Dein Viertel
Wähl deinen Bezirk, dann zeigen wir dir Neues von dort zuerst. Gespeichert wird nur in deinem Browser, ganz ohne Konto.
Gerade neu
Specials
Mitmachen & Wissen
Rubriken
NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosNeustart am Stuttgarter Wilhelmsplatz
24 Jahre lang war Hans-Peter Grandl der „Wasenkönig“. Jetzt hat er mit seinen Kindern Stefan und Marina das familieneigene Hotel Wilhelm am Stuttgarter Wilhelmsplatz zum schicken Designhotel umgebaut. Die ersten Gäste sind bereits eingezogen, doch ein Wasserschaden verzögert die vollständige Eröffnung.
Wer 24 Jahre lang eines der großen Festzelte auf dem Cannstatter Wasen betrieben hat, ist es gewohnt, dass immer etwas los ist. Tausende Gäste, Hektoliter Bier, Musik und Trubel – das war über mehr als zwei Jahrzehnte die Welt von Hans-Peter Grandl. Als Betreiber des Hofbräu-Zelts hatte er sich den Spitznamen „Wasenkönig“ erworben. Er galt als „Platzhirsch“. Im Mai 2023 verabschiedete er sich beim Stuttgarter Frühlingsfest mit einem letzten Zapfenstreich auf seiner Trompete von seinem Publikum. Sein Nachfolger Marcel Benz übernahm das Zelt.
Doch wer glaubt, dass sich der umtriebige Unternehmer Grandl nach seinem Abschied vom Wasen gemütlich aufs Altenteil zurückzieht, kennt ihn schlecht. Gemeinsam mit seinen Kindern Stefan Grandl und Marina Unterbirker widmet er sich nun verstärkt dem Hotel Wilhelm am Wilhelmsplatz. Das Haus hat nach monatelangem Umbau als Designhotel neu eröffnet. Dabei ist der Vater keineswegs nur der Senior, der gelegentlich vorbeischaut und gute Ratschläge gibt. Er ist einer von drei gleichberechtigten Chefs.
Auf den Wasen hat es weder den Sohn Stefan noch die Tochter Marina gezogen – wahrscheinlich haben sie gesehen, wie viel Arbeit das beim Vater macht. Mit dem Hotel Wilhelm haben die drei nun eine gemeinsame Aufgabe gefunden. Das familiengeführte Stadthotel soll modernes Design mit persönlicher Gastfreundschaft verbinden. Das Hotel ist nach dem Umbau, sagt Stefan Grandl im Gespräch mit EchtStuttgart, „ein Schmuckstück“ geworden.
Und auch wenn zwischen einem riesigen Volksfestzelt und einem kleinen Designhotel mit 30 Zimmern Welten liegen, gibt es durchaus Gemeinsamkeiten: In beiden Fällen geht es darum, dass sich die Gäste wohlfühlen.
Das Hotel Wilhelm befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, das bereits 1830 als Wohnhaus errichtet und 1990 zum Hotel umgebaut wurde. Nun hat die Familie Grandl dem historischen Haus eine umfassende Verjüngungskur verordnet. Die insgesamt 30 Zimmer wurden aufwendig neu gestaltet.
Natürliche Materialien, warme Farben, sorgfältig ausgewählte Möbel und eine reduzierte Formensprache sorgen für ein hochwertiges, gemütliches Ambiente. Besonders schön zeigt sich das in den Zimmern im sogenannten Japandi-Stil, einer Kombination aus japanischem Minimalismus und skandinavischer Wohnlichkeit.
Wahre Wohlfühl-Zimmer sind entstanden.Sie wirken modern, ohne kühl zu sein, stilvoll, ohne überladen zu wirken. „Mittendrin, persönlich, Zuhause“ lautet das Motto des Hotels.
Eigentlich sollten am 1. Oktober sämtliche 30 Zimmer wieder für Gäste zur Verfügung stehen. Doch ein Wasserschaden machte der Familie einen Strich durch die Rechnung, wie Stefan Grandl sagt. Das Hotel hat zwar bereits als Designhotel eröffnet, bisher kann aber nur ein Teil der Zimmer bezogen werden.
Für die Betreiber ist das ärgerlich. Schließlich steckt in der Umgestaltung nicht nur viel Geld und viel Herzblut, sondern auch monatelange Arbeit.
Die Lage des Hotels dürfte zu seinen größten Trümpfen gehören. Der Wilhelmsplatz liegt mitten in der Stadt, zwischen dem Leonhardsviertel und dem beliebten Heusteigviertel. Restaurants, Bars und Cafés befinden sich praktisch vor der Haustür. Auch Rathaus, Marktplatz und Königstraße sind bequem zu Fuß erreichbar.
Seinen Namen verdankt das Hotel ebenso wie der Wilhelmsplatz König Wilhelm I. von Württemberg, der von 1816 bis 1864 regierte.
Für Hans-Peter Grandl beginnt damit ein neues Kapitel. Statt Tausende Besucher im Festzelt zu bewirten, kümmert er sich nun gemeinsam mit seinen Kindern um ein kleines, feines Stadthotel. Der Trubel ist ein anderer geworden – die Freude am Gastgebersein ist geblieben.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
Alle Artikel von Uwe Bogen →
Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.