Jubiläen, die zeigen, wie eng die Gaydelight mit der queeren Stadtgesellschaft verbunden ist.
Wer danach noch immer nicht genug hat, zieht zur Gaydelight Carry On in die Romy S. weiter. Und der nächste Termin steht bereits fest: Am 7. Oktober 2027 soll wieder gefeiert werden.
Und dann passiert im Wasen-Endspurt noch etwas fast Ungewöhnliches: Die gute alte Blasmusik bekommt ihren großen Auftritt.
Im Dinkelacker-Festzelt Klauss & Klauss zeigt die Festwirtsfamilie Weller am Sonntag, 11. Oktober, dass Volksfest nicht zwangsläufig Dauerbeschallung mit Ballermann-Hits bedeuten muss.
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Mittags spielen die Binswanger Banzger Blosn und Saso Avsenik mit seinen Oberkrainern auf. Ab 17.30 Uhr übernimmt die Kapelle Josef Menzl in XXL-Wiesn-Besetzung. Da dürfen die Trompeten schmettern und die Tuben brummen.
Die Familie Weller lockt mit einem besonderen Angebot: Für 25 Euro gibt es Wertmarken im Wert von 35 Euro für Essen und Getränke. Die Musik gibt es obendrauf.
Das Volksfest kann eben beides: hemmungslos Party machen und ganz traditionell aufspielen. Nur eines ist überall gleich: Leise geht anders. Am Sonntag will in.Stuttgart die Besucherzahlen für 2026 vorlegen. In München gab es eine Rekord-Wiesn mit 7,4 Millionen Besuchern. Wir haben’s im Gefühl und können es schon spüren: Auch das Volksfest steht vor einem neuen Rekord.
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